Secondo-Soldaten: «Wir wollten niemanden beleidigen»
Aktualisiert

Secondo-Soldaten«Wir wollten niemanden beleidigen»

Jetmira Avdili (19) posierte in Uniform als stolze Kosovarin. Jetzt erklärt sich die Soldatin: Sie wollte nur zeigen, dass sie gern der Schweiz diene.

von
L. Hanselmann

Frau Avdili, wieso machen Sie in der Schweizer Uniform ein nationalistisches Symbol eines fremden Landes?

Jetmira Avdili: Wir wollten allen Albanern zeigen, wie viele albanischstämmige Schweizer in der Armee sind. Und wir wollten damit ausdrücken, dass wir trotz unserer Herkunft stolz sind, die Uniform zu tragen. Sonst hätten wir sicher nicht als Durchdiener 300 Tage Dienst für die Schweiz geleistet. Wir wollten damit niemanden beleidigen, schon gar nicht die Schweiz.

Das Bild hat auf Facebook für einen Shitstorm gesorgt. Wieso haben Sie es veröffentlicht?

Das ist falsch. Wir haben uns überhaupt nichts Schlimmes dabei gedacht. Unter das Bild haben wir extra noch geschrieben, dass wir gut integriert sind. Doch die rechten Idioten, die es dann verbreitet haben, haben das einfach ignoriert und danach auch unsere Kommentare gelöscht.

Was bedeutet der Adler für Sie?

Er steht für die albanische Flagge. Damit symbolisiert er auch für die Kosovaren die Heimat, auch wenn der Kosovo heute nicht zu Albanien gehört. Wir drücken damit unsere Verbundenheit mit unserer Heimat aus, dass wir unsere Wurzeln ehren.

Sind sie mehr Schweizerin oder mehr Kosovarin?

Ich bin sehr gut integriert. Ich bin Schweizerin und stolz darauf. Doch jetzt werde ich wegen einem Foto als Ausländerin dargestellt. Dabei sind wir auf dem Bild doch genau die gut integrierten Ausländer, während andere sich kein bisschen anpassen wollen. Dass wir in der Armee sind ist doch das beste Beispiel für Integration.

Habt ihr auf dem Foto alle albanische Wurzeln?

Nein. Die meisten sind aus dem Kosovo und Mazedonien. Einer hat aber auch Schweizer Eltern.

Sie sind stolz auf die Schweiz aber auch stolz auf Ihre Herkunft. Wie geht das zusammen?

Wir haben nun mal unsere Wurzeln in Albanien. Das wollen und können wir nicht ignorieren. Und man kann durchaus ein richtiger Schweizer sein, ohne seine ursprüngliche Heimat zu vergessen.

Hand aufs Herz: Würden sie lieber für den Kosovo oder für die Schweiz in den Krieg ziehen?

Ich will gar nicht in den Krieg. Aber wenn ich mich entscheiden müsste, dann klar mit der Schweizer Armee. Die Schweiz ist mein Land, ich bin hier geboren und aufgewachsen, sie hat mir so viel gegeben. Das könnte der Kosovo nie. Das sagen auch praktisch alle meine Kollegen mit kosovarischen Wurzeln.

Wieso gingen Sie als Frau freiwillig in die Schweizer Armee?

Ich bin wohl die einzige Schweizer Soldatin mit albanischen Wurzeln (lacht). Ich wollte ursprünglich die Polizeischule machen, dafür helfen die Erfahrungen in der Armee. Und es macht mich stolz, die Schweizer Uniform zu tragen. Ich gehe hoffentlich auch bald mit der Kfor in den Kosovo, also in meine Heimat – aber als Schweizer Soldatin, nicht als Kosovarin.

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