Multimediaunternehmen FC Basel : «Wir wollen kein PR-Kanal sein, der alles reinwäscht»
Aktualisiert

Multimediaunternehmen FC Basel «Wir wollen kein PR-Kanal sein, der alles reinwäscht»

Der FC Basel startet eine Medienoffensive mit TV-Streams und auf Social Media. Wieso ein Fussballclub heute auch ein Medienunternehmen sein muss, erklärt FCB-Medienmanager Remo Meister.

von
Lukas Hausendorf

Der FC Basel sendet täglich mehrere Videos aus dem Trainingslager in Marbella und überträgt Freundschaftsspiele. Das Angebot soll sogar ausgebaut werden. Worauf dürfen sich die Fans freuen?

Wir werden sicher im FCB-TV verschiedene regelmässig wiederkehrende Formate einführen. Wir müssen jetzt auch schauen, was ankommt und das auswerten. Jetzt sind wir in einer Aufbauphase und das Trainingslager ist ein optimaler Ort, um Neues wie den Marbella Mittagstalk auszuprobieren. Der kommt übrigens sehr gut an. Sowas wollen wir als fixes Element beibehalten, neben Bewährtem wie neue Spieler im Videoportrait vorzustellen. Wir möchten auch vermehrt die anderen Bereiche des FCB, etwa die Nachwuchs- und Frauenabteilung oder den Marketingbereich, über Video abdecken und spannende Einblicke in den Gesamtclub zu geben. Wir haben in allen Bereichen spannende Inhalte zu zeigen.

Das kostet alles auch Geld. Warum braucht der FCB überhaupt sein eigenes Fernsehen?

Wir spüren einfach ein sehr grosses Interesse der Fans an den Dingen, die bei uns passieren. Da wollen wir es nicht verpassen, darüber zu informieren. Bei uns ist alles sehr öffentlichkeitswirksam. Es ist spannend, selbst darüber zu berichten und damit den FCB als Marke zu präsentieren. Ein Video wie das vom Abschied von Mohammed Elneny schiesst in Ägypten durch die Decke, das schafft internationale Aufmerksamkeit. Davon profitiert der FCB längerfristig. Die digitalen Kanäle sind eine weitere gute Möglichkeit, den FCB als Namen in die Welt hinaus zu tragen.

Verglichen mit europäischen Top-Klubs ist der FCB noch ein Medienzwerg. Euer Youtube-Channel hat knapp 900 Abonnenten, der von Chelsea fast 500'000. Woran orientiert ihr euch punkto digitalen Aktivitäten?

Wir haben kein konkretes Vorbild. Mir ist wichtig zu betonen: Obwohl bei uns für Schweizer Verhältnisse momentan viel geht, können wir uns nicht mit internationalen Top-Klubs vergleichen. Wir schauen dennoch gerne über die Grenze, besonders in die Bundesliga. Dort sieht man, dass gewisse Club-TVs sehr nahe an der Mannschaft sind. Man sieht, wie sie den Fussball zelebrieren, durchaus mit seriösem Journalismus. Das ist auch unser Anspruch. Wir wollen kein PR-Kanal sein, der alles reinwäscht. Wir wissen, dass es noch viel Luft nach oben gibt und fangen erst gerade so richtig an.

Wie sieht es bezüglich Ertrag aus? Lassen sich Videos, Magazine und Social-Media-Aktivitäten gewinnbringend vermarkten?

Das ist auf jeden Fall unser Ziel. Ich empfinde eine doppelte Verpflichtung. Es gibt zum einen den journalistischen Anspruch: Es muss sich lohnen, unsere Inhalte zu konsumieren. Alles was auf der Webseite oder im FCB-TV kommt, braucht eine gewisse Seriosität. Aber es gibt auch die kommerzielle Seite. Gefordert ist, dass die Club-Medien je länger desto mehr auch etwas einbringen. Dafür brauchen wir sehr guten Content, der potenziellen Partnern eine interessante Plattform bietet und sich so erfolgreich vermarkten lässt. Das ist eine klare Vorgabe der Clubführung.

Das FCB-TV des FC Bayern ist kostenpflichtig, Chelsea vermarktet sein Digitalangebot ebenfalls mit Abos bei den Fans. Ist das auch die Zukunft beim FC Basel?

Ich würde sicher nicht ausschliessen, dass es Teile des Angebots gibt, die irgendwann etwas kosten werden. Es wird sicher nicht in naher Zukunft passieren. Zuerst müssen wir so guten Content generieren, um damit verschiedene Formate bespielen zu können. Irgendwann kommt dann allenfalls die Frage, ob es besonders exklusive und aufwändige Inhalte gibt, für die wir etwas verlangen wollen. Aber im Moment ist das noch Zukunftsmusik.

Unterhaltungsunternehmen FCB

Fussballclubs rund um den Globus sind heutzutage längst zu riesigen Unterhaltungsunternehmen geworden. Auch der FC Basel möchte seinen Anhängern zwischen den Spielen mehr Informationen über das Geschehen im Club bringen. Zum Jahreswechsel hat der FCB zwei neue Mitarbeiter eingestellt, die sich zusätzlich um die mediale Verbreitung des FCB-Innenlebens kümmern. Insgesamt sind acht Mitarbeiter und drei Freelancer unter der Leitung von Remo Meister für die Öffentlichkeitsarbeit des FC Basel zuständig. Neben dem Rotblau Magazin liegt der Fokus immer stärker auf den digitalen Medien. Kanäle wie Facebook, Twitter, Instagram, Snapchat oder Youtube werden intensiv bewirtschaftet. Neu ist auch die Übertragung von Freundschaftsspielen.

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