Marco Streller: «Wir wissen, wie man gewinnt»
Aktualisiert

Marco Streller«Wir wissen, wie man gewinnt»

Marco Streller steht vor dem Start in die sechste Champions-League-Kampagne seit 2002. Keiner hat den Erfolg des FCB in jüngster Vergangenheit so stark mitgeprägt wie er.

von
Eva Tedesco

Marco Streller, wieso hat in der Schweiz nur der FC Basel eine ausgeprägte «Mia-san-mia-Winnermentalität?

Marco Streller: Ich glaube, Christian Gross war extrem wichtig in einer Phase, in der wir diese Mentalität entwickelt haben. Er hat Dinge gesehen, die in Basel zu der Zeit nicht gesehen wurden. Er und auch Erich Vogel haben sich eines Erfolgsmodells aus GC-Vergangenheit bedient. Zudem hat man in Basel immer Leute auf den Trainerposten geholt, die wissen, wie man gewinnt. Ich erinnere da an Thorsten Fink, der von den Bayern kam, Murat Yakin, der den Erfolg aus GC- und Basel-Zeiten kannte, und jetzt Paulo Sousa, der mit Dortmund und Juve die Champions League gewonnen hat. Wir hatten aber auch das Glück, dass wir fast jede Finalissima gewonnen haben. Dadurch kann sich viel ändern, im Positiven wie auch im Negativen. Das Wort «veryoungboysen» sagt viel aus, verlorene Finalspiele können lange nachhängen und sich im Kopf festsetzen.

Bedeutet das im Umkehrschluss, dass nur Erfolgscharaktere den Erfolg bringen, weil sie es selbst erfahren haben?

Ich will meine Theorie nicht zu fest nur an den Trainern festmachen. Auch den Spielern fällt dabei ein Anteil zu. Mir wurde schon angelastet, dass ich zu selbstbewusst kommuniziert habe, aber vielleicht brauchte es zu jener Zeit gerade Andersdenkende. Bei Spielern, die auch mal Gegenwind erlebt haben, sieht man, dass sie danach dem Druck besser standhalten können.

Sie starten am Dienstag gegen Real in die Gruppenphase. Wie forsch kommunizieren Sie diesmal?

Mein grosser Traum ist es, in einen Viertelfinal in der Champions League einzuziehen. Es ist sicher ein sehr hoch gestecktes Ziel, aber aufgrund unserer Erfolge zuletzt nicht unerreichbar. Wenn es am Ende der Achtelfinal wäre, ist das auch toll. Aber das hatten wir schon. In den letzten beiden Europacup-Kampagnen sind wir einmal mit zwei Beinen und einmal mit eineinhalb Beinen in einem EL-Halbfinal gestanden. Mit etwas Glück hätten wir letzte Saison die Europa League auch gewinnen können. Deshalb ist es für mich logisch, dass das nächste Ziel der CL-Viertelfinal sein muss.

Der FCB hat sich wie 2011/12 direkt für die Gruppenphase qualifiziert. Ist es ein Nachteil, ohne Anlauf in Qualifikationsrunden zu starten?

Das wird sich zeigen. Aber aufgrund unserer Erfahrung sollte das kein Nachteil sein. Sicher ist, dass die Zeiten, in denen man uns unterschätzt hat, wohl vorbei sind (lacht). Auch, wenn ich gegen englische Teams immer noch das Gefühl habe, dass wir nicht ganz ernst genommen werden. Ich denke, der Vorteil ist weg.

Im krassen Gegensatz zur letzten Europacupsaison steht das aktuelle Monster-Kader. Kann das dafür zum Vorteil werden?

Mit der neuen Breite im Kader haben wir sicherlich mehr nötige Frische für Europa. Und auch ich kann vielleicht das eine oder andere Spiel mehr pausieren - vorausgesetzt, die Konstellation im Liga-Alltag lässt das zu.

Der FCB kann sich nur noch international entwickeln, national kann er sich nur selber schlagen, einverstanden?

In Vaduz spielt man vor 3000 Zuschauern und in Manchester vor 70'000 - aber genau der Switch ist eine Lebensschule, zu wissen: Das ist meine Arbeit, wenn man Meister werden will. Und das ist, was ich von der Mannschaft verlange: dass sie mit der richtigen Einstellung bei der Sache ist und nicht nur, wenn sie vor 70'000 Zuschauern spielt. Es gibt keine Gegner mehr - und das sagt auch der Trainer -, die man einfach schnell 4:0, 5:0 weghaut.

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