Nati-Goalie Bringolf vor Norwegen-Knüller: «Wir wollen gegen jeden Gegner gewinnen»
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Nati-Goalie Bringolf vor Norwegen-Knüller«Wir wollen gegen jeden Gegner gewinnen»

Die Schweizer Handball-Nati schaffte den Sieg gegen Österreich. Im Interview spricht Nati-Goalie Bringolf über die Sensation, seine Leistung, die WM – und den krebskranken Küttel.

von
Nils Hänggi

Roman Sidorowicz schoss gegen Österreich das entscheidende Tor für die Schweizer Nati.

Video: ORF

Darum gehts

  • Am Donnerstag gewann die Schweizer Handball-Nati gegen Österreich.

  • Goalie Aurel Bringolf wurde kurz vor der Pause eingewechselt.

  • Im Interview erzählt der 33-Jährige von der Zeit in Ägypten.

  • Und meint: «Ich bin unzufrieden mit meiner Leistung.»

  • Nun soll auch gegen den grossen Favoriten Norwegen ein Sieg her.

Herr Bringolf, wie geht es Ihnen?

Mir geht es soweit sehr gut. Mittlerweile hat sich alles ein wenig beruhigt. Die letzten Tage und Stunden waren zwar einmalig, aber auch sehr, sehr stressig. Vor allem der Donnerstag war sehr ereignisreich. Zuerst das Schnee-Chaos in Zürich, dann das lange Warten auf dem Flugplatz in Kairo. Später natürlich der Sieg gegen Österreich. Als ich dann endlich im Hotel war, bin ich dann sehr schnell eingeschlafen. (lacht)

Hat sich das Chaos ein wenig beruhigt?

Ja. Der Freitag war sehr relaxt. Haben uns gut eingelebt im Hotel, trainierten auch schon. Klar, es gibt immer wieder Kleinigkeiten, wie etwa terminliche Verschiebungen. Aber damit müssen wir leben.

Sie meinten, sie seien im Hotel gerade eingeschlafen. Haben Sie den historischen Sieg gegen Österreich gar nicht gefeiert?

Natürlich haben wir! Aber im kleinen Rahmen. In der Kabine lief schon kurz Musik, haben miteinander gesungen. Aber sonst feierten wir nicht gross. Das lag aber auch an den strengen Corona-Regeln. Wir durften beispielsweise nicht im Stadion duschen, das mussten wir im Hotel. Und so war klar, dass wir nach der Partie ziemlich schnell unsere Sachen packten und ins Hotel fuhren. Zumal es ja für uns direkt vom Flugplatz ins Stadion ging.

Als Aurel Bringolf (rechts) erfuhr, dass die Schweiz zur WM fährt, war er sprachlos. Er sagt: «Ich würde sagen, dass ich eine Schockfreude verspürt habe. Zunächst war da der Schock. Ich fragte mich: Wie organisiere ich jetzt alles? Friseurtermine? Arztbesuche?» 

Als Aurel Bringolf (rechts) erfuhr, dass die Schweiz zur WM fährt, war er sprachlos. Er sagt: «Ich würde sagen, dass ich eine Schockfreude verspürt habe. Zunächst war da der Schock. Ich fragte mich: Wie organisiere ich jetzt alles? Friseurtermine? Arztbesuche?»

Foto: Freshfocus

Sie sprechen das Chaos an. Die Verzögerung am Zürcher Flughafen wegen des Schnees, das Warten auf dem Flugplatz, dann das fehlende Gepäck. Glich alles einer schlechten Touristen-Komödie?

Schlussendlich hat ja alles funktioniert. Und das auf die Minute. Aber natürlich, dass das Gepäck erst eine Stunde vorm Spiel ankam, war das Tüpfelchen auf dem I.

Was wäre eigentlich passiert, wenn das Gepäck nicht mehr gekommen wäre?

Dann hätten wir keine Trikots für das Spiel gehabt (lacht). Wir haben uns sowieso gefragt, weshalb das Gepäck nicht in unser Car geladen wurde. Schliesslich war der Flieger gechartert, im Flugzeug war also nur unser Gepäck. Dennoch kam es dann separat mit einem kleinen Lastwagen. Das Beste war ja: Wir und dann später auch unser Gepäck mussten genau zur Rush-Hour-Zeit durch Kairo fahren. Dank der Polizei-Eskorte kamen wir aber ziemlich gut durch.

Werfen wir einen Blick zurück. Auf anfangs Woche. Was war das für ein Gefühl, als Sie erfuhren: Die Schweiz nimmt an der WM teil?

Wir wussten, dass es passieren kann. Wir wussten, dass die Möglichkeit besteht, dass wir nachrücken. Doch tagelang passierte nix. Die Zeit wurde immer knapper. Und als dann die Meldung kam, war das natürlich super. Ich war überglücklich.

Das zweite Tor der Schweizer Handball-Nati an der WM in Ägypten im Video.

Video: ORF

Überhaupt nicht schockiert? Schliesslich musste ab dann alles sehr schnell gehen …

Ich würde sagen, dass ich eine Schockfreude verspürt habe. Zunächst war da der Schock. Ich fragte mich: Wie organisiere ich jetzt alles? Friseurtermine? Arztbesuche? Ich wusste, dass mir nicht viel Zeit blieb. Doch dann, nur Momente nach dem Schock, stellte sich die Freude ein. Mir wurde bewusst: Ich fahre an eine Handball-WM! Dass wir uns mit der Nati in Schaffhausen trafen, gab mir zudem noch ein wenig mehr Zeit, die organisatorischen Dinge zu erledigen.

Es folgte der Sieg gegen Österreich. War der Sieg eine Sensation?

Er ist natürlich sehr viel, dieser Sieg. Er ist nicht nur wichtig für den Verlauf des weiteren Turniers, nein. Die Partie gegen Österreich war für mich das 1. WM-Spiel. Für jeden Einzelnen von uns war es das 1. WM-Spiel. Aber ich muss auch sagen, dass wir immer den Ehrgeiz haben, Nationen wie Österreich zu schlagen.

«Wir wollen jede Partie gewinnen», meint der Goalie der Schweizer Handball-Nati. 

«Wir wollen jede Partie gewinnen», meint der Goalie der Schweizer Handball-Nati.

Foto: Freshfocus

Sie wurden kurz vor der Pause eingewechselt und hatten kurz darauf einen Big Save …

… ja, das stimmt. Aber ich bin unzufrieden mit meiner Leistung. Unsere Abwehr spielte super genial, doch wir Goalies hielten zu wenige Bälle. Das ist uns aber bewusst und wir wollen uns steigern. Das ist klar. Tatsache ist: Hätten wir Torhüter eine bessere Leistung gezeigt, wäre der Sieg noch deutlicher ausgefallen.

Nun folgen die Spiele gegen Norwegen und Frankreich. Was erhoffen Sie sich?

Wir wollen jede Partie gewinnen. Aber natürlich sind die beiden Länder ein anderes Kaliber als Österreich. Norwegen und Frankreich haben mehrere Weltklasse-Spieler in den Reihen. Wir geben einfach immer unser Bestes und dann schauen wir, was rauskommt. Spiele gegen Weltklasse-Nationen haben ja auch einen Vorteil: Man kann viele Dinge lernen.

Die WM wird auch heftig kritisiert. Kritiker sagen, es sei Unsinn, dass zu Zeiten von Corona ein Turnier durchgeführt werde. Was ist Ihre Meinung?

Im Team reden wir sehr viel darüber. Und wir verstehen die Kritik auch, herrscht doch derzeit eine weltweite Pandemie. Doch wir versuchen alle Regeln einzuhalten, haben Ärzte mit, machen regelmässig Corona-Tests. Es ist ein schwieriges Thema, es gibt Pro und Contra. Aber schlussendlich sind wir jetzt hier. Und wir wollen ein gutes Turnier spielen.

Die Stimmung ist also gut im Team?

Die ist sehr gut. Aber das war sie schon immer. Auch als noch nicht klar war, dass wir WM-Teilnehmer sind. Es gab Downs, die uns runterzogen. Die Krebserkrankung von Dimitrij Küttel etwa. Oder die positiven Corona-Tests von Schelker und Maros. Aber wir sind ein Team. Auch wenn Küttel, Schelker und Maros nicht hier sind, ist für uns klar: Sie gehören zu uns!

Klingt wunderbar. Schliessen wir doch mit einem Vergleich, der Ihnen wohl bekannt ist. 1992 war Dänemark der EM-Nachrücker. Die Dänen stürmten dann bis zum EM-Titel. Ist Schweiz das neue Dänemark?

Schwierig zu sagen. Fragen Sie mich das in drei Wochen nochmals (lacht).

Deine Meinung

2 Kommentare
Kommentarfunktion geschlossen

Merklwürdig

16.01.2021, 16:23

Na, haben sie sich schon eine Afrika Corona Mutation in den Koffer gepackt für die Heimreise? Unverantwortlich dorthin zu fahren.

Hochaollerleben

16.01.2021, 15:47

Ihr kämpft gut aber unser President Biden kämpft besser