Aktualisiert 10.08.2017 13:19

Luxushotel-Chef«Wir vermitteln Gästen niemals Escort-Damen»

Er versucht, seinen Gästen jeden Wunsch von den Lippen abzulesen. Doch es gibt auch Grenzen. Hotelier Andrea Scherz im Interview.

von
kwo
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Andrea Scherz führt das Gstaader Luxushotel Palace in dritter Generation.

Andrea Scherz führt das Gstaader Luxushotel Palace in dritter Generation.

Das Palace thront hoch über dem Dorf.

Das Palace thront hoch über dem Dorf.

Keystone/Gaetan Bally
Um die maximal 200 Gäste kümmern sich in der Hochsaison 300 Angestellte.

Um die maximal 200 Gäste kümmern sich in der Hochsaison 300 Angestellte.

Keystone/Gaetan Bally

Herr Scherz, wie häufig kommt es vor, dass Gäste mit exzentrischen Spezialwünschen auf Sie zukommen (20 Minuten berichtete über einige dieser Wünsche)?

Grundsätzlich kommt es auf die Jahreszeit an. Vor allem über Weihnachten und Neujahr, wenn das Hotel sehr voll ist, erhalten wir viele Spezialwünsche. Das können dann gut und gern drei bis vier Gäste sein, die etwas Ausgefallenes von uns möchten.

Spielen die Kosten nie eine Rolle?

Die Gäste sind sich bewusst, was sie bestellen.

Welche Wünsche können Sie Gästen nicht erfüllen?

Wir versuchen, alle Wünsche zu erfüllen, die moralisch vertretbar und irgendwie machbar sind. Wir haben sogar schon Rasen in einem Badezimmer ausgerollt, damit ein Hund dort Pipi machen konnte.

Wo sind die Grenzen?

Teilweise hatten wir schon Anfragen von Gästen, die sich bei uns nach Escort-Damen erkundigt haben. Für uns ist hier klar: Wir vermitteln Gästen niemals Escort-Damen.

Stammen die extravagantesten Wünsche jeweils von bekannten Superstars?

Nein, nicht unbedingt. Einerseits gibt es wohlhabende Leute, die nicht in der Öffentlichkeit stehen und sehr ausgefallene Wünsche haben, andererseits gibt es Promis, die mit ihren Spezialwünschen ganz gezielt die Aufmerksamkeit auf sich ziehen möchten. Viele Hotels sind dann natürlich auch bereit, auf diese Wünsche einzugehen, da sie sich Werbung für ihr eigenes Haus davon versprechen.

Sie bieten Ihren Kunden allen Luxus – muss es für Sie selbst auch immer luxuriös sein?

Es ist die Kunst des Hoteliers, sich auf sich selbst zu besinnen und sich immer wieder klarzumachen, dass man selbst nicht so reich wie seine Gäste ist. Letztlich ist die Arbeit eine Art Schauspiel. Betritt man das Hotel, dann ist Showtime – und man gibt sein Bestes, um die Gäste zu begeistern. Aber man muss die Arbeit klar vom Privatleben abgrenzen.

Andrea Scherz ist Hotelier im Gstaad Palace.

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