Berner Inselspital vor Impfaktion: «Wir werden weiter Masken tragen und Abstand halten müssen»
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Berner Inselspital vor Impfaktion«Wir werden weiter Masken tragen und Abstand halten müssen»

Christoph Schlapbach, Leiter des Impfzentrums am Berner Inselspital, über den Stand des Projekts, die Impfbereitschaft seiner Kollegen – und wie man den zusätzlichen Personalbedarf decken will.

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Am Berner Inselspital soll zwischen Anfang und Mitte Januar mit den Impfungen gegen Covid-19 begonnen werden.

Am Berner Inselspital soll zwischen Anfang und Mitte Januar mit den Impfungen gegen Covid-19 begonnen werden.

Reuters
Ob der Fahrplan eingehalten werden kann, hängt indes auch von anderen ab, wie Christoph Schlapbach (links), Leiter des Impfzentrums am Inselspital, festhält: «BAG und Kanton müssen die Impfsoftware zur Verfügung stellen, Swissmedic muss die Zulassung für den Impfstoff erteilen. Doch wir sind sehr zuversichtlich, dass es im Januar losgeht.»

Ob der Fahrplan eingehalten werden kann, hängt indes auch von anderen ab, wie Christoph Schlapbach (links), Leiter des Impfzentrums am Inselspital, festhält: «BAG und Kanton müssen die Impfsoftware zur Verfügung stellen, Swissmedic muss die Zulassung für den Impfstoff erteilen. Doch wir sind sehr zuversichtlich, dass es im Januar losgeht.»

20min
Um den zusätzlichen Personalbedarf zu decken, wird die Insel-Gruppe unter anderem auf pensionierte Ärzte und Medizinstudenten zurückgreifen.

Um den zusätzlichen Personalbedarf zu decken, wird die Insel-Gruppe unter anderem auf pensionierte Ärzte und Medizinstudenten zurückgreifen.

Samuel Schalch / Tages-Anzeiger

Darum gehts

  • Der Kanton Bern bereitet sich intensiv darauf vor, ab Mitte Januar mit einer gross angelegten Impfaktion starten zu können.

  • Eines von zehn Impfzentren wird am Inselspital errichtet.

  • Christoph Schlapbach, Leiter des Impfzentrums am Inselspital, zeigt sich zuversichtlich: «Zwischen Anfang und Mitte Januar sollten Infrastruktur und Personal bereitstehen.»

Herr Schlapbach, Sie sind Projektleiter des künftigen Impfzentrums am Inselspital. Wie geht es voran?

Wir sind zufrieden mit dem Fortschritt. Seit Anfang Dezember sind wir daran, hier eines von zehn kantonalen Impfzentren aufzubauen. Zwischen Anfang und Mitte Januar sollten Infrastruktur und Personal bereitstehen. Ob es dann mit den Impfungen losgehen kann, hängt auch von anderen ab: BAG und Kanton müssen die Impfsoftware zur Verfügung stellen, Swissmedic muss die Zulassung für den Impfstoff erteilen. Doch wir sind sehr zuversichtlich, dass es im Januar losgeht.

Woher nehmen Sie das zusätzliche Personal, das Sie zum Impfen brauchen?

Eine gute Frage. Hier kommt uns entgegen, dass sich das Impfpersonal nicht mit dem Fachpersonal überschneidet, das sich um die Covid-Patienten kümmert. Intensivpfleger werden wir also nicht ins Impfzentrum verlegen. Stattdessen werden wir den Personalbedarf mit Arbeitskräften decken, die nicht direkt von der Pandemie betroffen sind. Was wir nicht selbst abdecken können, werden wir extern rekrutieren.

Zum Beispiel pensionierte Ärztinnen und Ärzte …

Genau, das ist eine Option. Weiter werden Medizinstudenten zum Einsatz kommen, sie sind oftmals sehr motiviert. Es braucht aber auch viel administratives Personal. Dieses zu finden, dürfte aufgrund der wirtschaftlichen Folgen von Corona nicht allzu schwer sein.

Ist das medizinische Personal der Insel-Gruppe dazu verpflichtet, sich impfen zu lassen?

Nein, einen Impfzwang wird es nicht geben. Wir werden unseren Angestellten lediglich anbieten, sich impfen zu lassen.

Wie schätzen Sie die Bereitschaft Ihrer Mitarbeiter ein, sich der Impfung zu unterziehen?

Das ist schwierig abzuschätzen, und wir sind gerade dabei, das herauszufinden. Grundsätzlich herrscht aber ein grosses Verständnis für die Notwendigkeit der Impfung. Für mich persönlich gilt: Am Tag, an dem Swissmedic die Zulassung erteilt, werde ich meinen Oberarm hinhalten.

Nicht alle sind derart motiviert. Ein Teil der Bevölkerung ist skeptisch, weil man noch nichts über die Langzeitfolgen des Impfstoffs weiss.

Skepsis ist absolut legitim. Ich rufe die Menschen dazu auf, sich über den Impfstoff zu informieren, dabei aber immer auch die Informationsquelle und deren Legitimation zu hinterfragen. Ausserdem sollte man sich der solidarischen Bedeutung der Impfung bewusst sein. Letztlich muss dann jeder für sich entscheiden, ob er oder sie sich impfen lassen will oder nicht. Klar ist: Bei der Zulassung werden keine Abkürzungen genommen. Wird ein Covid-19-Impfstoff zugelassen, erfüllt er dieselben Sicherheitsanforderungen wie jedes andere Medizinprodukt. Das haben Bundesrat und Swissmedic betont.

Was glauben Sie: Wann wird die Impfquote so hoch sein, dass wieder Normalität in unseren Alltag eingekehrt?

Ich möchte klar betonen: Auch wenn die Impfaktion erfolgreich anrollt, werden wir weiter Hände waschen, Masken tragen und Abstand halten müssen. Diese Schutzmassnahmen werden nicht von heute auf morgen verschwinden. Ich bin aber überzeugt, dass wir in einem Jahr dank der Impfung an einem viel besseren Punkt sein werden als heute.

SO: Impfungen ab Mitte Januar

Der Kanton Solothurn will ab Mitte Januar Risikopatientinnen und -patienten sowie Mitarbeitende im Gesundheitswesen gegen Covid-19 impfen. Voraussetzung dafür ist, dass der Bund die Impfstoffe zulässt und sie an die Kantone ausliefern kann.

Der Kanton arbeite bereits seit Wochen an den Vorbereitungen der Impfung, teilte die Solothurner Staatskanzlei am Mittwoch mit. Die Voraussetzungen für eine erfolgreiche Durchführung seien anspruchsvoll.

Gemäss aktuellen Vorgaben würden in einer ersten Phase die Risikopatienten und Gesundheitsfachpersonen prioritär geimpft. Zu Beginn werden die Impfungen zentral am Impfzentrum in Solothurn durchgeführt. Wo dieses seinen Standort haben wird, ist noch unklar. Ausserdem versorgen mobile Impfteams regionale Einrichtungen wie Alters- und Pflegeheime. (sda)

(lah/sul)

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