Polizistinnen: «Wir werden als Schlampen beschimpft»
Publiziert

Polizistinnen«Wir werden als Schlampen beschimpft»

Polizistinnen sind sich vieles gewohnt, aber manches geht zu weit – etwa extrem sexistische Beleidigungen. Der Verband ermutigt Betroffene, Anzeige zu erstatten.

von
ann
1 / 4
Es kommt vor, dass gegen Polizistinnen extreme sexistische Beleidigungen geäussert werden.

Es kommt vor, dass gegen Polizistinnen extreme sexistische Beleidigungen geäussert werden.

Keystone/Patrick B. Kraemer
Speziell an Demonstrationen oder bei der Durchsetzung des Gesetzes komme dies vor.

Speziell an Demonstrationen oder bei der Durchsetzung des Gesetzes komme dies vor.

Keystone/Alessandro Della Bella
Zahlen kann der Verband Schweizerischer Polizei-Beamten keine nennen, ermutigt aber seine Mitglieder zur Anzeige.

Zahlen kann der Verband Schweizerischer Polizei-Beamten keine nennen, ermutigt aber seine Mitglieder zur Anzeige.

Keystone/Georgios Kefalas

In einer Dokumentarfilmreihe des ZDF wurden vergangene Woche drei Polizistinnen porträtiert. Eine stellte am Schluss fest, die Respektlosigkeit habe gefühlt deutlich zugenommen. Als Beschimpfungen seien «Fotze und Schlampe» mittlerweile schon Standard.

Johanna Bundi, Präsidentin des Verbands Schweizerischer Polizei-Beamten (VSPB), sagt dazu: «Das ist mir auch schon passiert.» Gerade bei Männern mit Migrationshintergrund komme es eher mal vor, dass Polizistinnen gezielt beleidigt würden. Wie oft, kann sie nicht sagen.

«Polizistinnen haben eine dicke Haut, aber irgendwo gibt es Grenzen»

«Es widerstrebt mir, die Worte in den Mund zu nehmen, die uns an den Kopf geworfen werden. Es sind Beleidigungen wie ‹Schlampe oder Bullenfotze›, die unterste Schublade und sehr sexistisch sind», so Bundi. Man halte die Mitglieder dazu an, Anzeige zu erstatten. «Das ist ein massiver Angriff gegen die Integrität der Polizistinnen.»

Meist passiere dies in Situationen, in denen man funktionieren müsse, etwa bei Verhaftungen. Manchmal kämen die Beleidigungen aber auch aus einer Gruppe von Gaffern heraus. «Polizistinnen sind sich viel gewohnt und haben eine dicke Haut, aber irgendwo gibt es Grenzen», so Bundi.

«Sie werden auch bespuckt und tätlich angegangen»

Christoph Gnägi, Sprecher der Kantonspolizei Bern, bestätigt die Aussagen von Bundi: «Erfahrungsgemäss sind auch unsere Mitarbeitenden beider Geschlechter immer wieder Beschimpfungen ausgesetzt. Es wäre jedoch vermessen, hier von ‹Standard› zu sprechen.»

Die Polizisten müssten aber verschiedentlich feststellen, dass der Respekt gegenüber der Polizei in den letzten Jahren abgenommen habe. «Dabei kann es vorkommen, dass unsere Mitarbeitenden nicht bloss verbal beschimpft, sondern auch angespuckt oder gar tätlich angegangen werden.»

Dies sei besonders dann der Fall, wenn die Polizei repressive Aufgaben wahrnehme – etwa bei Demonstrationen oder beim Durchsetzen geltender Gesetze. Ausserdem träten Beschimpfungen allgemeiner Art aus einer anonymen Gruppe heraus auf, wenn Alkohol konsumiert werde. Gnägi sagt: «In Fällen von massiven Drohungen oder gar tätlichen Angriffen werden die Täter konsequent angezeigt.»

Anzeigen sind jedem Polizisten selbst überlassen

«Beschimpfungen gegen unsere Polizisten kommen vor, wie oft können wir nicht sagen», sagt auch Michael Walker, Sprecher der Stadtpolizei Zürich. In der Ausbildung würden die Polizisten darin geschult, auch mit Beschimpfungen umzugehen.

«Sie erhalten Verhaltenstipps, werden aber auch über ihre Möglichkeit aufgeklärt, die Beschimpfenden anzuzeigen.» In wie vielen Fällen es tatsächlich zu einer Anzeige komme, kann Walker nicht sagen. Eine Anzeige zu machen, sei jedem Polizisten selbst überlassen.

Menschen in psychischen Ausnahmesituationen

Bei der Kantonspolizei Zürich betont Sprecher Ralph Hirt, dass die Polizei sehr oft mit Menschen zu tun habe, die sich in einer psychischen Ausnahmesituation befänden. «Solche Menschen neigen dazu, unkontrollierte Äusserungen zu machen.»

Die Polizisten seien psychologisch geschult und in der Lage, auf verbale Provokationen professionell zu reagieren. «Verbale Angriffe werden von den Betroffenen weggesteckt», sagt Hirt.

Deine Meinung