Schnellgerichte: «Wir wollen eine Radaukultur verhindern»
Aktualisiert

Schnellgerichte«Wir wollen eine Radaukultur verhindern»

Der Kanton St. Gallen rüstet auf im Kampf gegen Hooliganismus: Am Sonntag stehen während der Partie FCSG gegen den FCB erstmals so genannte Schnellrichter im Einsatz. Staatsanwalt Simon Burger erklärt im Interview, wer sich vor diesen fürchten muss, was sie bezwecken sollen und warum sie bei Krawallen nutzlos sind.

von
Adrian Müller

20 Minuten Online: Am Spiel FC St. Gallen gegen den FC Basel vom kommenden Sonntag kommen erstmals so genante «Schnellrichter» zum Einsatz. Haben Sie sich speziell auf diesen Ernstkampf vorbereitet?

Simon Burger: Nein, in den Medien ist in den letzten Tagen ein völlig falsches Bild entstanden. Denn diese «Schnellgerichte» sind eigentlich ganz normale Verfahren. Wir haben keinen Gerichtshof im Stadion aufgebaut, sondern ein Untersuchungsrichter ist in den normalen Büros auf Pikett. Wir erfinden das Rad nicht neu.

Warum braucht es denn überhaupt Schnellrichter?

Nach den schweren Ausschreitungen beim Abschiedsspiel im Espenmoos mussten wir über die Bücher. Es sind teilweise Monate vergangen, bis die Krawallbrüder verurteilt wurden. Dank den Schnellverfahren sollen die Übeltäter die Konsequenzen ihrer Tat sofort spüren. Davon erhoffen wir uns einen abschreckenden Effekt, insbesondere bei den Randalieren selbst.

Landet von nun an ein frustrierter Fan, der ein Bier die Tribüne hinunter schmeisst, beim Schnellrichter?

Es ist nicht die Idee, dass jeder Bagatelltverstoss gegen die Stadionordnung bei uns landet. Schnellrichter zielen auf Leute ab, die ein Sicherheitsrisiko im Stadion darstellen. Ich denke da beispielsweise an Leute, die gewalttätig werden oder mit Pyro-Fackeln Zuschauer gefährden. Zudem wollen wir Leute mit Stadionverbot eruieren und rascher verurteilen.

Wie wollen Sie solche Täter festnageln?

Absolute Vorraussetzung für eine rasche Verurteilung sind glasklare Videobeweise oder Zeugenaussagen. Zudem muss die Polizei die Täter erstmals aus der Menge herausfischen und zu uns bringen. Dies könnte durchaus problematisch werden, denn die Sicherheitsdienste haben normalerweise schon während dem Spiel alle Hände voll zu tun.

Haben Sie einen Live-Stream der Überwachungskameras ins Büro?

Nein, die Sicherheitskräfte werten die Bilder aus und übermitteln sie anschliessend an uns.

Was passiert, wenn im Stadion wirklich die Post abgeht? Werden dann die Krawallbrüder im Fünfminutentakt abgeurteilt?

Bei heftigen Ausschreitungen können auch Schnellverfahren nichts ausrichten. Diese haben nur eine begrenzte Kapazität. Wie bisher würden wir anhand der Videoaufnahmen versuchen, die Täter zu ermitteln oder bei Bedarf im Internet zu veröffentlichen. «Schnellrichter» zielen nicht auf die grossen Ausschreitungen ab, sondern auf einzelne, lästige Übeltäter. Diese wollen wir gezielt aburteilen und damit verhindern, dass eine Radaukultur entsteht.

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