Aktualisiert 06.06.2011 15:31

Simfy klagt gegen Apple«Wir werden gezielt blockiert»

Das Musikportal Simfy wirft Apple vor, seine marktbeherrschende Stellung auszunutzen und die Konkurrenz zu benachteiligen. In Deutschland soll darum das Kartellamt aktiv werden.

von
dsc
Mit dem Musikdienst Simfy können die Nutzer Lady Gaga und Co. hören. Doch die iPad-App lässt auf sich warten.

Mit dem Musikdienst Simfy können die Nutzer Lady Gaga und Co. hören. Doch die iPad-App lässt auf sich warten.

Heute Abend wird Apple iCloud vorstellen, das den Gerüchten zufolge einen Online-Musikdienst beinhaltet. Derweil geht mit Simfy ein Pionier in Sachen Musik-Streaming auf Kollisionskurs. Die Simfy AG habe heute in Deutschland offiziell Beschwerde beim Bundeskartellamt eingereicht, teilt das Unternehmen auf Anfrage von 20 Minuten Online mit.

Grund ist die angeblich verzögerte Genehmigung der Simfy-App für das iPad. Ohne Angabe von Gründen befinde sich das Programm seit über drei Monaten im Prüfungsprozess, den jede App für die Zulassung zum App Store durchlaufen muss. Simfy sieht in dieser Verzögerung einen Missbrauch der Marktposition von Apple.

Über Monate hingehalten?

Gerrit Schumann, Vorstandsvorsitzender der Simfy AG, lässt sich wie folgt zitieren: «Wir haben in Apple immer einen wichtigen Partner für uns gesehen. Es kann aber nicht sein, dass Apple dermassen marktregulierend agieren kann. Der App Store ist ein wichtiger Marktplatz für uns, über den wir unsere Kunden erreichen.»

Und weiter: «Die Simfy-Nutzer beschweren sich mittlerweile zu Recht über die fehlende App für das iPad. Wir sind ja selber richtige Fans von Apple und den Produkten. Umso enttäuschender und unverständlicher ist es für uns, dass wir über Monate hinweg anscheinend gezielt blockiert werden.»

Simfy ist in Deutschland laut eigenen Angaben die grösste Musikplattform und zugleich Marktführer für Online-Musiklösungen. Auf der Simfy-Website können die Nutzer über acht Millionen Musiktitel abrufen - finanziert wird das Angebot über Werbung sowie eine kostenpflichtige Musik-Flatrate. Der Dienst steht auch Nutzern in der Schweiz und in Österreich zur Verfügung.

Aufruf zum Protest

Das Unternehmen fordert Kunden und andere Anbieter von Apps mit ähnlichen Problemen auf, die Beschwerde öffentlich zu unterstützen. Dadurch wolle man Transparenz und faire Marktbedingungen für alle Anbieter schaffen.

Der Simfy-CEO sagt, er sehe auch etwas Gutes an der ganzen Angelegenheit: «Natürlich ärgern wir uns darüber, dass die Simfy-Fans so lange auf die iPad-App warten müssen. Gleichzeitig sehen wir aber auch eine Bestätigung in unserer Strategie und Produktentwicklung.» Die Simfy-App scheine bei Apple Eindruck gemacht zu haben. «Wir möchten mit der Beschwerde eine baldige Veröffentlichung erwirken – damit sich jeder von ihrer Qualität überzeugen kann.»

Dass es in Einzelfällen mehrere Monate dauern kann, bis Apple ein Programm für den App Store bewilligt, ist allerdings hinlänglich bekannt. Die Vermutung liegt daher nahe, dass es sich bei der von Simfy angekündigten Klage auch um eine willkommene PR-Aktion, kurz vor der Lancierung von iCloud, handelt. 20 Minuten Online hat Apple um eine offizielle Stellungnahme gebeten. Die Antwort steht aus.

Nichts verpassen

Das Ressort Digital ist auch auf Twitter vertreten. Folgen Sie uns und entdecken Sie neben unseren Tweets die interessantesten Tech-News anderer Websites.

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.