Animierte Werbeanzeige: «Wir werden in Zukunft strenger sein»
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Animierte Werbeanzeige«Wir werden in Zukunft strenger sein»

In den letzten Tagen wurde in Basel Kritik an animierten Werbetafeln am Strassenrand laut. Jetzt räumt das Tiefbauamt ein, man sei zu «grosszügig» gewesen.

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lb

Wie gefährlich sind animierte Werbetafeln für die Verkehrsteilnehmer? (Video: daf)

Auf über 9 Millionen Franken jährlich hat der Kanton seine Einnahmen verdreifacht – Grund dafür sei unter anderem die neue Konzessionsvergabe für Aussenwerbung, nach der auch animierte Werbespots am Strassenrand erlaubt sind. Der Kanton verdiene sich eine goldene Nase auf Kosten der Sicherheit, titelte die «bz Basel».

Die neuen Werbesäulen am Strassenrand zeigen teilweise Spots, welche die ganze Bildschirmfläche einnehmen. Um die Verkehrsteilnehmer nicht zu sehr abzulenken, dürfen solche Spots gemäss den Bestimmungen jedoch nur ein Fünftel des Bildschirms einnehmen.

«Vielleicht waren wir in dem Fall zu grosszügig»

«Generell gilt die Regel, dass nur 20 Prozent der Fläche animiert sein dürfen. Keinesfalls darf der Eindruck eines grossflächigen Films entstehen», erklärt André Frauchiger, Sprecher des Bau- und Verkehrsdepartements, auf Anfrage von 20 Minuten. Der Werbespot einer Fastfood-Kette fiel bei der Betrachtung der neuen Säulen besonders auf, da die Animation die gesamte Fläche einnahm. Diese Anzeige sei «zugegebenermassen nicht ganz okay», sie bleibe jedoch trotzdem, da sie bereits bewilligt wurde, so Frauchiger weiter.

Die 20-Prozent-Regelung sei eine «Richtschnur», an die man sich in Zukunft halten wolle und die in diesem Fall «sehr weit interpretiert» wurde. «Vielleicht waren wir in dem Fall zu grosszügig. Wir werden in Zukunft strenger sein», so Frauchiger über die Handhabung bei zukünftigen Bewilligungen.

Medienunternehmen weist Verantwortung von sich

Das Medienunternehmen Clear Channel, das elf der umstrittenen digitalen Werbeflächen in Basel betreibt, sei sich seiner Verantwortung durchaus bewusst, schreibt Sprecherin Ursulina Stecher in einer Stellungnahme. «Wir sind mit solchen Themen konfrontiert, aber unsere Aufgabe ist es nicht, Vorschriften zu machen», so Stecher.

Des Weiteren würden sie den Vorsatz des Kantons Basel-Stadt, seine Richtlinien zu überdenken, begrüssen: «Je kleiner der Interpretationsspielraum ist, umso verlässlicher können wir unsere Kunden bedienen», schreibt Stecher weiter.

BFU rät von animierter Werbung am Strassenrand ab

Nicolas Kessler, Sprecher der Beratungsstelle für Unfallverhütung, rät strikt von animierter Werbung am Strassenrand ab. «Es ist erwiesen, dass schon einfache Werbeplakate ablenken und es ist ganz klar, dass der Lenker auf eine Animation länger schaut», sagte Kessler gegenüber der «bz Basel».

Frauchiger betont, dass diese Art der Werbung in anderen europäischen Ländern normal sei, so zum Beispiel im Nachbarland Frankreich. Ob die Werbung Verkehrsteilnehmer ablenke und somit eine Gefährdung für die Sicherheit im Strassenverkehr sei, sei laut Frauchiger sehr individuell.

«Man muss sich daran gewöhnen, das ist die Zukunft»

Marcio Dios (38), Mitarbeiter der Heilsarmee Gundeli, findet die neue Werbung schön. «Schauen Sie mal New York an. Man muss sich daran gewöhnen, das ist die Zukunft. Ich finde solche Werbeanzeigen nicht bedenklicher als jede andere Art von Werbung am Strassenrand», sagte er bei einer Strassenumfrage von 20 Minuten.

Nina Graf (20), Psychologiestudentin aus Solothurn, hat sich im Studium schon mit Werbeanzeigen beschäftigt. «Es ist erwiesen, dass sie die Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Das ist der Sinn davon», erklärt sie. Animationen haben ihrer Meinung nach nichts im Strassenverkehr verloren, da diese noch mehr Aufmerksamkeit auf sich ziehen würden.

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Diese neuen animierten Werbesäulen stehen derzeit in der Kritik. Verkehrsteilnehmer äusserten sich zu den bewegten Bildern am Strassenrand.

Diese neuen animierten Werbesäulen stehen derzeit in der Kritik. Verkehrsteilnehmer äusserten sich zu den bewegten Bildern am Strassenrand.

daf
Marcio Dios (38) aus Basel, Mitarbeiter der Heilsarmee Gundeli: «Ich finde die animierte Werbung schön. Schauen Sie mal nach New York – das ist die Zukunft. Der Verkehrsteilnehmer muss sich daran gewöhnen und ist selbst verantwortlich dafür, sich nicht ablenken zu lassen.»

Marcio Dios (38) aus Basel, Mitarbeiter der Heilsarmee Gundeli: «Ich finde die animierte Werbung schön. Schauen Sie mal nach New York – das ist die Zukunft. Der Verkehrsteilnehmer muss sich daran gewöhnen und ist selbst verantwortlich dafür, sich nicht ablenken zu lassen.»

las
Raki Möller (82) aus Basel, ehemalige Museumsleiterin: «Als Autofahrerin finde ich es eine Zumutung. Man ist fasziniert von den Bildern und das lenkt ab. So etwas gehört nicht in den Strassenverkehr.»

Raki Möller (82) aus Basel, ehemalige Museumsleiterin: «Als Autofahrerin finde ich es eine Zumutung. Man ist fasziniert von den Bildern und das lenkt ab. So etwas gehört nicht in den Strassenverkehr.»

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