Nepal: «Wir wollen beim Wiederaufbau helfen»
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Nepal«Wir wollen beim Wiederaufbau helfen»

Projects Abroad vermittelt Jungen Praktika und Freiwilligen-Einsätze im Ausland. Jetzt schickt die Organisation Helfer auch ins erdbebenversehrte Nepal. Ist das vertretbar?

von
gux
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Auch nach den beiden verheerenden Erdbeben mit insgesamt fast 9000 Toten bebt auch jetzt immer wieder die Erde. Oder es kommt zu gewaltigen Erdrutschen, wie hier am 24. Mai in der Provinz Myagdi im Nordwesten Nepals.

Auch nach den beiden verheerenden Erdbeben mit insgesamt fast 9000 Toten bebt auch jetzt immer wieder die Erde. Oder es kommt zu gewaltigen Erdrutschen, wie hier am 24. Mai in der Provinz Myagdi im Nordwesten Nepals.

Nepal Army
Überall in Kathmandu stehen Zelte, in denen die Überlebenden wohnen. Da viele Häuser beschädigt sind, müssen und wollen viele Nepalesen ...

Überall in Kathmandu stehen Zelte, in denen die Überlebenden wohnen. Da viele Häuser beschädigt sind, müssen und wollen viele Nepalesen ...

Ishara S.kodikara
... aus Angst vor Nachbeben im Freien schlafen.

... aus Angst vor Nachbeben im Freien schlafen.

Hemanta Shrestha

Es war die Idee eines vom Reisen faszinierten britischen Geografieprofessors: Peter Slowe wollte es seinen Studenten ermöglichen, in ihrer Freizeit etwas Sinnvolles im Ausland zu unternehmen. Sie sollten in Osteuropa etwa Englisch unterrichten und so wertvolle Erfahrungen sammeln. Das Projekt kam Anfang der 90er-Jahre schnell in Fahrt. Mittlerweile ist Projects Abroad weltweit tätig, bietet Auslandspraktika und Freiwilligenarbeit-Einsätze in Afrika, Asien, Lateinamerika und der Karibik an.

Das neuste Projekt des Unternehmens: Freiwillige können Aufbau- und Sozialarbeit im erdbebenversehrten Nepal leisten. Doch wie sinnvoll ist das? 20 Minuten sprach mit Alexander Wiesner, dem Medienverantwortlichen von Projects Abroad.

Herr Wiesner, mit Projects Abroad können Interessierte bei vielfältigen Projekten im Ausland mitarbeiten. Was sind die Lieblingsdestinationen?

Da gibt es eindeutige Favoriten: Die beliebtesten Destinationen 2014 waren Fidschi-Inseln, Jamaika und Südafrika.

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Wer kann alles mitmachen?

Der Grossteil ist zwischen 16 und 26 Jahre alt. Oft nehmen Schüler während den Ferien an einem Projekt teil. Weitere wollen die Zeit zwischen dem Ende und dem Beginn einer Ausbildung sinnvoll und im Ausland überbrücken. Aber es zeichnet sich immer mehr auch die Tendenz ab, dass sich Leute über 50 Jahre melden, weil sie eine Auszeit vom Job suchen.

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Was für Projekte bieten Sie an?

Wir haben ganz vielfältige Projekte überall auf der Welt. Das hat damit zu tun, dass viele Leute zu uns kommen, die soeben die Schule abgeschlossen haben und vor Beginn der Uni oder einer anderen Ausbildung Erfahrungen im Ausland sammeln möchten. Entsprechend breit ist unsere Projekt-Palette: Wenn jemand Wirtschaft studieren will, bieten wir für die Überbrückungszeit dahin ein Wirtschaftspraktikum, beispielsweise in China, an. Bei unseren medizinischen Projekten etwa in Jamaika kann der Teilnehmer den Ärzten wie bei einem Praktikum über die Schulter schauen. Es geht also darum, im Ausland praktische Erfahrungen in dem Berufsbereich zu sammeln, in dem man sich bei der Rückkehr nach Hause eventuell ausbilden lassen will.

Wie muss man sich den Tagesablauf vorstellen?

Bei vielen Projekten geht es auch um körperliche Arbeit. Pausen und Freitage sind daher ganz wichtig. Grundsätzlich geht es neben der eigentlichen Arbeit auch darum, ein Land zu entdecken und sich mit Hilfe der Gastfamilie heimisch zu fühlen.

Jetzt stellen Sie auch ein eigentliches Hilfsprojekt im erdbebenversehrten Nepal vor.

In Nepal unterhalten wir seit 1999 mehrere Projekte, neuerdings auch ein Hilfsprojekt als Reaktion auf das schwere Erdbeben. Aber es stimmt, Projekte in einem Land, das so stark von einer Katastrophe betroffen war, sind sehr selten. Ein ähnliches Projekt, das als Reaktion auf eine Naturkatastrophe ins Leben gerufen wurde, hat Projects Abroad auf den Philippinen. Der Auslöser dafür war der Taifun Hayan im November 2013. Dieses Projekt läuft übrigens noch immer.

Ein ganz anderes Kaliber und Betätigungsfeld. Stehen Sie mit unbeholfenen Teilnehmern den professionellen Helfern nicht vor allem im Weg?

Dieses Projekt legt den Fokus, anders als andere, nicht primär auf medizinische Versorgung oder gar auf Bergungen. Wir wollen in erster Linie beim Wiederaufbau helfen, bei der Instandsetzung von Sanitäranlagen, beim Betreuen von Familien, beim Bau von Schulen.

Haben Sie keine Angst, dass das Elend in Nepal nach der Katastrophe ihre Teilnehmer überfordert?

Wir sind uns bewusst, dass dies kein Projekt ist, das man auf die leichte Schulter nehmen soll. Deswegen schulen unsere Mitarbeiter in Nepal die Freiwilligen im Vorfeld.

Was für ein Profil müssen die Kandidaten für das Nepal-Projekt mitbringen?

Teilnehmer sollten wirklich Lust haben, den Betroffenen vor Ort zu helfen und sich nicht dazu zwingen müssen. Zudem schadet ein Grundinteresse für das Land und seine Kultur keineswegs. Auch darf man keine Berührungsängste vor der fremden Kultur haben. Das gilt für all unsere Projekte.

Wie gestaltet sich das Nepal-Projekt konkret?

Teilnehmer gehen für zwei Wochen nach Nepal – mindestens. Dafür zahlen sie 1500 Franken, die zu 100 Prozent in das Nepal-Projekt zurückfliessen. Von diesem Preis ausgenommen sind der Flug, mit einbegriffen sind Verpflegung und Unterkunft, die Versicherung sowie natürlich die Betreuung durch uns und unsere Leute vor Ort.

Haben sich schon Teilnehmer gemeldet?

Das Projekt wurde ja gerade erst ins Leben gerufen, doch bereits jetzt stösst es auf grosses Interesse. Heute findet zudem in Zürich noch ein Infoabend statt, bei dem wir neben dem Nepal-Projekt auch unsere anderen Projekte vorstellen. Interessierte sind dazu herzlich eingeladen. Das läuft relativ unbürokratisch. Auch ganz kurzfristige Anmeldungen sind möglich.

Wie finanziert sich Projects Abroad?

Allein durch die Zahlungen der Projektteilnehmer, wir kriegen keine Subventionen oder dergleichen. Die Freiwilligen zahlen pro Projekt, für das sie sich interessieren, einen Beitrag. Dieser hängt von Dauer und Ort ab. Ein Grossteil der Anmeldegebühren fliesst in die Unterbringung und Verpflegung sowie in die Betreuung der Teilnehmer. Hinzu kommen die Organisation und der Aufbau neuer Projekte. Zudem noch die Kostenstellen, die bei jedem anderen Unternehmen auch anfallen. Für das Nepal-Projekt aber gilt das nicht, hier kommt alles Geld der Teilnehmer den Projekten vor Ort zugute.

25 Millionen Franken für Nepal

Einen Monat nach dem schweren Erdbeben in Nepal sind bei der Glückskette insgesamt Spenden in der Höhe von 25 Millionen Franken eingegangen. Bei dem Unglück waren 8600 Menschen ums Leben gekommen. Der Verbund «Emergency Appeals Alliance», dem acht Länder angehören, sammelte für die Opfer des Erdbebens vom 25. April rund 180 Millionen Franken, wie die Glückskette am Mittwoch mitteilte. In absoluten Zahlen hätten die Briten mit 80 Millionen am meisten gespendet, gefolgt von den Schweizern und den Deutschen mit 24 Millionen. Pro Kopf führe die Schweiz mit 3,1 Franken pro Person die Rangliste jedoch an. Dem Verbund gehören neben der Schweizer Glückskette ähnliche Organisationen in Belgien, Deutschland, England, Italien, Kanada, den Niederlanden und Schweden an. Von den Folgen des Erdbebens der Stärke 7,8 sind in Nepal nach UNO-Schätzungen rund acht Millionen Menschen betroffen. (SDA)

Am Donnerstag, 28.Mai 2015,lädt Projects Abroad zum Infoabend nach Zürich. Dabei berichten ehemalige Freiwillige von ihren Auslandserfahrungen. Mehr dazu finden Sie hier.

(im Bild: Pressesprecher Alexander Wiesner, (c) Christopher Schneider)

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