21.02.2019 06:56

FCB-CEO Roland Heri

«Wir wissen, wie wichtig das Joggeli den Fans ist»

Roland Heri, der CEO des FC Basel, nimmt Stellung zu den Umbauplänen im Joggeli und stellt klar, dass ohne Segen der Muttenzerkurve an selbiger nichts verändert wird.

von
lha/ete
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FCB-CEO Roland Heri will beim Umbau des Joggeli keine Emotionen verletzten. Aber der Verein müsse auch rechnen, sagt er.

FCB-CEO Roland Heri will beim Umbau des Joggeli keine Emotionen verletzten. Aber der Verein müsse auch rechnen, sagt er.

20 Minuten/lha
Anstoss für die Umbau-Szenarien gab die Hülle des Stadions. Die ikonischen Kupalux-Elemente müssen ersetzt werden, was bereits einen hohen einstelligen Millionenbetrag kosten wird.

Anstoss für die Umbau-Szenarien gab die Hülle des Stadions. Die ikonischen Kupalux-Elemente müssen ersetzt werden, was bereits einen hohen einstelligen Millionenbetrag kosten wird.

Keystone/Georgios Kefalas
Das gab Anlass für grundsätzliche Überlegungen. Eine Analyse zeigte, dass die Kapazität eher zu gross ist. Ein Rückbau der Bahndammtribüne kommt deshalb in Frage.

Das gab Anlass für grundsätzliche Überlegungen. Eine Analyse zeigte, dass die Kapazität eher zu gross ist. Ein Rückbau der Bahndammtribüne kommt deshalb in Frage.

Keystone/Gaetan Bally

Aussagen von Clubpräsident Bernhard Burgener über mögliche bauliche Veränderungen im Joggeli haben viele Fans aufgeschreckt. Was ist da geplant?

Das Stadion ist nun 18 Jahre alt, weshalb Renovationsarbeiten notwendig sind. Um ein Beispiel zu nennen: Die Kunststoffplatten der Hülle müssen wohl bald einmal ersetzt werden, dafür wird ein hoher einstelliger Millionenbetrag fällig. Das gab den Anstoss für unsere Überlegungen, was sonst noch baulich nötig sein könnte oder nötig ist im Stadion. Ich möchte aber betonen, und das ist mir ganz wichtig: Wir sind uns zu 100 Prozent bewusst, was das Joggeli für ein Kulturdenkmal ist und was es für unsere Fans bedeutet. Bei aller Emotionalität des Themas ist es in einer ersten Phase der Auslegeordnung aber auch unsere Pflicht, alle Möglichkeiten zu rechnen.

Fans machen der Clubführung just den Vorwurf, dass zu viel gerechnet wird, insbesondere Bernhard Burgener zu sehr auf die Dividende schielt.

Dieser Eindruck ist falsch. Alles, was wir anschieben, soll dem Club dienen. Das ist kein Bereicherungskonzept für die Holding oder Herrn Burgener. Schauen Sie, wir verbrauchen einen Haufen Geld mit dem Sicherheitsdispositiv, obwohl ein grosser Teil der Spiele im sogenannten grünen Bereich ist. Was wir dagegen als Sicherheitsdispositiv Match für Match stellen müssen, entspricht dem nicht und wirkt für viele Familien abschreckend. Darum wollen wir zum Beispiel die Fanströme trennen.

Wie stellen Sie sich das vor?

Es soll eine Unterkreuzung geben. Die Gästefans sollen über einen Tunnel vom Zug in ihren Sektor gehen. Damit könnte das Polizeiaufgebot auf der Strasse deutlich reduziert werden, das würde massive Einsparungen bei den Sicherheitskosten bedeuten und das Stadion-Erlebnis aufwerten.

Das ist auch so ein Reizwort bei den Fans, das vor allem mit Kommerzialisierung verknüpft wird.

Zu Unrecht. Wir wollen keine Dauer-Berieselung während dem Match, das Spiel soll immer im Zentrum stehen. Wir müssen Ideen entwickeln, mehr Gründe dafür liefern, dass man mit den Kindern ins Stadion kommt – und zwar ohne diesem Ziel das zu opfern, was den Fussball so schön macht. Familien mit Kindern müssen wieder näher an den Fussball gebracht werden, das ist unsere Hauptaufgabe. Wir wollen den jungen Fans und den Kindern die FCB-DNA vermitteln.

Die geplante Reduktion der Stadionkapazität wird von manchen so interpretiert, dass via Verknappung des Platzangebots die Preise erhöht werden sollen.

Nein. Es geht wirklich überhaupt nicht um Preispolitik. Schauen Sie, die Zahlen sind eindeutig, wie oft ist das Stadion voll? Wir haben die Zahlen über Jahre ausgewertet. Mit ein paar guten Spielen in Serie bekommt man das Joggeli nicht voll. Das grösste Stadion der Schweiz zu haben ist zweifelsohne toll, aber es bringt dem Verein unter dem Strich keine Butter aufs Brot.

Wie steht es um mögliche Veränderungen in der Muttenzerkurve?

Das mit der Steilwand war so eine Idee, um die Kurve noch näher an den Platz zu bringen. Aber wir würden so etwas nie machen, ohne die Kurve voll mit einzubeziehen. Ausserdem gibt es auch ästhetische Bedenken der Architekten bei so einem Eingriff. Wir werden keine Ideen fix einbringen, die Emotionen oder Traditionen verletzen.

Sie können ohnehin nicht alleine entscheiden, ich nehme aber an, dass die geplante Beteiligung am Stadion an Mitspracherechte geknüpft sein wird?

Genau, wir haben ja nie von einem Kauf gesprochen, wir wollen mit einer möglichen Beteiligung aber unser Mitspracherecht verstärken. Wir sind der Hauptmieter im Stadion und haben deshalb ein Interesse daran.

In welchem Umfang will der FCB sich denn am Stadion und den baulichen Anpassungen beteiligen?

Zahlen kann ich keine nennen. Ich kann aber sagen, dass es eine Minderheitsbeteiligung wäre. Für den Umbau müsste auch die Stadiongenossenschaft Mittel zur Verfügung stellen. Wie gesagt: Wir liefern als Mieter nur Ideen, die Entscheidungen sind dann in den übergeordneten Gremien zu fällen.

Wann werden die Bagger auffahren?

Davon sind wir weit entfernt. Jetzt müssen erstmal Gespräche mit allen Anspruchsgruppen geführt werden. Das Ziel ist, dass wir bis im Sommer eine Vorstellung davon bekommen, welche Ideen konkret weiterverfolgt werden könnten.

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