Aktualisiert 07.11.2008 12:11

Kalifornien kippt Homo-Ehe

«Wir werden nicht ruhen, bis wir dieselben Rechte haben»

Nachdem die Homo-Ehe in Kalifornien gescheitert ist, machen auch betroffene Stars ihrem Ärger Luft. Oscar- und Grammy-Gewinnerin Melissa Etheridge kündigte in einem Brandbrief an, keine Steuern mehr zu zahlen.

von
Philipp Dahm

«Meine Steuern könnt ihr vergessen», ist der Titel eines Textes, mit dem sich Melissa Etheridge gegen das Scheitern der Homo-Ehe in Kalifornien wehrt. «Alles klar, ich verstehe. 51 Prozent von euch glauben, dass ich ein Bürger zweiter Klasse bin.» Sie wisse gar nicht, wie sie ihre vormalige Ehefrau nun bezeichnen solle. «Egal, sie und ich haben nicht dieselben Rechte in der Staatsverfassung wie andere Bürger.»

«Das wäre einfach so falsch...»

Dann kündigt sie ihren ganz privaten Widerstand an: «Okay, das muss dann wohl heissen, dass ich meine Staatssteuern nicht zahlen muss, weil ich kein voller Bürger bin. Ich meine, das wäre einfach so falsch, wenn man jemanden Steuern zahlen lässt und ihm nicht die gleichen Rechte zugesteht.» Die Sängerin und ihre Freundin Tammy könnten das gesparte Geld gut gebrauchen, schreibt Etheridge und höhnt: «Welche Rezession? Wir sind schwul!»

Weiter fragt die 47-Jährige, seit wann es in Ordnung sei, Gesetze über Moral zu erlassen. «Was geht in ihrem Kopf vor? War es der einschüchternde Werbespot mit dem kleinen Mädchen, das nach Hause kommt und sagt `Hi Mom, wir haben heute in der Schule etwas über Schwule gelernt? und die Mutter bekommt dann diesen schrecklich besorgten Blick und die beängstigende Musik setzt ein? Kennen die irgendjemanden, der schwul ist? Wenn sie es tun sollten, können sie ihnen ins Gesicht sehen und sagen: 'Ich glaube, du verdienst nicht dieselben Rechte wie ich'?»

«Glauben die, dass ihre Kinder niemals einen Schwulen treffen?»

Besonders das Leugnen der Homosexualität vor Kindern regt sie auf. «Glauben die, dass ihre Kinder niemals einen Schwulen treffen? Glauben sie niemals etwas über die 20 Prozent von uns erklären zu müssen, die schwul sind und mit allen Bürgern Kaliforniens Seite an Seite leben und arbeiten? Ich habe eine Neuigkeit für euch: Eines Tages werden eure Kinder nach Hause kommen und euch fragen, was ein Schwuler ist. Dagegen könnt ihr kein Gesetz erlassen.»

Hoffnung macht der Amerikanerin die Wahl Obamas zum Präsidenten. «Diese durchgeknallte, angsterfüllte Verrücktheit wird bald ein Ende haben.» Zwar könne sie auch in anderen europäischen- oder US-Staaten heiraten, sie wolle das aber in ihrer kalifornischen Heimat tun, die sie liebe. Etheridge will für ihre Rechte kämpfen. «Wir werden nicht ruhen, bis wir dieselben Rechte wie andere Bürger haben. So einfach ist das, keine ängstliche Abstimmung kann uns jemals stoppen, das ist nicht die amerikanische Art.»

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