Aktualisiert 25.12.2007 15:00

«Wir wollten die nicht vorwarnen»

Nach dem Bekanntwerden der wohl grössten Fahndungsaktion in Sachen Kinderpornografie sehen Ermittler den Erfolg ihrer Arbeit gefährdet.

Das bayerische Landeskriminalamt zeigte sich enttäuscht, dass der zuständige Oberstaatsanwalt in Sachsen-Anhalt den Fall mit rund 12.000 Verdächtigen in Deutschland öffentlich gemacht hat. «Wir wollten die nicht vorwarnen», sagte der Münchner LKA-Sprecher Peter Burghardt laut «Spiegel Online».

Oberstaatsanwalt Peter Vogt aus Halle hatte zuvor im MDR über die Ermittlungen unter dem Namen «Himmel» berichtet. Ausser in Deutschland sollen in 70 weiteren Ländern Personen festgestellt worden sein, die verdächtigt werden, kinderpornografisches Material besessen oder aus dem Internet heruntergeladen zu haben.

Nach Informationen der ARD sollen die Ermittlungen mit Informationen des Berliner Internetanbieters Strato ins Rollen gebracht worden sein. Die Firma soll auf ihren Servern einen auffällig intensiven Datenaustausch registriert und bereits Anfang des Jahres die Polizei eingeschaltet haben.

«Es ist schwierig - mitunter auf Grund der technischen Verzweigungen - im Internet zu ermitteln», sagte der Berliner Polizeisprecher Bernhard Schodrowski der ARD. «Aber es ist uns in diesem Fall gut gelungen.»

Laut Burghardt wurden allein in Bayern weit mehr als 1.000 Verdächtige festgestellt. Von der Dimension der Operation zeigte er sich überrascht: «So etwas ist uns noch nicht untergekommen.» In Bayern sei inzwischen ein Drittel der Verfahren abgeschlossen, die anderen stünden noch aus. «Das sind so viele, das ist eine solche Dimension, dafür braucht man Zeit», sagte Burghardt laut «Spiegel Online». «Das dauert noch ein paar Monate. Jeder einzelne Fall muss geprüft werden, mit Richterbeschluss und Durchsuchungen. Bei so vielen Fällen geht das nur Schritt für Schritt.»

Vogt hatte am Montag darauf hingewiesen, dass sich Internetnutzer bei Kinderpornografie sehr schnell strafbar machten. «Schon wenn zielgerichtet mit bestimmten Begriffen nach Kinderpornografie gesucht wird, macht man sich strafbar.» Internetnutzer, die Mails mit kinderpornografischem Inhalt erhielten, sollten sich bei der Polizei melden und die Nachricht an die Behörden weiterleiten. «Schon als Adressat solcher Mails kann man ins Visier der Ermittler geraten», sagte Vogt. (dapd)

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