11.07.2020 07:27

Schweizer Touristen hängen auf den Kapverden fest

«Wir wollten mit dem Schiff von der Insel flüchten»

Seit vier Monaten sitzt Doris Lüthi (50) auf den kapverdischen Inseln fest. Corona, ansteigende Kriminalität und fehlende Medikamente machten ihre Traumferien zum Horrortrip.

von
Céline Krapf

Doris Lüthi erzählt von ihrem Alltag auf den kapverdischen Inseln.

Darum gehts

  • Die Schweizerin Doris Lüthi (50) befindet sich seit dem 13. März auf den Kapverden.
  • Weil die kapverdische Regierung sämtliche Grenzen schloss, konnte sie nicht ausreisen.
  • Lüthi liess nichts unversucht: Sogar eine Flucht mit einem Schiff war geplant.
  • Die ansteigende Kriminalität und fehlende Medikamente machen ihr zu schaffen.

Doris Lüthi will nur noch eines: zurück in ihre Heimat. Sie sitzt seit Mitte März auf der kapverdischen Insel Sal im Atlantik fest – weit weg von ihrem Zuhause in Wollerau SZ, umgeben von Armut, Verzweiflung und Corona.

Ihre Tragödie begann mit einer Traumreise: Am 13. März fliegt sie mit ihrer Kollegin für geplante zwei Wochen auf die Kapverden. Doch kurz nach ihrer Ankunft wird klar: Ihren Rückflug zwei Wochen später können sie nicht antreten. Aufgrund der Corona-Krise schliesst die kapverdische Regierung sämtliche Grenzen.

Die zwei Frauen harren seitdem in ihrer Ferienwohnung aus – ohne zu wissen, wann sie wieder in die Schweiz zurückkehren können. Staatliche Rückholaktionen der Schweiz sind keine geplant, bestätigt das Eidgenössische Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA). 41 Personen hätten Drittstaatenflüge in Anspruch genommen, die restlichen 29 hätten mindestens eine Flugoption abgelehnt.

Doris Lüthi (links) mit ihrer Kollegin. «Die Lage verschärft sich von Tag zu Tag», sagt Lüthi.

Doris Lüthi (links) mit ihrer Kollegin. «Die Lage verschärft sich von Tag zu Tag», sagt Lüthi.

Foto: privat

Wenn die Medikamente knapp werden

«Am Anfang haben wir doch gar nicht verstanden, was geschieht», sagt Doris Lüthi. Ein Kollege habe sie dann für eine italienische Rückholaktion angemeldet. «Für uns hatte es aber keinen Platz mehr neben den Italienern.» Die Situation sei zeitweise auswegslos: «Wir sind verzweifelt und probieren alles», sagt Lüthi. «Wir wollten sogar mit einem Schiff von der Insel flüchten.» Die illegale Ausreise sei nur daran gescheitert, dass das Schiff nicht seetüchtig gewesen sei.

Zudem kämpft Doris Lüthi mit gesundheitlichen Problemen: Sie sei wegen einer Schilddrüsenerkrankung auf Medikamente angewiesen, die sie auf den abgelegenen Inseln nur mit Müh und Not erhielt. «Ich fürchtete um mein Leben», sagt die Schweizerin.

«Ich mache mir unglaubliche Sorgen», sagt ihr Partner Gregor Müller, der seit Monaten auf die Rückkehr seiner Freundin wartet. «Die Behörden haben auf meine Anfragen nicht geantwortet – ich fühle mich komplett im Stich gelassen.» Auch Lüthis Sohn, Steven Mosimann, hegt Groll gegen die Regierung: «Wie kann die ‹grösste Rückholaktion von Schweizern im Ausland› für beendet erklärt werden, im Wissen um Einzelfälle auf der ganzen Welt?» An die Schweiz mit dem internationalen Diplomatie-Renommee habe er andere Erwartungen gehabt.

Immer mehr Armut und Kriminalität

Die Lage auf der Insel verschärfe sich derweil von Tag zu Tag: «Die Menschen hier sind am Verhungern!», sagt Doris Lüthi. Ohne die Einnahmen aus dem Tourismus kämpfe die Bevölkerung ums Überleben. «Die sozioökonomischen Auswirkungen des Lockdown sind für Cabo Verde schwerwiegend», bestätigt das EDA. Dies spüren auch Lüthi und ihre Begleitung: «Die Kriminalität steigt, wir trauen uns abends nicht mehr raus.» Mit Sicherheitspersonal vor ihrer Tür und persönlichen Bodyguards versuchen sie sich zu schützen.

Doch es gibt Hoffnung: Das EDA bestätigt, dass Portugal am 16. Juli eine Rückholaktion nach Lissabon organisiert, bei der auch Schweizer zurückgebracht werden könnten. Zudem hat die kapverdische Regierung Ende Juni angekündigt, die Inseln ab August wieder für den kommerziellen internationalen Flug- und Schiffsverkehr zu öffnen. Interinsulare Flüge können voraussichtlich bereits ab dem 15. Juli stattfinden. Partner Gregor Müller will sich nicht zu früh freuen: «Ich glaube das erst, wenn ich meinen Schatz wieder in den Armen halte.»

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