Aktualisiert 05.01.2020 15:50

Aarburg AG«Wir versuchten, mit Pullis die Blutung zu stoppen»

Mit über 100 Kilometern pro Stunde raste ein 52-jähriger Lenker in Aarburg in eine Wand. Anwohner versuchten, ihn zu retten – vergeblich.

von
pro

So ereignete sich der Unfall in der Nacht auf Sonntag. (Video: J. Probst)

Bei einem schweren Verkehrsunfall in Aarburg AG ist am Samstagabend ein 52-jähriger Portugiese verstorben. Mit einer Geschwindigkeit von über 100 Kilometern pro Stunde raste er mit seinem Mercedes in eine Hausmauer. «Er rasierte eine Treppe und ein Balkongelände ab und wurde zurück auf die Strasse geschleudert», teilt die Kantonspolizei Aargau mit.

A.O. ist einer der Anwohner, die versuchten, den Fahrer zu retten. «Gegen halb neun Uhr abends hörte ich einen riesigen Knall», sagt er zu 20 Minuten. «Ich ging zum Fenster und sah, dass ein Auto ins Haus gedonnert war. Sofort rannte ich nach draussen.» Sein Nachbar sei schon da gewesen: «Ich rief einen Krankenwagen und holte Hammer und Zange. Mein Nachbar schlug die Scheibe des Autos ein», so O.

«Grobe Kopfverletzung»

Eine Krankenschwester, die im Haus wohne, sei ebenfalls dazugestossen. «Wir haben den Fahrer betreut, so gut es ging. Wir versuchten, die Blutung zu stoppen mit allem, das uns zur Verfügung stand: T-Shirts, Pullover und Handtücher.» Der Fahrer sei bewusstlos gewesen. «Er hatte eine grobe Kopfverletzung und nur noch einen sehr schwachen Puls», so O.

Sie hätten den Mann nicht aus dem Auto befreien können und stattdessen auf die Rettungskräfte gewartet. «Die Krankenschwester hat einen super Job gemacht», sagt O. Er ist sicher: «Wäre ein Fussgänger auf dem Trottoir gestanden, hätte es noch mehr Tote gegeben. Die ganze Beifahrerseite des Autos war völlig zertrümmert. Ein Beifahrer wäre geköpft worden.»

«Hier fährt niemand 50»

Das Auto sei in den Balkon gerast und habe dessen Geländer mitgerissen. «Dann hat es sich wohl zurück auf die Strasse gedreht und kam vor meinem Wohnzimmerfenster zum Stillstand.»

Die Strecke sei schon seit längerem als gefährlich bekannt. «Es war nur eine Frage der Zeit, bis hier etwas passiert, so schnell wie die hier durchrasen. Abends fährt hier keiner die erlaubten 50 Kilometer pro Stunde.» Die Anwohner hätten sogar Witze darüber gemacht.

Dem Fahrer konnten sie nicht mehr helfen. Er verstarb noch auf der Unfallstelle. Die Feuerwehr musste den Mann aus dem Wrack bergen. Warum es zum Unfall kommt, ist noch unklar. Die Polizei sucht Zeugen. Die Staatsanwaltschaft hat eine Untersuchung eingeleitet.

Selbstunfall in Aarburg AG

Im aargauischen Aarburg ist ein Mercedes in eine Hausmauer gekracht.
(Video: BRK, Leser-Reporter)

So sah es auf der Unfallstelle aus. (Video: BRK News)

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.