Aktualisiert 23.09.2011 09:13

Potente über Beate Uhse«Wir verdanken ihr Dildos»

In ihrem neuen Film «Das Recht auf Liebe» verkörpert Franka Potente die Erotik-Unternehmerin Beate Uhse. Jetzt spricht sie über Vorurteile, Moralvorstellungen und Strip-Clubs.

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los

Franka Potente, Sie bewundern Beate Uhse. Was imponiert Ihnen an dieser Frau?

Franka Potente: Beate Uhse hat in den 50er Jahren Dinge gemacht, die Frauen damals einfach nicht gemacht haben. Sie hat gegen alle Widrigkeiten ein riesiges Unternehmen aufgebaut, ist ständig von der Kirche und Konservativen verklagt worden und hatte dann noch zwei Kinder zu Hause. Beate Uhse wurde ständig zum Kampf herausgefordert, weil sie ihrer Zeit voraus war. Zu Kriegsende war sie alleinerziehende Mutter und Stuntfliegerin. Das ist auch aus heutiger Sicht noch sehr beeindruckend.

Beate Uhses Lebensformel lautete «Kind-Haus-Garten». Und Ihre?

Meine ist auch «Kind-Haus-Garten» (lacht). Nein, eine richtige Formel habe ich eigentlich nicht. Meine Definition von Glück wäre, dass das, was man denkt, sagt und tut in einem harmonischen Einklang ist. Das hat Gandhi gesagt und das würde ich unterschreiben.

Beate Uhse wird häufig auf die nach ihr benannten Shops reduziert. Was verdanken ihr die Frauen?

Sexshops, Dildos und Vibratoren (lacht). Ich glaube, dass sich mit der Zeit eine gewisse Gelassenheit eingestellt hat. Beate Uhse war ja überhaupt keine «Sex-Tante», sondern eigentlich eine ganz spiessige Mutti. Sie hatte gestrickte Westen an und war immer ganz zugeknöpft. Das beweist, dass jemand, der mit Sex zu tun hat, nichts Anzügliches haben muss. Das ist auch heute noch ein grosses Missverständnis. Beispiel Schwule: Vor fünf Jahren ist man in Texas für Anal-Verkehr ins Gefängnis gekommen. Da fragt man sich: Wie hat die Polizei das eigentlich herausgefunden? Auch im Jahr 2011 sind wir noch nicht so viel weiter. Und das, obwohl durch Internet, Fernsehen und Reality-Shows überhaupt nichts mehr privat ist.

Zur Vorbereitung auf Ihre Rolle haben Sie angeblich alles gelesen, was sie über Beate Uhse finden konnten. Waren Sie auch in einem Sex-Shop?

Da war ich vorher schon längst! Ich mag auch Strip-Clubs total gerne. Wenn ich im Ausland bin, gehe ich immer in einen Strip-Club. Ich finde, da tut sich so eine ganz seltsame, dunkle Welt auf. Es ist spannend, weil es dort ganz offensichtlich um Sex geht. In diesen Clubs herrscht eine ganz bestimmte Stimmung. Dieses Verbotene und das Anrüchige hat für mich Poesie.

Schon als Austauschschülerin zog es Sie in die USA, seit Jahren leben Sie dort. In Europa gelten US-Amerikaner als etwas prüde. Wie sehen Sie das?

Ja, ich stelle das auch immer wieder fest. Es kommt aber darauf an, wo man ist. Kalifornien ist relativ liberal, hier dürfen Schwule heiraten. Marihuana ist dagegen verboten. So ganz durchschaue ich das immer noch nicht, weil ich vermutlich im Herzen immer noch Europäerin oder Deutsche bin. Es gibt immer wieder Momente, in denen ich denke: Oh, das ist hier nicht erlaubt.

Und dann ecken Sie auch mal an?

Kann sein, aber das merke ich dann nicht. Europäern wird aber auch sehr viel mehr verziehen.

Angeblich fühlen Sie sich in L.A. gar nicht sonderlich wohl. Ist das so?

Das stimmt heute nicht mehr so sehr wie vor sieben Jahren, als ich hier zum ersten Mal gelebt habe. Das war eine ziemlich andere Zeit. Damals war Bush Präsident, mittlerweile ist es Obama. Das fühlt sich jetzt hier alles viel liberaler an.

Hat Präsident Barack Obama die USA in Ihren Augen spürbar verändert?

Allein dass ein Schwarzer Präsident geworden ist, hat eine grosse Symbolik. Vor Obama gab es einen Präsidenten, der nicht mehr alle Tassen im Schrank hatte. Jetzt herrscht hier ein anderes politisches Klima, das spürt man!

In der letzten Zeit war die Boulevardpresse vor allem an Ihrem Privatleben interessiert?

Als Künstlerin habe ich nicht die Aufgabe, die Öffentlichkeit über mein Privatleben zu informieren. Das habe ich noch nie gemacht und das werde ich auch weiter so halten. Ja, ich bin Mutter geworden und wie alle Eltern haben auch wir die Aufgabe, unsere eigene Privatsphäre und die unseres Kindes zu schützen. Das tun wir besonders vehement. Mehr werde ich dazu nicht sagen. (los/dapd)

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