Gelson Fernandes: «Wir wissen, dass wir eine Chance haben»
Aktualisiert

Gelson Fernandes«Wir wissen, dass wir eine Chance haben»

Heute feiert Gelson Fernandes seinen 25. Geburtstag. In der zweiten Division Englands hat der Familienvater sein Glück gefunden. Mit der Schweiz will er unbedingt zur EM fahren.

von
Sandro Compagno
Gelson Fernandes schätzt Nationaltrainer Ottmar Hitzfeld sehr. (Bild: Keystone)

Gelson Fernandes schätzt Nationaltrainer Ottmar Hitzfeld sehr. (Bild: Keystone)

Sie spielten in der Premier League, der Ligue 1 und zuletzt in der Serie A. Wieso jetzt Leicester City in der sogenannten Football League Championship, der zweithöchsten englischen Liga?

Gelson Fernandes: Ich bin überzeugt, dass die Championship mit den Top-Ligen in einigen anderen Ländern mithalten kann. Die Liga ist sehr stark, mit vielen guten Spielern und grossen Klubs. Ich hatte Angebote aus Spanien und Italien. Aber ich wollte zurück nach England. Der Fussball hier entspricht meiner Spielweise.

Warum?

Er ist aggressiv und schnell, ein Kampfspiel. Ich habe viel Spass in England. Das war schon so, als ich das erste Mal auf der Insel war...

...bei Manchester City.

Richtig. Ich bin nur weggegangen, weil ich an die WM wollte und dazu ein paar Spiele in den Beinen brauchte. Wissen Sie, ich bin ein sehr emotionaler Mensch. Ich liebe es, wenn die Stadien voll und die Fans leidenschaftlich sind. Ich spiele nicht gerne in leeren Stadien.

Wie in Italien.

Zum Beispiel.

Wo sehen Sie die Unterschiede zwischen der Serie A und der Championship?

Der Fussball in Italien ist technisch auf einem höheren Niveau. In unserer Liga wird dafür schneller gespielt. Bei allem Respekt, den ich vor Mittelfeld-Klubs in Italien habe, bin ich sehr glücklich, wo ich jetzt bin.

Welches sind die Ambitionen von Leicester City?

Das Ziel ist der Aufstieg in die Premier League. Die neuen Eigentümer aus Thailand haben sehr viel Geld in die Trainingsanlagen und die Mannschaft investiert. Das Projekt ist sehr spannend. Aber der Hauptgrund für meine Wahl war natürlich der Manager, Sven-Göran Eriksson.

Eriksson hatte Sie 2007 vom FC Sion zu Manchester City geholt. Nun rief er Sie nach Leicester. Wie wichtig ist er für Sie?

Sehr wichtig. Ich habe viel von ihm gelernt. Er hat mir die Chance gegeben, in einer grossen Liga zu spielen. Ich werde das nie vergessen und ich möchte ihm etwas zurückgeben für das, was er mir und meiner Familie ermöglicht hat. Das Projekt in Leicester ist vielversprechend, und ich will ein Teil davon sein. Wissen Sie, ich möchte nicht dauernd den Klub wechseln.

Dafür sind Sie aber schon recht weit herumgekommen: Sion, Manchester City, St-Etienne, Chievo Verona und nun Leicester City.

Das war nie das Ziel, es war wohl eher Schicksal.

Wie leben Sie in England?

Schön. Mit Freundin und Tochter im Grünen, gleich neben einem Bauernhof. Ich habe es gerne ruhig, da drückt wohl der Walliser durch (lacht).

Dieses Interview erscheint an Ihrem 25. Geburtstag. Sie befinden sich quasi in der Halbzeit Ihrer Karriere. Welche Pläne haben Sie noch?

Ich bin immer noch jung! Mein Ziel ist ganz einfach: Ich möchte jeden Tag Spass haben und das Beste geben für den Klub, für den ich spiele. Meine sportlichen Absichten sind simpel: jene Ziele zu erreichen, die mein Klub vorgibt. Wenn er europäisch spielen will, dann wird das mein Ziel sein. Will er in die Premier League, ist das mein Ziel. Ich bin entspannt in solchen Sachen. Dinge geschehen.

Eriksson wirkt sehr ruhig und kontrolliert, ähnlich wie Nationaltrainer Hitzfeld. Gibt es Parallelen?

Absolut. Sie sind sich sehr ähnlich. Bei beiden spürst du als Spieler, dass sie viele Titel gewonnen und eine enorme Erfahrung haben. Und sie sind beide sehr intelligent. Als Spieler weisst du, dass du Ottmar Hitzfeld vertrauen kannst, dass er dir die richtige Richtung vorgibt. Bei Sven ist das genau gleich.

Sie haben mittlerweile 33 Länderspiele bestritten, gehörten dabei aber selten zu jener Elf, die man als «Stammformation» bezeichnet. Stört Sie die mangelnde Wertschätzung?

Alles was ich tun kann, ist mein Bestes zu geben, wenn ich hier bin. Ich bin gerne bei der Nationalmannschaft und ich denke, ich habe es auch verdient, ein Teil dieser Auswahl zu sein. Man darf nicht vergessen, dass es viele Spieler da draussen gibt, die gerne an meiner Stelle wären. Und letztlich geht es nicht um persönliche Eitelkeiten, sondern um den Erfolg des Teams.

Sie haben an der WM 2010 beim 1:0 gegen den späteren Weltmeister Spanien zwar nicht gerade eine Schönheit von Tor, aber halt doch DAS Tor erzielt. Der Höhepunkt Ihrer Karriere?

Ja. Das war der grösste Moment bisher. Und vergessen wir nicht: Vor der Weltmeisterschaft war ich nicht in der Startformation. Trotzdem habe ich alles gegeben und als ich spielte, war ich bereit. Das ist Fussball!

Am Dienstag bestreitet die Nati ihr EM-Qualifikationsspiel gegen Bulgarien. Wenn man mit den Leuten spricht, hat die Nati wenig Kredit, die Qualifikation für die Euro 2012 noch zu schaffen.

Ganz ehrlich: Wenn wir als Spieler nicht mehr dran glauben, dann wird es schwer. Wir wissen, dass wir eine Chance haben. Und wir wissen, dass wir von England oder Wales Schützenhilfe erhalten können, wenn wir unseren Job machen. Der Dienstag ist ein Final: Nach dem Spiel werden wir wissen, ob es weitergeht oder ob wir ausgeschieden sind. Wenn wir nicht an uns glauben, können wir den Bulgaren die drei Punkte auch schicken. Ich glaube stark daran, dass wir es noch schaffen.

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