Im Fadenkreuz der Islamisten: «Wir wissen nicht, wann und wo sie zuschlagen werden»
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Im Fadenkreuz der Islamisten«Wir wissen nicht, wann und wo sie zuschlagen werden»

Der hessische Innenminister Volker Bouffier hat vor Massengeiselnahmen islamistischer Terroristen vor der deutschen Bundestagswahl gewarnt.

Man müsse jedes Szenario in Betracht ziehen und sich entsprechend vorbereiten, sagte der CDU-Politiker der «Bild»-Zeitung laut Vorabmeldung. «Es hat nichts mit Panikmache, aber sehr viel mit Vorsorge zu tun, wenn sich die Polizeien von Bund und Ländern auch auf die Möglichkeit einer Massengeiselnahme vorbereiten.»

Dem Bericht zufolge bestätigte Bouffier, dass die Eliteeinheit GSG 9 der Bundespolizei und die Spezialeinsatzkommandos der Länder für den Fall von Massengeiselnahmen trainieren. Es sprächen alle Erkenntnisse dafür, dass islamistische Terroristen den Bundestagswahlkampf spektakulär nutzen wollten, um mit Anschlägen den Abzug der Bundeswehr aus Afghanistan zu erzwingen. «Wir wissen nicht, wann und wo sie zuschlagen werden.» Aber Deutschland stehe eindeutig im Fadenkreuz. Das Terrornetz Al Kaida wolle massiven Schaden anrichten.

Die in Deutschland bekannteste Geiselnahme mit terroristischem Hintergrund ereignete sich 1977, als die Lufthansa-Maschine «Landshut» nach Afrika entführt wurde. Mit der Aktion sollten Häftlinge der Roten-Armee-Fraktion freigepresst werden. Bei der Befreiungsaktion in Mogadischu überlebten alle Geiseln.

In Russland kam es in der jüngsten Zeit mehrmals zu Geiselnahmen islamistischer Terroristen. So überfielen Extremisten im Jahr 2004 eine Schule in Beslan und nahmen mehr als 1.100 Kinder, Angehörige und Lehrer als Geiseln. Zwei Tage später stürmten Spezialkräfte das Gelände. Dabei kamen 334 Menschen ums Leben. Eine ähnliche Tat gab es im Jahr 2002 in Moskau, wo tschetschenische Geiselnehmer in einem Theater viele Geiseln nahmen. Bei der Erstürmung kamen 129 Menschen ums Leben, die meisten infolge eines Gaseinsatzes.

Einsatz der Bundeswehr gefordert

Wegen der Terrorgefahr sprach sich Bouffier dafür aus, Islamzentren und Moscheen bei Bedarf schärfer zu überwachen. «Bei Hinweisen auf eine konkrete Gefährdung kann man keinen Ort ausschliessen», wurde der Minister zitiert. Man brauche in den islamischen Gemeinden Vertrauensleute, die auffällige Personen melden sollten. «Das hat nichts mit Denunziation zu tun, sondern mit Vertrauensbildung.»

Bouffier bekräftigte die Forderung der Union nach klaren Regeln für gemeinsame Einsätze und Übungen von Polizei und Bundeswehr. Es gehe nicht darum, Soldaten zu Hilfssheriffs zu machen. «Bei Gefahr im Verzug muss es möglich sein, dass es zum Beispiel direkten Funkkontakt der Einsatzleitung zum Piloten eines Abfangjägers gibt und man sich nicht mit Händewinken verständigen muss.» (dapd)

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