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IS-Terrormiliz «Wir wollen nur Statuen in Palmyra zerstören»

Die Welt befürchtet, dass der IS in Palmyra weiteres Weltkulturerbe sprengt. In einer Radiobotschaft wiegelt ein Sprecher der Terrormiliz jetzt ab.

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cfr
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Die schwarz-weisse IS-Flagge weht auf einem antiken Gebäude in Palmyra.

Die schwarz-weisse IS-Flagge weht auf einem antiken Gebäude in Palmyra.

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Bewaffnete IS-Kämpfer gehen an einer Strasse zwischen Palmyra und Homs in Deckung. Berichten zufolge richten sich die Aggressionen der IS-Extremisten nun gegen die Bevölkerung Palmyras: Seit der Eroberung der Stadt wurden 400 Menschen getötet und ihre Leichen geschändet.

Bewaffnete IS-Kämpfer gehen an einer Strasse zwischen Palmyra und Homs in Deckung. Berichten zufolge richten sich die Aggressionen der IS-Extremisten nun gegen die Bevölkerung Palmyras: Seit der Eroberung der Stadt wurden 400 Menschen getötet und ihre Leichen geschändet.

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Schwarzer Rauch zeugt von schweren Kämpfen.

Schwarzer Rauch zeugt von schweren Kämpfen.

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Die Videos gingen um die Welt: Kämpfer der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) zertrümmern mit Vorschlaghämmern antike Statuen und sprengen 3000 Jahre alte Tempel. Nachdem der IS im irakischen Mosul, Nimrud und Ninive wütete, fürchten viele, dass die Extremisten auch im syrischen Palmyra mit ihren Bulldozern anrollen könnten. Letzte Woche hatte der IS die historische Wüstenstadt eingenommen, deren Tempel und Statuen zum Unesco-Weltkulturerbe gehören.

Ein IS-Sprecher gibt jetzt vorerst Entwarnung – zumindest halbwegs: «Palmyra werden wir erhalten, nicht zerstören», sagte Abu Laith al-Saoudi dem syrischen Radiosender Alwan. Die Terrormiliz wolle lediglich Statuen zerstören. Die antiken Gebäude würden sie nicht anrühren, sagte er. Am selben Tag veröffentlichte der IS ein Video, das die Ruinen Palmyras zeigt, unversehrt. Wann die Aufnahmen gemacht wurden, ist jedoch nicht klar, wie die «Washington Post» berichtet.

«Zerstören, um Plünderungen zu verdecken»

Joshua Landis, Direktor des Zentrums für Nahoststudien an der Universität von Oklahoma, traut der Nachricht nicht: Selbst wenn die Gruppe die Ruinen stehen lässt, würde sie in der Stadt wüten, sagt er. Denn für den IS stehe Palmyra für ein Syrien, das «vorislamisch» und «heidnisch» ist. Die Stadt würde von Syriens religiösen Minderheiten und säkularen Sunniten verehrt, die sich mehr an der mediterranen als an der islamischen Kultur orientierten. «Der IS will die Vergangenheit zerstören und zeigen, was ihm wichtig und heilig ist», sagt Landis.

Die Zerstörungswut des IS könnte aber auch einen anderen Hintergrund haben, sagte der Chef der irakischen Behörde für Antiquitäten und Kulturerbe: Damit könnte die Terrormiliz ihre Plünderungen verschleiern, so die «Washington Post».

Cyber-Archäologen stellen zerstörte Kunst wieder her

Der IS zerstört Weltkulturerbe in Syrien und im Irak. Zwei Doktoranden und eine handvoll Freiwilliger stellen die Monumente jetzt wieder her: online. Dazu nutzen sie eine Technik, die Photogrammetrie heisst, wie «BBC» berichtet. Damit werden anhand von Fotografien 3D-Modelle von einem Objekt erstellt. Für ihr «Projekt Mosul» riefen die zwei Forscher Menschen weltweit dazu aufgerufen, ihnen Fotos von zerstörten Orten zu schicken – angefangen mit dem Museum in Mosul. Freiwillige Helfer loggen sich dann ins System ein, sortieren die Bilder und rekonstruieren dann die Kunstwerke. Bislang sind 700 Fotos eingegangen, 543 aus Mosul (Quelle: cfr/BBC)

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