22.06.2019 19:23

Astronauten-Interview

«Wir wollten noch länger auf dem Mond bleiben»

Er stand als bisher jüngster Mensch auf dem Mond. Im Interview gibt Charlie Duke Einblick in die Apollo-16-Mission.

von
Jean-Claude Gerber
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Charlie Duke betrat am 21. April 1972 als 36-Jähriger den Mond. Er war der bisher jüngste Mensch auf dem Mond.

Charlie Duke betrat am 21. April 1972 als 36-Jähriger den Mond. Er war der bisher jüngste Mensch auf dem Mond.

Nasa
Der heute 83-Jährige war der Zehnte von insgesamt zwölf Menschen, die bisher auf dem Erdtrabanten standen.

Der heute 83-Jährige war der Zehnte von insgesamt zwölf Menschen, die bisher auf dem Erdtrabanten standen.

epa/Lukas Barth-Tuttas
Die Crew der Apollo-16-Mission: Ken Mattingly, John Young und Charles Duke (v. l.)

Die Crew der Apollo-16-Mission: Ken Mattingly, John Young und Charles Duke (v. l.)

Nasa

Charlie Duke, war es schon immer ihr Traum, Astronaut zu werden?

Nicht wirklich. Als ich jung war, gab es noch kein Weltraumprogramm, niemand hatte von Astronauten gehört. Aber ich interessierte mich für Flugzeuge und das Fliegen. Anfang der 1960er-Jahre war ich dann als Pilot für die US-Luftwaffe im deutschen Ramstein stationiert. Zu dieser Zeit hörte ich Präsident John F. Kennedys berühmte Rede an der Rice Universität, in der er ankündigte, dass bis zum Ende des Jahrzehnts Menschen auf dem Mond landen und sicher zurückkehren werden. Von da an wollte ich Astronaut werden.

Sie betraten im Rahmen der Apollo-16-Mission als zehnter Mensch den Mond. Wie erlebten Sie Ihre Zeit dort?

John Young und ich genossen jede unserer 20 Stunden, die wir ausserhalb der Landefähre auf der Mondoberfläche verbrachten. Ich war von der Schönheit überwältigt. Es gab viel Arbeit, aber ich fühlte mich wie ein kleiner Junge, für den Weihnachten und Geburtstag zusammenfielen.

Sie arbeiteten bis zu siebeneinhalb Stunden am Stück draussen im Raumanzug. Das muss anstrengend gewesen sein.

Die Arbeit im Raumanzug war sehr ermüdend. Man musste wissen, wie man die Steifigkeit des Raumanzugs zu seinem Vorteil nutzen konnte. Nach einem Ausseneinsatz gingen noch zwei bis drei Stunden für die Nachbesprechung und Instandsetzen der Raumanzüge drauf.

Danach schliefen Sie sicher gut.

Ja, wir schliefen nach den Ausseneinsätzen sehr tief in unseren Hängematten, obwohl es in der Mondlandefähre ein bisschen frisch war. Nur direkt nach der Landung konnte ich nicht einschlafen. In Absprache mit dem Missionsarzt nahm ich dann eine Schlaftablette. Da schlief ich nur vier Stunden, sonst waren es siebeneinhalb.

Wurden Sie während der langen Ausseneinsätze nicht hungrig?

Nein, neben vier Litern Trinkwasser hatten wir auch im Raumanzug einen Energieriegel dabei. Dieser war im Innern des Anzugs platziert, wo wir ihn erreichen konnten. Er war etwa 20 Zentimeter lang, äusserst nahrhaft und stillte den Hunger optimal.

Sie fielen auf dem Mond bei dem Versuch, so hoch wie möglich zu springen, hin. Machte Ihnen das Angst oder war es Ihnen eher peinlich?

Zuerst hatte ich Angst. Bei meinem Missgeschick während unserer inoffiziellen Mondolympiade wäre ich beinahe auf den Rücken gefallen, wo ich mein Lebenserhaltungssystem trug. Wäre das zerstört worden, wäre es mit mir aus gewesen. Mein Herz schlug mir bis zum Hals. Doch als klar wurde, dass noch alles funktionierte, war es mir vor allem peinlich. Die Bodenkontrolle in Houston hatte alles gesehen und war sehr verärgert.

Das Problem war, dass wir den Hochsprung zwar geplant, aber nie geübt hatten. Und auf dem Mond die Balance zu halten, ist äusserst schwierig.

Ihr Aufenthalt auf dem Mond war mit fast drei Tagen einer der längsten. Wären Sie gern noch länger geblieben?

Wir flehten die Bodenkontrolle an, noch einige Stunden länger bleiben zu dürfen. Wir fühlten uns gut und hatten genügend Sauerstoff. Doch Houston sorgte sich um die Energiereserven der Landefähre, da sich unsere Landung um sechs Stunden verzögert hatte, und beorderte uns zurück.

Was halten Sie von den aktuellen Mondplänen der USA, wonach 2024 wieder Menschen auf dem Mond landen sollen?

Ich finde sie sinnvoll. Wir sollten eine dauerhafte Forschungsstation auf dem Mond errichten. Dort könnten wir die nötigen Systeme entwickeln und Vertrauen in sie gewinnen. Dann könnten wir ähnliche Systeme für die Reise zum Mars benutzen. Denn auf dem Weg zum Mars kann man keine Anpassungen mehr vornehmen, man kann bei Problemen aufgrund der Funkverzögerung auch nicht auf Hilfe der Bodenkontrolle hoffen.

Der Zeitplan für die Rückkehr zum Mond ist sehr ehrgeizig. Ist 2024 realistisch?

Ehrgeizig ja, unmöglich nein. Bei Apollo fingen wir bei null an und schafften es in acht Jahren. Heute gibt es bereits das Raumschiff Orion, um damit in die Mondumlaufbahn zu gelangen. Die Landefähre wird zurzeit entwickelt. Dorthin muss ein Grossteil des Budgets geleitet werden. Und auch die nötige Rakete, das Space Launch System, steht schon bereit.

Wird die neue Mondmission die Menschen inspirieren, wie Apollo das tat?

Ich denke, es wird viele Millenials und die noch jüngere Generation inspirieren. Als die Nasa 2017 Astronauten suchte, erhielt sie 18'000 Bewerbungen. Die Begeisterung ist also zweifellos schon heute da.

John F. Kennedys legendäre Rede an der Rice Universität am 12. September 1962, bei der er das Mondprogramm ankündigte. (Video: Youtube/Nimitz06)

Charlie Duke wird nur einer der hochkarätigen Gäste am Starmus-Festival (24. bis 29. Juni) in Dübendorf sein:

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Wird am 24. Juni in Zürich am Starmus-Festival erwartet: Elon Musk, Spacex-Gründer und Gewinner der Stephen-Hawking-Medaille für wissenschaftliche Kommunikation.

Wird am 24. Juni in Zürich am Starmus-Festival erwartet: Elon Musk, Spacex-Gründer und Gewinner der Stephen-Hawking-Medaille für wissenschaftliche Kommunikation.

AP/Jae C. Hong
Überreicht wird Elon Musk die Auszeichnung von Brian May, Queen-Gitarrist und Doktor der Astrophysik (l.). Ebenfalls bei Starmus dabei: der englische Keyboarder Rick Wakeman (r.).

Überreicht wird Elon Musk die Auszeichnung von Brian May, Queen-Gitarrist und Doktor der Astrophysik (l.). Ebenfalls bei Starmus dabei: der englische Keyboarder Rick Wakeman (r.).

Starmus
Der 2018 verstorbene Stephen Hawking (v.) lieh der Auszeichnung für wissenschaftliche Kommunikation seinen Namen.

Der 2018 verstorbene Stephen Hawking (v.) lieh der Auszeichnung für wissenschaftliche Kommunikation seinen Namen.

max Alexander

Neue US-Mondpläne

Im März verkündete US-Präsident Donald Trump, dass 2024 erneut Astronauten den Mond betreten sollen – vier Jahre früher als geplant. Im Rahmen des Artemis-Programms soll in der Umlaufbahn des Mondes eine Raumstation errichtet werden, der Lunar Gateway. Von dort sollen Männer und Frauen mit einer Landefähre den Mond besuchen können. (jcg)

Starmus-Festival

Das Interview wurde ermöglicht von Starmus. Das hochkarätig besetzte

Wissenschaftsfestival findet vom 24. bis 29. Juni in der Samsung Hall in Dübendorf statt.

Tickets und weitere Infos gibt es auf Starmus.com.

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