Töchter zeigen Vater an: «Wir wollten verhindern, dass er es nochmals tut»
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Töchter zeigen Vater an«Wir wollten verhindern, dass er es nochmals tut»

E. K.* soll seine zwei jüngsten Töchter sexuell missbraucht und mehrfach geschändet haben. Nun musste er sich vor dem Richter verantworten.

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km
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L. K.* (25) und A. K.* (22) klagen gegen ihren Vater. Die beiden jungen Frauen werfen ihm vor, dass er sie zwischen 1996 und 1999 mehrfach schwer sexuell missbraucht und geschändet habe.

L. K.* (25) und A. K.* (22) klagen gegen ihren Vater. Die beiden jungen Frauen werfen ihm vor, dass er sie zwischen 1996 und 1999 mehrfach schwer sexuell missbraucht und geschändet habe.

Serghei Turcanu
Die Missbräuche hätten vor allem im Badezimmer der alten Wohnung in Oensingen SO stattgefunden. Dort habe sich der Vater an ihnen vergriffen oder sie zu Oralsex gezwungen.

Die Missbräuche hätten vor allem im Badezimmer der alten Wohnung in Oensingen SO stattgefunden. Dort habe sich der Vater an ihnen vergriffen oder sie zu Oralsex gezwungen.

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Der Richter teilte mit, dass das Urteil am 23. September verkündet wird.

Der Richter teilte mit, dass das Urteil am 23. September verkündet wird.

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L. K.* (25) und A. K.* (22) klagen gegen ihren Vater. Die beiden jungen Frauen werfen ihm vor, sie zwischen 1996 und 1999 mehrfach schwer sexuell missbraucht und geschändet zu haben. Die Missbräuche sollen vor allem in der alten Wohnung in Oensingen SO stattgefunden haben, wo sich der Vater beim Duschen an ihnen vergriffen und sie zu Oralsex gezwungen haben soll.

«Er wollte ein Kind adoptieren»

Die beiden Schwestern hätten bereits 2004 die Chance gehabt, gegen ihren Vater vor Gericht auszusagen. Der Schweizer stand damals wegen sexuellen Missbrauchs seiner ältesten Tochter vor den Richtern. Doch hätten sich die beiden jüngeren Schwestern damals abgesprochen und vereinbart, ihren Vater zu decken. Nun haben sie ihr Schweigen dennoch gebrochen.

Der Grund: Vater E. K.* gab bekannt, mit seiner Frau bald auszuwandern. «Er wollte nach Thailand gehen und dort ein Kind adoptieren», sagte A. K. am Montag vor Gericht. Für die Schwestern war klar, dass ihr Vater wieder ein Kind missbrauchen würde. «Wir wollten verhindern, dass er es nochmals tut.»

«Ich bekam keine Luft mehr, ich hatte Angst»

Für die beiden Schwestern sind es schwere Stunden am Montag im Gerichtssaal in Balsthal SO. Die 25-jährige A. K. wirkt distanziert, als sie erzählt, wie sie von ihrem Vater missbraucht wurde: «Ich bekam keine Luft mehr, ich hatte Angst.» Sie erinnere sich an einen konkreten Übergriff und habe etliche verschwommene Erinnerungen. Die beiden Frauen reichen sich während der Verhandlung immer wieder die Hände oder nehmen sich in die Arme. Beide Frauen haben laut eigenen Aussagen mit schweren psychischen Probleme zu kämpfen. Beide befinden sich in therapeutischer Behandlung.

«Ich habe sie nie angefasst»

Vater E. K. wehrt sich gegen die Aussagen seiner Töchter – immer wieder schüttelt der 58-Jährige den Kopf. Er stellt klar: «Meine Frau will nicht mehr auswandern.»

Der Vater bestritt alle Missbrauchsvorwürfe: «Ich habe sie nie angefasst», sagte der Vater. Auffällig oft stellte der Vater vor Gericht klar, dass er «zu diesen zwei Kindern» nie eine familiäre Beziehung aufgebaut habe. «Sie waren wie fremde Kinder», sagte er immer wieder. Nur mit der ältesten Tochter, L. K.*, habe er eine Vater-Tochter-Beziehung gehabt.

Schadensersatz und Gefängnis gefordert

Der Staatsanwalt und die Rechtsanwältin der Geschädigten, verlangen, dass E. K. schuldig gesprochen wird. Konkret verlangt die Staatsanwaltschaft, dass dieser wegen mehrfacher Schändung und sexueller Handlungen mit Kindern zu einer Freiheitsstrafe von drei Jahren und vier Monaten verurteilt werden soll. Die Rechtsanwältin der beiden Schwestern verlangt zudem insgesamt 37'000 Franken Schadenersatz.

Der Verteidiger des Angeklagten plädierte auf Freispruch von allen Anklagepunkten, auch die Schadenersatzforderung weist er zurück. Das Urteil wird am 23. September erwartet.

*Namen der Redaktion bekannt

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