Obama zu Sony-Hack: «Wir werden auf den Angriff reagieren»
Aktualisiert

Obama zu Sony-Hack«Wir werden auf den Angriff reagieren»

Nordkorea steckt hinter dem Hackerangriff auf Sony und dem massiven Datenklau. Während Präsident Obama eine angemessene Reaktion abwägt, drohen die Hacker mit neuen Angriffen.

von
cho
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Nordkorea hat am 27. Dezember 2014 die USA für die Ausfälle seines Internets in den vergangenen Tagen verantwortlich gemacht. Die US-Regierung wies den Vorwurf zurück.

Nordkorea hat am 27. Dezember 2014 die USA für die Ausfälle seines Internets in den vergangenen Tagen verantwortlich gemacht. Die US-Regierung wies den Vorwurf zurück.

Keystone/Kcna
Am 19. Dezember beschuldigte das FBI Nordkorea des Hacks auf Sony. In der Zwischenzeit hat Nordkorea den Hack dementiert.

Am 19. Dezember beschuldigte das FBI Nordkorea des Hacks auf Sony. In der Zwischenzeit hat Nordkorea den Hack dementiert.

Keystone/AP/Damian Dovarganes
Am 25. November 2014 starteten Hacker eine Attacke auf Sony Pictures. Wenige Tage später wurden fünf bisher nicht veröffentlichte Filme ins Netz gestellt.

Am 25. November 2014 starteten Hacker eine Attacke auf Sony Pictures. Wenige Tage später wurden fünf bisher nicht veröffentlichte Filme ins Netz gestellt.

Reuters/Itsuo Inouye

Die US-Bundespolizei FBI hat die nordkoreanische Regierung formal des Hackerangriffs auf Sony Pictures beschuldigt. Sie habe genügend Beweise, um schlussfolgern zu können, dass das abgeschottete kommunistische Land für die Attacke verantwortlich sei, teilte die Behörde am Freitag mit. Es war die erste offizielle Stellungnahme seitens der USA seit dem Angriff auf die US-Tochter des japanischen Konzerns.

In seiner letzten Pressekonferenz vor dem Weihnachtsurlaub sagte Präsident Barack Obama am Freitag, das Land werde Nordkorea angemessen bestrafen. Welche Optionen dafür erwogen werden, sagte er nicht. Der Cyberangriff habe «eine Menge Schaden» angerichtet, betonte Obama weiter. Seine Regierung werde auf den Cyberangriff Nordkoreas «proportional» reagieren «an einem Ort, zu einer Zeit und in einer Art, die wir bestimmen», sagte Obama weiter.

Obama tadelt Sony

Der US-Präsident bezeichnete es zugleich als «Fehler», dass Sony nach dem Angriff vom November und den jüngst erhaltenen Terrordrohungen den Kinostart seines Films «The Interview» abgesagt habe. «Ich wünschte, sie hätten zuerst mit mir gesprochen», sagte er mit Blick auf die Sony-Verantwortlichen. In der Komödie geht es um ein fiktives Attentat auf den nordkoreanischen Staatschef Kim Jong Un. «Wir können keine Gesellschaft haben, in der einige Diktatoren irgendwo anfangen, Zensur in den USA auszuüben», sagte er.

Sony hatte den Kinostart für Nordamerika diese Woche nach Terrordrohungen einer Gruppierung abgesagt. Zudem nahm das Unternehmen alle Trailers für den Film aus dem Youtube-Kanal und entfernte alle Hinweise von seiner Webseite. Zuvor hatten sich mehrere führende Kinoketten in den USA entschlossen, den Film aus Sicherheitsgründen zunächst nicht zu zeigen.

Neue Drohungen

Die Hackergruppe Guardians of Peace, die sich zu dem Angriff vom November bekannt hatte, meldete sich am Freitag erneut per E-Mail bei Sony. Darin begrüsste sie die «sehr weise» Entscheidung, den für 25. Dezember in Nordamerika geplanten Kinostart des Films abzusagen und warnte davor, den Streifen in «irgendeiner Form» zu vertreiben. In der Mail schrieb die Hackergruppe zudem, sie plane keine weiteren Veröffentlichungen der vertraulichen Sony-Daten, «solange Ihr keinen weiteren Ärger macht».

Eine Vertrauensperson des Konzerns bestätigte die Existenz dieser Mail. Sie sei an verschiedene Mitarbeiter des Konzerns im kalifornischen Culver City gegangen, hiess es.

Offizielle Anschuldigung

Die US-Bundespolizei FBI hatte nur wenige Stunden zuvor die Regierung in Nordkorea formal des Hackerangriffs beschuldigt, bei dem massiv hochsensible Personaldaten von Sony-Mitarbeitern sowie private E-Mails und Drehbücher gestohlen worden waren. Sie habe nun genügend Informationen gesammelt, um zu diesem Schluss zu kommen, teilte die Behörde mit.

«Nordkoreas Aktionen zielten darauf ab, einem US-Unternehmen bedeutenden Schaden zuzufügen und die Rechte der US-Bürger auf freie Meinungsäusserung zu unterdrücken», hiess es in der Erklärung des FBI. «Solche Akte von Einschüchterung sind ausserhalb des Rahmens von akzeptablen staatlichem Verhalten».

Es war bereits spekuliert worden, dass Nordkorea hinter dem Hackerangriff stecken könnte, bei dem neben privaten E-Mails und Drehbüchern unter anderem fast 50 000 Sozialversicherungsnummern und andere persönliche Informationen von Angestellten gestohlen wurden. Das kommunistische Regime in Nordkorea hatte jedoch eine Beteiligung am Cyber-Angriff abgestritten.

Mitarbeiter Klagen gegen Konzern

Sony wird wegen des Hackerskandals bereits von ehemaligen Mitarbeitern verklagt. Unter anderem wird dem Konzern vorgeworfen, zu lange gewartet zu haben, um Angestellte über den Diebstahl von Datenmaterial wie Sozialversicherungsnummern und Krankenunterlagen zu informieren.

Zudem wird Sony der Fahrlässigkeit beschuldigt, da das Unternehmen seine Sicherheitsmassnahmen gegen Hacker vor dem Angriff nicht verstärkt habe. Sony müsse als Folge einer Sammelklage womöglich Schadensersatzzahlungen in zweistelliger Millionenhöhe leisten, sagte Jonathan Handel, Rechtsprofessor an der University of Southern California Gould School of Law. (cho/sda)

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