Krise in Ägypten: «Wir werden den Frieden mit Ägypten beibehalten»
Aktualisiert

Krise in Ägypten«Wir werden den Frieden mit Ägypten beibehalten»

Die Proteste in Kairo forderten mindestens vier Tote. Demonstranten drangen in die israelische Botschaft ein. Botschafter Jitzchak Levanon flüchtete aus dem Land. Doch Israels Ministerpräsident ist um Entspannung bemüht.

Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu hat versucht, nach dem Sturm auf die israelische Botschaft in Kairo neue Spannungen mit Ägypten zu vermeiden. In einer Fernsehansprache am Samstagabend vermied er eine Verurteilung der gewalttätigen Proteste der Nacht zuvor und verwies stattdessen auf die Wichtigkeit der strategischen Beziehungen zu Ägypten. «Wir werden den Frieden mit Ägypten beibehalten. Das ist im Interesse beider Staaten», sagte Netanjahu. Ausserdem dankte der israelische Regierungschef den ägyptischen Sicherheitskräften für die Rettung von sechs Diplomaten. Damit hätten sie zweifellos eine Tragödie verhindert.

Nach dem Angriff tausender Demonstranten auf die israelische Botschaft in Kairo hat sich der Ministerpräsident besorgt gezeigt. Der Angriff habe dem Frieden zwischen beiden Ländern nach den Worten von Netanjahu einen «schweren Schaden» zugefügt. Bei den Auseinandersetzungen mit den Sicherheitskräften nach dem Sturm auf das Botschaftsgebäude waren nach Angaben der ägyptischen Regierung mindestens drei Menschen getötet worden. Mehr als 1 000 seien verletzt worden, sagte der stellvertretende Gesundheitsminister Hamid Abasa. Ein Mann starb am Freitagabend an einem Herzinfarkt.

Tausende Ägypter hatten in der Nacht auf Samstag die israelische Botschaft angegriffen und damit die in letzter Zeit ohnehin gespannten Beziehungen zwischen den beiden Ländern weiter belastet. Netanjahu verurteilte den Angriff. Der Regierungschef sprach von einem «ernsten Vorfall» und «offenkundigen Verstoss gegen internationale Normen», wie ein Berater Netanjahus sagte. Der Ministerpräsident habe sich aber bei den ägyptischen Behörden für deren Hilfe bei der Rettung von sechs israelischen Mitarbeitern bedankt, die während des Angriffs in der Botschaft gefangen waren. Der Zwischenfall selbst stelle aber eine «ernsthafte Verletzung der Friedensstruktur mit Israel» dar, erklärte Netanjahu.

Ägyptische Polizei in Alarmbereitschaft versetzt

Der israelische Botschafter Jitzchak Levanon, seine Familie und weitere Mitarbeiter der diplomatischen Vertretung wurden in einem Militärflugzeug nach Israel ausgeflogen. Insgesamt soll es sich dabei um 80 Personen gehandelt haben. Die ägyptische Polizei wurde nach den Ausschreitungen in Alarmbereitschaft versetzt. Alle Polizisten müssten wieder zum Dienst erscheinen, Urlaub sei gestrichen worden, berichtete das ägyptische Staatsfernsehen.

Bei den Ausschreitungen wurden laut einer Meldung der Nachrichtenagentur Mena mindestens 46 Polizisten verletzt. 19 Demonstranten wurden festgenommen. Gegen 6.00 Uhr (Ortszeit) ebbte die Gewalt langsam ab.

Begonnen hatte es mit einer Demonstration tausender Ägypter vor der Botschaft. Sie protestierten unter anderem gegen den Friedensvertrag ihres Landes von 1979 mit Israel, an dem auch der im Februar gestürzte Staatspräsident Hosni Mubarak festgehalten hatte. Nachdem er zum Rücktritt gezwungen worden war, wurden in Ägypten immer wieder Forderungen laut, den Friedensvertrag mit Israel aufzukündigen.

Zuletzt löste im vergangenen Monat der Tod von fünf ägyptischen Polizisten einen Aufschrei der Empörung aus. Bei der Verfolgung militanter Islamisten hatten israelische Sicherheitskräfte im Grenzgebiet versehentlich die fünf ägyptischen Beamten getötet.

Demonstranten dringen in Botschaft ein

Nach stundenlangen Protesten vor dem Gebäude riss eine aufgebrachte Menge schliesslich eine Schutzmauer vor dem Gebäude teilweise ein, attackierte die diplomatische Vertretung und holte die israelische Fahne auf dem Dach des Hochhauses ein. Rund 30 Demonstranten drangen in die Botschaft ein und warfen Dokumente aus den Fenstern. «Sie haben Aufzeichnungen über uns, sie sammeln Informationen über uns, deshalb ist es nur gerecht, wenn wir diese Informationen teilen», sagte Mustafa Sajid, der nach eigenen Angaben an der Erstürmung der Botschaft beteiligt war.

Die Gruppe sei durch ein Fenster im dritten Stock in das Gebäude gelangt und habe dann die Türen der Botschaft in höher gelegenen Etagen aufgebrochen. Auf ihrem Weg hätten sie drei Israelis getroffen und einen davon geschlagen, sagte der 28-Jährige. Ägyptische Militärpolizisten eskortierten schliesslich die Botschaftsmitarbeiter aus dem Gebäude.

Wie in Jerusalem verlautete, verliessen alle Mitarbeiter bis auf den stellvertretenden Botschafter Ägypten. Sechs Israelis seien bei der Erstürmung der Botschaft in dem Gebäude eingeschlossen gewesen. Sie seien dann aber von ägyptischen Sicherheitskräften befreit worden.

Polizei greift erst spät ein

Die ägyptische Polizei griff erst Stunden nach Beginn der Proteste ein. Polizisten und Soldaten feuerten dann Tränengas in die Menge vor dem Botschaftsgebäude. Die Demonstranten schleuderten Molotow-Cocktails auf die Sicherheitskräfte und steckten mehrere Polizeifahrzeuge, aber auch Autos und Bäume in Brand.

(dapd)

Polizei am Samstag in Alarmbereitschaft

Nach dem Angriff von Demonstranten auf die israelische Botschaft in Kairo ist die ägyptische Polizei am Samstag in Alarmbereitschaft versetzt worden. Alle Polizisten müssten zum Dienst erscheinen, Urlaub sei gestrichen worden, berichtete das ägyptische Staatsfernsehen.

Israel verurteilt Angriff

Israel hat am Samstag in scharfer Formen gegen den Angriff auf die Botschaft in Kairo protestiert. Das sei eine «schwere Verletzung» diplomatischer Normen, erklärte ein ranghoher israelischer Regierungsvertreter.

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