Michael Lang: «Wir waren nach dem Tor für fünf Sekunden fast tot»
Aktualisiert

Michael Lang«Wir waren nach dem Tor für fünf Sekunden fast tot»

Der FCB legte gegen Saint-Étienne einen Auftritt hin, der an Dramatik nicht zu überbieten war – wieder einmal. Und einmal mehr bewies Rotblau starke Nerven.

von
Eva Tedesco

FCB-Verteidiger Michael Lang äussert sich nach einem dramatischen Spiel gegen Saint-Etienne zum Achtelfinaleinzug. (Video: 20 Minuten)

«Ich kann mich nicht an ein ähnlich dramatisches Spiel erinnern, aber es zeigt einmal mehr, dass im Fussball alles möglich ist», sagt FCB-Verteidiger Michael Lang, der den entscheidenden Ball auf Luca Zuffi spielte. Der 25-jährige Mittelfeldspieler verwandelte die Vorlage Sekunden vor dem Schlusspfiff zum erlösenden 2:1-Sieg der Basler. In jenen Sekunden, als wahrscheinlich ausser den rotblauen Akteuren auf dem Rasen keiner mehr an mindestens eine weitere internationale Nacht in Basel glaubte.

«Wir waren nach dem Gegentor für fünf Sekunden fast tot, während Sall gejubelt hat, als wäre er Weltmeister geworden», sagt Lang zum bitteren Moment nach dem 1:1 durch Moustapha Sall in der 89. Minute. «Wir waren völlig leer im Kopf, du drehst dich kurz um und siehst den anderen jubeln und die Fans fast durchdrehen. Als der Ball aber wieder im Spiel war, hat es für uns nichts anderes mehr gegeben, als nach vorne zu spielen und das Tor zu erzielen. Das ist uns dann auch gelungen.»

Doppel-Torschütze und Matchwinner

Der Matchwinner war Luca Zuffi, der den FCB nicht nur mit einem Traum-Freistoss (15.) in Führung gebracht, sondern mit seinem zweiten Treffer des Abends in die Achtelfinals geschossen hatte. Nach dem Ausgleich sei ihm «alles Negative» durch den Kopf gegangen, sagt Zuffi.

«Aber was willst du machen als Fussballer? Du musst probieren darauf zu reagieren, und wenn man daran glaubt, schafft man es auch, wie man sieht. Wir haben schon ein paar Mal bewiesen, dass wir Charakter und eine gute Moral im Team haben; so können wir einen Rückstand aufholen. In so kurzer Zeit – es blieben höchstens vier, fünf Minuten – ist es nicht einfach, aber super, dass es geklappt hat», so der Mann des Abends aus Basler Sicht.

Fischer um Jahre gealtert

«Ich weiss nicht, wie viele Lebensjahre mich dieses Spiel gekostet hat, aber das ist mir auch egal», sagt Trainer Urs Fischer nach der dramatischen Schlussphase. «So ein Spiel braucht extrem viele Nerven», sagt auch Renato Steffen, der nach seinem Wechsel von YB zum FCB im Winter zum ersten Mal so ein «Schocker-Spiel» auf internationaler Ebene erlebte.

«Ich glaube, am Ende sass keiner mehr auf seinem Sitz.» Der Flügelspieler kam in der 68. Minute für Captain Matías Delgado ins Spiel und «plagte» seinen Gegenspieler so lange, bis Valentin Eysseric (82.) die Sicherungen durchbrannten: Erst foulte der «Stéphanois» Steffen, dann reagierte er auf eine Provokation des Bebbi und flog mit Gelb-Rot vom Platz. «Er ist mit seinem Kopf auf mich los. Ich habe einen Kontakt gespürt und bin zu Boden gegangen», so Steffen, «wenn ich nichts gespürt hätte, wäre ich stehen geblieben.»

Dortmund ist Wunschgegner

Für Rotblau geht die Reise durch Europa weiter. Am 10. und 17. März steigen die Achtelfinal-Partien. Einen Wunschgegner haben die meisten FCB-Profis wenige Minuten nach dem Sieg gegen «Les Verts» verständlicherweise nicht. «Dortmund wäre einmal schön», sagt Michael Lang. «Ich habe noch nie gegen Dortmund oder Manchester United gespielt, das wäre super», sagt Zuffi.

Die Auslosung findet am Freitag (ab 13 Uhr) in Nyon statt – nach gefühlt hundert Auslosungen erstmals ohne den gewohnten Meister der Kugeln. Denn Uefa-Generalsekretär Gianni Infantino hat am Freitag einen anderen Job – er will in Zürich Fifa-Präsident werden.

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