Luca Zuffi: «Wir wollen Liverpool ein Bein stellen»

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Luca Zuffi«Wir wollen Liverpool ein Bein stellen»

Dario, äh, pardon, Luca. Aber ganz sicher Zuffi. 20 Minuten spricht vor dem Champions-League-Knüller gegen Liverpool mit FCB-Mittelfeldspieler Luca Zuffi.

von
Eva Tedesco

Mit Luca Zuffi hat der FCB wieder einen Zuffi in den Reihen. Vater Dario hat mit seinen Toren seit 1994 einen wesentlichen Anteil am Aufstieg der Rotblauen in die damalige NLA gehabt. Der Stürmer ist bis heute unvergessen und geniesst in Basel Kultstatus.

Luca Zuffi, wie oft werden Sie mit Dario angesprochen?

Luca Zuffi: Das kommt lustigerweise noch oft vor. Meistens bemerkt mein Gegenüber schnell, dass er mich mit dem falschen Vornamen angesprochen hat. Manchmal aber auch nicht. Mittlerweile reagiere ich auch, wenn ich mit Dario angesprochen werde.

Stört es Sie nicht, dass Sie trotz eigener Karriere immer mit dem Vater in Verbindung gebracht werden?

Ich finde es sogar schön, dass sich die Leute an diese Zeit erinnern. Es war eine schöne Zeit mit dem Aufstieg und ich habe damit überhaupt kein Problem.

Hatten Sie nie das Gefühl, dass der Name hohe Erwartungen weckt?

Mein Vater konnte mir immer Tipps geben, weil er sich im Business auskennt. Ich brauche keinen Manager, weil er alles für mich macht. Er hat mich nie in meinen Entscheidungen beeinflusst. Und ich glaube nicht, dass der Name Zuffi ein Vor- oder Nachteil war.

Ihr Vater war Stürmer. Wo sehen Sie sich?

Sicher im Mittelfeld, aber da kann ich mittlerweile die defensive wie auch die offensivere Variante spielen. Im Moment ist es eher die offensivere. Ich fühle mich in beiden Rollen wohl, auch wenn ich eher der Vorlagengeber bin als der Vollstrecker.

Werden von Ihnen als Sohn eines Stürmers mehr Tore erwartet?

Vielleicht erwartet man das. Aber ich bin ein anderer Spielertyp. Er hat brutal viele Tore gemacht. Auch ich treffe hin und wieder und so wie es jetzt läuft, kann es auch weitergehen. Aber Druck in dieser Richtung mache ich mir nicht.

Hat Ihr Vater an den Sohn höhere Ansprüche als an andere Spieler?

Es gibt natürlich Spiele, die weniger gut sind. Aber ich glaube, dass ich selbstkritisch genug bin und weiss, wenn ich etwas falsch gemacht habe. Vielleicht hält er sich auch deshalb zurück, weil er das weiss.

Die Familie Zuffi besteht aus vier - Vater Dario, Ihre zwei Brüder und Sie - fussballverrückten Männern. Ihre Mutter muss einen schweren Stand gehabt haben.

In so einer Familie muss man auch ein bisschen fussballbegeistert sein. Sie hat uns natürlich immer gefahren und war gern an den Spielen dabei. Mittlerweile kennt sie sich auch gut aus.

Wie muss man sich ein Familientreffen im Hause Zuffi vorstellen? Mit dem einzigen Thema Fussball?

Fussball ist immer ein Thema, aber es wird auch über andere Themen geredet. Aber die Eltern sind nicht mehr zusammen und deshalb kommt es nicht mehr allzu häufig zu solchen Treffen.

Wird über den FCB diskutiert?

Es wird schon darüber geredet und es kommt auch da vor, dass wir uns nicht einig sind.

Wie gehen Sie mit Ihrer neuen Situation in Basel um?

Man muss sich halt immer wieder anpassen. Ich bin in den meisten Spielen zum Zug gekommen und deshalb war die Umstellung nicht so gross. Aber es war schon so, dass in Thun mehr oder weniger die Gleichen gespielt haben und das System auch so gut wie nie gewechselt hat.

Wie fühlt sich das an, wenn man trotz guter Leistung im nächsten Spiel auf der Bank sitzt? Ist das nicht demotivierend?

Man hat es nicht selber in der Hand. Der Trainer stellt jene Elf auf, die er für richtig hält. Man muss die Sache einfach positiv angehen. Man bietet sich dem Trainer an, so gut es geht. Klar ist man enttäuscht, wenn man nicht spielt, aber damit muss man als Profi umgehen können.

Dafür spielen Sie mit dem FCB in der Champions League.

Und damit ist für mich ein Traum in Erfüllung gegangen, da ich von klein auf Real-Fan bin. Im Bernabéu zu spielen, war das Grösste für mich und ich werde es ein Leben lang nicht vergessen. Es war ein unglaubliches Gefühl - auch wenn wir uns das Resultat anders vorgestellt haben.

Stellt die Begegnung am Mittwoch mit Liverpool die Weiche, in welche Richtung es gehen kann oder eher die Duelle mit Rasgrad?

Liverpool ist ein Schlüsselspiel. Wir werden sicher versuchen, den Engländern ein Bein zu stellen. Aber die zwei wichtigsten Spiele für uns sind zweifelsohne die Begegnungen mit Ludogorets, die wir auch unbedingt gewinnen wollen. Der dritte Platz ist realistisch, aber wir werden alles dafür geben, dass wir auch Platz 2 schaffen können. Wir spielen am Mittwoch gegen Liverpool zuhause und müssen uns sicher nicht vor den Engländern verstecken.

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