Grossbrand in Olten: «Wir waren in Lebensgefahr»
Aktualisiert

Grossbrand in Olten«Wir waren in Lebensgefahr»

Mehrere Explosionen erschütterten am Dienstagabend die Oltner Innenstadt. Nun geht es ans Aufräumen.

von
Andrea Muff

Anwohner putzen ihre Balkone und befreien ihre Drahtesel von der Asche: Der Grossbrand vom Dienstagabend an der Unterführungsstrasse in Olten hat seine Spuren hinterlassen – auch in den Köpfen der Betroffenen. Der Schock sitzt noch tief.

Beim Feierabend gestört

«Ich wollte Feierabend machen und die Beine hochlegen, als ich eine grosse schwarze Wolke an meinem Balkon vorbeiziehen sah», erzählt eine Anwohnerin gegenüber 20 Minuten. Als sie auf den in den Innenhof führenden Balkon trat, sah sie die Flammen. «Ich habe meinen herzkranken Mann gepackt und bin aus der Wohnung geflüchtet.» Beim Runterrennen sei das Treppenhaus schon von der zweiten Explosion erschüttert worden. «Wir waren in Lebensgefahr», sagt die erschütterte Frau.

Sie seien von der Polizei weggeschickt worden und hätten keine weitere Informationen erhalten. An eine Nacht ausserhalb ihrer vier Wände konnte sie ohne die Medikamente ihres kranken Mannes nicht denken: «Ich hatte grosse Angst, nicht mehr in meine Wohnung zurückkehren zu dürfen.»

Losrennen und beten

Auch Pauline Straumann vom Coiffeuer Sunset Jamaican Hairstyle war in Angst: «Bei der ersten Explosion schnappte ich mir meinen Neffen und wir rannten so schnell wir konnten.» Sie habe gebetet, dass niemand sterben werde. Umso glücklicher ist sie am nächsten Tag bei den Aufräumarbeiten. Bloss ein bisschen Schmutz sei in den Laden geweht worden: «Wir alle sind froh, dass niemand verletzt worden ist.»

Coiffeur Claudio Bomba sagt: «Bei mir landete eine Gasflasche vor dem Schaufenster.» Doch Angst habe er keine gehabt und sogar weitergearbeitet. Nicole Neuenschwander, Inhaberin des Coiffeur NN, hatte indes nur eine Sorge: «Ich wollte einfach meine Kundin in Sicherheit bringen.» Erst gegen 22 Uhr konnte sie ihren Laden wieder betreten.

Mehrere hunderttausend Franken Schaden

Auch der Dachstock des Nachbargebäudes an der Unterführungsstrasse 29 brannte vollständig aus. Drei Wohnungen seien nicht bewohnbar, die Mieter hätten die Nacht im nahen Hotel Amaris verbracht, berichtet ein Hausbewohner gegenüber der «Aargauer Zeitung». Derzeit sei auch in allen Wohnungen und im Treppenhaus der Strom abgestellt, da das Löschwasser hohen Schaden angerichtet habe.

Der Aarepark-Neubau wird inzwischen von Security-Mitarbeitern bewacht. Auf Anfrage von 20 Minuten kann die Generalunternehmung Oltra AG noch nichts über die Dauer der Bauverzögerung und den verursachten Sachschaden sagen. Melanie Schmid, Sprecherin der Kapo Solothurn: «Die Schadenssumme ist noch nicht bezifferbar, dürfte aber mehrere hunderttausend Franken betragen.» Die Ermittlungen zur Brandursache laufen.

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