Game-Hochburg Schweiz?: «Wir werden in Zürich grosse Spiele schaffen»
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Game-Hochburg Schweiz?«Wir werden in Zürich grosse Spiele schaffen»

Den französischen Game-Giganten Ubisoft zieht es in die Schweiz. Studioboss Yann Le Tensorer sagt, was von der Spielschmiede hinter Blockbuster-Games wie «Assassin's Creed» künftig zu erwarten ist.

von
jag
Der Spielexperte: Yann le Tensorer, Managing Director von Ubisoft Zürich, hat als 11-Jähriger sein erstes Spiel programmiert und arbeitet seit 1994 in der Gamebranche.

Der Spielexperte: Yann le Tensorer, Managing Director von Ubisoft Zürich, hat als 11-Jähriger sein erstes Spiel programmiert und arbeitet seit 1994 in der Gamebranche.

Die Schweizer Gameentwickler-Szene steckt noch in den Kinderschuhen und wird hauptsächlich von kleinen «Garagen-Firmen» dominiert, die Spiele für Smartphones und Tablet-PCs programmieren. Nun kommt mit Ubisoft allerdings einer der weltweit grössten Spiele-Entwickler nach Zürich. Die Franzosen betreiben weltweit 24 Entwicklerstudios in 16 Ländern von China bis Kanada. In der Schweiz soll die Expansion fortgesetzt werden.

Wieso hat sich Ubisoft entschieden, ein Studio in der Schweiz zu eröffnen? Yann Le Tensorer: Wir möchten in möglichst vielen Ländern präsent sein, da sich Videospiele mehr und mehr zu einem Massenmedium entwickeln. Da in der Schweiz die Sozialabgaben tiefer sind als in vielen andern Ländern, erhalten die Entwickler mit dem Lohn mehr Geld. Das macht das Studio attraktiv für gute Leute.

Ubisoft ist ein französisches Unternehmen. Wäre ein Standort wie Lausanne nicht näherliegend?

Das erste Studio in der Schweiz wollten wir im ökonomischen Zentrum des Landes eröffnen. Zürich verfügt über einen internationalen Flughafen. Zudem sind hier die ETH, das Gamedesign-Studium der Zürcher Hochschule der Künste und in der Nähe die Fachhochschule Nordwestschweiz angesiedelt.

Welche Art Spiele werden in Thalwil bei Zürich entwickelt? Unser Fokus liegt auf Webgames: Onlinespiele für Tablets, Smartphones sowie PCs, kurz auf allem, was einen Bildschirm hat und mit dem Internet verbunden ist.

Also sprechen wir von Browsergames? Nicht im herkömmlichen Sinne. Wir werden grosse Spiele entwickeln, die bildschirmfüllend funktionieren. Wir wollen innovative, noch nie dagewesene Games schaffen, bei denen die Leute sagen: «Wow!» Und wir wollen in diesem Bereich zum Marktführer werden.

Sehen Sie in den Webspielen die Zukunft der Gamebranche? Ich denke, dass wir in etwa einem Jahr die ersten ausgewachsenen Ergebnisse sehen werden. Technologien wie Flash und HTML entwickeln sich ständig weiter und bieten mittlerweile die Möglichkeit, 3D-Welten zu bauen.

Haben Sie schon erste Games entwickelt? Nein. Momentan sind wir noch in der Rekrutierungsphase und ich stelle ein kleines Kernteam zusammen.

Was muss jemand mitbringen, um sich bei Ihnen zu bewerben? Wir suchen Leute mit einer zwei- bis fünfjährigen Erfahrung in der Gameindustrie und guten Kenntnissen in Multiplayer-Technologien. Sie müssen sich mit Web-Programmierungssprachen wie Flash, Javascript und HTML oder Servertechnologien auskennen.

Die Schweiz hat eine wachsende Entwicklerszene. Suchen Sie auch dort? Wir suchen europaweit, denn der Schweizer Gameentwicklerszene fehlt es noch etwas an Erfahrung. Zürich erinnert mich diesbezüglich an Montreal, wo Ubisoft mittlerweile ein grosses Studio hat. Als wir dort vor etwa zehn Jahren anfingen, gab es nichts. Die meisten Gameentwickler vor Ort waren Amateure – kleine Garagenbetriebe. Mit der Zeit entwickelte sich Montreal zu einem zentralen Platz für Gamedesign. Andere Publisher folgten und eröffneten ebenfalls Studios. Das könnte durchaus auch in Zürich passieren. Ob dies tatsächlich geschieht, hängt jedoch auch vom Staat ab.

Inwiefern? Indem wir viel Geld in den Aufbau des Zürcher-Studios stecken, gehen wir ein Risiko ein. Wir schaffen aber Stellen, zahlen Steuern und investieren in einen Ort, wo Zukunftstechnologien entstehen. Wir hoffen, dass der Staat einen Teil der Investition mitträgt, unter anderem auch mit Steuerbegünstigungen. Dies schafft auch für andere Anreize, hier in die Zukunft der Videospiele zu investieren.

Wie viele Leute stellen Sie ein? Wir sind derzeit noch am Evaluieren, der Aufbau geht Schritt für Schritt voran. Die Büroräume bieten Platz für rund 20 Personen. Wenn alles stimmt, könnte das Studio sehr gross werden.

Wann werden die ersten Resultate zu sehen sein? Ich denke, dass wir etwa in einem halben Jahr erstmals über Projekte von Ubisoft in Thalwil sprechen werden.

Letzte Frage: Wo können sich Gameentwickler bewerben? Wir haben eine Seite eingerichtet unter zurich-jobs-ubisoft.com.

Ubisoft

Das 1986 gegründete, französische Unternehmen gehört mittlerweile zu den grössten Spiel-Entwicklern und -Publishern. Ubisoft betreibt weltweit 24 Entwicklerstudios in 16 Ländern, darunter in Studios in den Städten Shanghai, Montreal oder Annecy. Ubisoft Zürich in Thalwil ist das jüngste Kind des Unternehmens.

Ubisoft steht für Spielfranchisen wie «Assassin's Creed», «Splinter Cell», «Rayman», «Ghost Recon», «Prince of Persia» und «Rabbids». Der Hauptsitz von Ubisoft befindet sich in Montreuil Cedex, Frankreich.

Yann le Tensorer

Der gebürtige Franzose Yann le Tensorer begann schon als 11-jähriger Junge, einfache Videospiele zu programmieren. Nach einem Studium in Mathematik und Computerwissenschaften begann er 1994 bei Ubisoft als Lead-Programmierer für das Spiel «Raymann» und arbeitete ebenfalls am Nachfolger «Rayman: The Great Escape». Es folgten das Rennspiel «Pod» und der Plattformer «Tork». 2000 gründete er sein erstes eigenes Studio, Tiwak, und verkaufte es vier Jahre später an Ubisoft, wo er als Produzent von «Ghost Recon Advanced Warfighter» tätig war. Als externer Berater war er zudem an der Entwicklung der ersten beiden «Assassin's Creed»-Teile, an «Prince of Persia: Sands of Time» und «Splinter Cell» beteiligt. Er gilt in der Branche als einer der besten Gamekamera-Programmierer.

Die Schweiz ist le Tensorer zudem alles andere als fremd: Zwischen 11 und 18 Jahren lebte er mit seinen Eltern in Basel.

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