23.07.2018 21:31

Fair-Food-Initiative«Wir werden Bio-Preise bezahlen müssen»

Der Bio-Konsum boomt und soll durch die Fair-Food-Initiative weiter gefördert werden. Würden die Preise für Lebensmittel bei einer Annahme explodieren?

von
Julia Käser
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Die Produkte im Einkaufswagen kosten insgesamt 27.95 Franken. Ausgewählt wurden Lebensmittel ohne Bio-Label.

Die Produkte im Einkaufswagen kosten insgesamt 27.95 Franken. Ausgewählt wurden Lebensmittel ohne Bio-Label.

jk
Die Lebensmittel in diesem Wagen sind allesamt biologisch hergestellt worden und kosten 36.20 Franken. Damit sind sie klar teurer als die Produkte ohne Bio-Qualität.

Die Lebensmittel in diesem Wagen sind allesamt biologisch hergestellt worden und kosten 36.20 Franken. Damit sind sie klar teurer als die Produkte ohne Bio-Qualität.

jk
Während eine Bio-Avocado 2.95 Franken kostet, zahlt man für eine herkömmlich produzierte Frucht 1.70 Franken.

Während eine Bio-Avocado 2.95 Franken kostet, zahlt man für eine herkömmlich produzierte Frucht 1.70 Franken.

Keystone/Gaetan Bally

Fleisch aus tierquälerischer Haltung oder Gemüse, das von Erntehelfern mit Hungerlöhnen geerntet wurde: Solche Lebensmittel sollen nach dem Willen der Initianten der Fair-Food-Initiative künftig nicht mehr im Einkaufskorb der Schweizer landen. Doch was bedeutet dies für die Preise?

Wer konsequent Bio- und Fair-Trade-Produkte einkauft, zahlt heute deutlich drauf. Das verdeutlicht ein nicht repräsentativer Test von 20 Minuten, für den Knoblauch, Bananen, Avocado, Peperoni, Pouletfilets, Jasminreis, Mandeln, Honig, Schokolade sowie Pfefferminztee eingekauft wurden. Während die herkömmlichen Lebensmittel insgesamt 27.95 Franken kosten, bringt es der Warenkorb mit biologischen Produkten gefüllt auf 36.20 Franken. Damit ist der Bio-Einkauf 8.25 Franken teurer als die Produkte in Nicht-Bio-Qualität. Das sind satte 29 Prozent mehr. Besonders gross sind die Unterschiede beim Knoblauch, Fleisch, Avocados und Pfefferminztee. Während eine biologisch angebaute Avocado etwa 2.95 Franken kostet, kommt eine herkömmliche Frucht auf 1.70 Franken (siehe Bildstrecke).

Gegner: Preise gleichen sich nach oben an

Die Gegner der Fair-Food-Initiative warnen, dass bald nur noch der teure Bio-Korb eingekauft werden kann. Auf ihren Plakaten warnen sie vor deutlich höheren Lebensmittelpreisen. Laut dem Wirtschaftsverband Economiesuisse kosten Bio-Produkte durchschnittlich 50 Prozent mehr als herkömmlich produzierte Lebensmittel.

«Familien mit kleinem Budget wären die Hauptleidtragenden dieser Entwicklung», sagt FDP-Ständerat Joachim Eder. Insgesamt könne man davon ausgehen, dass sich die Preise aller Lebensmittel jenen von Bioprodukten anpassen würden. Schon heute gäben die Schweizer für Lebensmittel rund 70 Prozent mehr aus als die europäischen Nachbarn. Dies sei zu einem Teil durch höhere Löhne und gute Qualität gerechtfertigt. Bei einem Ja zur Initiative würden strengere Importkontrollen und der ausgebaute staatliche Kontrollapparat die Lebensmittel in der Schweiz weiter verteuern.

Der Ständerat glaubt darum, dass die Initiative in erster Linie den Einkaufstourismus und Onlinehandel fördern würde, was dem Schweizer Markt schade und ökologisch nicht sinnvoll sei. «Heute kann jeder selber entscheiden, ob er sich Produkte in Bio-Qualität kaufen möchte und bereit ist, dafür mehr zu bezahlen. Durch die Initiative würde es quasi einen Zwang zum Kauf solcher Lebensmittel geben», so Eder.

Befürworter: Bio-Produkte würden deutlich billiger

Die Befürworter der Fair-Food-Initiative hingegen verweisen auf eine Studie der Westschweizer Konsumentenschutzorganisation, die zeigt, dass sich durch die Wahl von regionalen und saisonalen Produkten Geld sparen lässt. Genau das will die Initiative fördern. Weiter würden Bio-Preise deutlich sinken: «Je mehr produziert wird, desto grösser ist das Angebot und desto preiswerter werden die Produkte», sagt Luzian Franzini, Co-Präsident der Jungen Grünen. Franzini glaubt nicht, dass die Initiative den Einkaufstourismus fördert: Davon seien vorwiegend Kleidung und Kosmetik betroffen. Zudem steige die Nachfrage nach fairen und nachhaltigen Produkten momentan in ganz Europa. Die Schweiz könnte somit in diesem Bereich eine Vorreiterrolle einnehmen.

«Die Schweizer geben im Schnitt nur noch 6,3 Prozent des Haushaltseinkommens für Lebensmittel aus. Im Verhältnis zur Kaufkraft sind Lebensmittel also billig. Selbst wenn es zu Preisveränderungen bei Lebensmitteln kommen sollte, geht es immer noch um verhältnismässig wenig Geld», so Franzini. Dass Familien mit kleinem Budget die Leidtragenden seien, verneint der Jungpolitiker. Falls die Initiative angenommen würde, würden sich die Jungen Grünen wie gewohnt weiterhin gegen Erwerbsarmut und für höhere Ergänzungsleistungen einsetzen. «Das Armutsproblem in der Schweiz und soziale sowie ökologische Produktionsstandards bei Lebensmitteln sind zwei Paar Schuhe», sagt Franzini.

Worum geht es genau am 23. September?

Die Fair-Food-Initiative verlangt, dass der Bund das Angebot an naturnahen, tierfreundlichen und fair produzierten Lebensmitteln fördert. Dazu soll er für die Schweizer Produktion Vorgaben machen. Diese Standards sollen grundsätzlich auch für importierte Lebensmittel gelten. Die Einhaltung müsste überprüft werden. Zudem verlangt die Initiative, dass der Bund Massnahmen gegen Lebensmittelverschwendung trifft, Deklarationsvorschriften erlässt und die Auswirkungen des Transports auf die Umwelt reduziert.

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