03.06.2020 06:24

Streit um Samenspende

«Wir wandten die Bechermethode an»

Bei der Ehe für alle kommts am Mittwoch zum Showdown: Der Nationalrat entscheidet, ob lesbische Paare Zugang zu Schweizer Samenbanken bekommen.

von
Daniel Waldmeier
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Julia Laager (r.) und Denise Gämperle mit Sohn Leyan sowie den Hunden Fiona und Nala. Leyan kriegt bald ein Geschwisterchen.

Julia Laager (r.) und Denise Gämperle mit Sohn Leyan sowie den Hunden Fiona und Nala. Leyan kriegt bald ein Geschwisterchen.

Lehnt die Ehe für alle ab: Philipp Matthias Bregy (CVP).

Lehnt die Ehe für alle ab: Philipp Matthias Bregy (CVP).

KEYSTONE
Der Nationalrat entscheidet über die gleichgeschlechtliche Ehe.

Der Nationalrat entscheidet über die gleichgeschlechtliche Ehe.

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Darum gehts

  • Der Nationalrat entscheidet über die Homoehe.
  • Streitpunkt ist, ob mit der Öffnung der Ehe für gleichgeschlechtliche Paare auch der Zugang zur Samenspende für lesbische Paare verbunden sein soll.
  • Eine Regenbogenfamilie erzählt, wie sie sich den Kinderwunsch erfüllt hat.

Am Mittwoch steht für die LGBTQ-Community viel auf dem Spiel. Der Nationalrat entscheidet über die gleichgeschlechtliche Ehe. Umstritten ist, welche Rechte homosexuellen Paaren damit gewährt werden sollen.

Kontrovers diskutiert wird insbesondere, ob lesbischen Paaren auch gleich der Zugang zur Fortpflanzungsmedizin gewährt werden soll. Der Bundesrat lehnt das ab.

Bechermethode statt Samenbank

Julia Laager und Denise Gämperle (beide 34) hoffen nun, dass das Parlament die Forderungen aus der LGBTQ-Community erhört und die Samenspende auch für lesbische Paare öffnet. Das Paar aus dem Kanton Solothurn lebt seit 2015 in einer eingetragenen Partnerschaft. Im Januar 2018 brachte Laager Sohn Leyan auf die Welt. «Ich war zu Beginn alleinerziehende Mutter. Das Verfahren der Stiefkindadoption ist kostspielig und nervenaufreibend.»

Der biologische Vater stammt aus dem privaten Umfeld der Frauen und pflegt Kontakt zum Kind. Sie hätten die sogenannte Bechermethode angewandt, sagt Laager. «Aber nicht alle Frauen haben oder wollen einen privaten Spender. Zudem fehlt die ärztliche Beratung.» Diese Frauen müssten ins Ausland ausweichen. «Das finden wir schade. Natürlich gibt es engstirnige Menschen, aber wir erfahren als Familie kaum je negative Reaktionen.» Studien zeigten, dass Kinder aus Regenbogenfamilien genauso gesund und glücklich aufwachsen würden wie Kinder aus Heterofamilien.

Für Anna Rosenwasser von der Lesbenorganisation LOS ist klar: «Der Nationalrat muss ein Zeichen setzen. Eine Ehe für alle ohne rechtliche Absicherung von homosexuellen Familien mit Kindern und ohne Zugang zur Samenspende für lesbische Paare ist nur eine eingetragene Partnerschaft plus.» Die Anerkennung von Stiefkindern sei langwierig, die Samenspende im Ausland alles andere als ein spassiger Ferienausflug. «Wir fordern nicht mehr und nicht weniger als die gleichen Rechte, wie sie heterosexuelle Paare haben.»

Rechte lehnen Samenspende ab

Widerstand leisten konservative Kreise. Die SVP lehnt die Vorlage insgesamt ab. Die CVP ist für die Ehe für alle, will die Frage der Samenspende aber später klären. Anders als die Mehrheit seiner Partei lehnt der Walliser CVP-Nationalrat Philipp Matthias Bregy die Vorlage ganz ab, weil er auch gegen das Adoptionsrecht für homosexuelle Paare ist. «Wer sich für eine gleichgeschlechtliche Partnerschaft entscheidet, weiss, dass der natürliche Kinderwunsch damit unerfüllt bleibt», sagt er. Darum lehne er auch die Samenspende ab.

Er finde Adoption und Samenspende schon bei heterosexuellen Paaren nicht ohne Probleme, sagt Bregy. Gegen eine Gleichstellung gleichgeschlechtlicher Paare in anderen Bereichen, etwa im Erb- und Sozialversicherungsrecht, spreche aus seiner Sicht aber nichts.

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