Waffenruhe gebrochen: «Wir werden darauf antworten»
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Waffenruhe gebrochen«Wir werden darauf antworten»

Ein tödlicher Anschlag auf eine israelische Militärpatrouille belastet die Waffenruhe im Gazastreifen. Neun Tage nach dem Ende der Offensive kam ein israelischer Soldat ums Leben. Der israelische Verteidigungsminister Ehud Barak sagte: «Wir werden darauf antworten.»

Die Bombe explodierte in der Nähe des Grenzübergangs Kissufim. Kurz darauf durchbrach ein israelisches Kampfflugzeug über der Stadt Gaza die Schallmauer, was als Warnung gedeutet wurde. Ausserdem drangen israelische Soldaten auf der Suche nach den Angreifern in den Gazastreifen vor, es kam zu einem heftigen Feuergefecht mit palästinensischen Extremisten.

Es war zunächst unklar, ob die Bombe erst kürzlich platziert wurde oder schon länger dort lag. Keine der palästinensischen Organisationen bekannte sich zu dem Anschlag.

Nicht lange danach, aber in mehreren Kilometern Entfernung, wurde im Grenzgebiet ein 27-jähriger palästinensischer Bauer von israelischen Soldaten erschossen, wie Moaiya Hassanain vom Gesundheitsministerium in Gaza mitteilte. Zwei weitere Menschen wurden verletzt. Die israelischen Streitkräfte gaben dazu keine Stellungnahme ab.

Grenzübergänge gesperrt

Als Reaktion auf den Angriff wurden die Grenzübergänge in den Gazastreifen für Transporte von Hilfsorganisationen gesperrt. Ein Grenzbeamter sagte, dies sei eine Folge des Anschlags.

Der Hamas-Funktionär Muschir al Masri sagte, seine Organisation habe nicht einen umfassenden Waffenstillstand, sondern nur eine Kampfpause erklärt. «Die Zionisten sind verantwortlich für jede Aggression.»

Israel und die Hamas haben am 18. Januar unabhängig voneinander eine Waffenruhe ausgerufen. Damit endete eine dreiwöchige israelische Offensive mit dem Ziel, fortdauernde Raketenangriffe aus dem Gazastreifen sowie den Waffenschmuggel an der Grenze zu Ägypten zu stoppen. In dem Krieg kamen 1285 Palästinenser ums Leben, auf Seiten Israels wurden 13 Menschen getötet. Nach Beginn der Waffenruhe kam es zu vereinzelten Schiessereien an der Grenze, bis Dienstag aber zu keinen ernsthaften Zusammenstössen zwischen beiden Konfliktparteien.

Deutsche Experten eingetroffen

Gegenwärtig bemüht sich Ägypten, einen dauerhaften Waffenstillstand für den schmalen Küstenstreifen zu vermitteln, der von 1,4 Millionen Menschen bewohnt und seit Juni 2007 von der radikalislamischen Hamas regiert wird. Am Dienstag trafen sechs deutschen Experten in Ägypten ein, die dazu beitragen sollen, den Waffenschmuggel in den Gazastreifen zu unterbinden. Aussenminister Frank-Walter Steinmeier erklärte dazu: «Wir arbeiten weiter mit Hochdruck daran, um die seit nunmehr einer Woche andauernde Waffenruhe zu stabilisieren.» Die wirksame Bekämpfung des Waffenschmuggels sei dafür eine der Schlüsselfragen.

In Kairo wurde am Dienstag auch der neue US-Sondergesandte für den Nahen Osten, George Mitchell, erwartet. In einem Interview mit dem arabischen Fernsehsender Al Arabija sagte US-Präsident Barack Obama, er habe Mitchell beauftragt, zu Beginn erst einmal zuzuhören. Im Anschluss an seine Gespräche in Kairo wird der frühere demokratische Senator in Israel, Jordanien, der Türkei und Saudi-Arabien erwartet.

(sda)

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