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europacup-out«Wir wurden in den letzten drei Jahren auseinanderdividiert»

Der FCB verpasst zum zweiten Mal innert drei Jahren eine europäische Gruppenphase. Nach dem Aus gegen CSKA Sofia wählt Captain Valentin Stocker scharfe Worte.

von
Eva Tedesco

Nach dem Ausscheiden aus der Europa League braucht Captain Valentin Stocker scharfe Worte. Trainer Ciriaco Sforza sagt dazu: «Ich muss mit ihm reden und ihn fragen, was er damit meint.»

(Video: 20 Minuten/ete)

Darum gehts

  • Der FCB verliert gegen CSKA Sofia und verpasst die europäische Gruppenphase.
  • Valentin Stocker spricht gegenüber «blue» Klartext.
  • Der Captain vermisst Freude und Qualität beim FCB.
  • Das sagt Trainer Sforza zu Stockers Aussagen.

Es waren nur einige wenige Sätze, die der FCB-Captain im Interview mit «blue» von sich gab – aber die hatten es in sich. «Wir sind sprachlos. Wir werden das intern analysieren. Wir haben auch in den anderen Europa-League-Qualifikationsspielen nicht überzeugt oder höchstens eine Halbzeit», sagte Valentin Stocker. Auf die Frage, woran das liegt, antwortete er: «Es liegt nicht an mir, Lösungen zu finden. Ich glaube, uns fehlt die Qualität. Wir wurden in den letzten drei Jahren auseinanderdividiert und irgendwie bringen wir die Freude nicht auf den Platz.»

Für das «Auseinanderdividieren» ist nur einer verantwortlich und das ist Präsident Bernhard Burgener. Mit ihm an der Spitze hängt der Haussegen seit geraumer Zeit mächtig schief. Das Verpassen der EL-Gruppenphase und auch der schwache Start in die neue Meisterschaft zeigen, dass der Frust der letzten Monate entweder nicht aufgearbeitet wurde oder wieder neue Turbulenzen am entstehen sind. Egal, was die rotblaue Führung derzeit anpackt – nichts klappt. Prekär wird es, wenn sich der Frust in der Mannschaft breitmacht.

Wenn man sich als Nummer 24 in Europa von einem Team, das von der Uefa nicht unter den 200 besten geführt wird, geschlagen geben muss weil es an Qualität mangelt, macht das keine Freude. Und dass der FCB über viel gute Junge verfügt, die eine gute Zukunft hätten, wie es Ciriaco Sforza kurz nach der Niederlage am Donnerstag gegenüber «blue» sagte, ist das ein schwacher Trost und kommt nach dem Europacup-Aus des einstigen Vorzeigeclubs nicht gut an.

Fakt ist, dass das Kader unter Burgener zwar jünger, aber qualitativ nicht besser geworden ist. Um auf dem Transfermarkt noch einmal zugreifen zu können, hätte die Finanzspritze von rund sechs Millionen, die die Gruppenphase garantiert hätte, geholfen. So aber könnte das Gegenteil eintreffen. Der eine oder andere Spieler könnte nun den FCB verlassen und sein Glück bei einem anderen Verein versuchen.

Ich muss ihn fragen, was er damit meint

Ciriaco Sforza, FCB-Trainer

Bis 5. Oktober ist das internationale Transferfenster noch offen. Gut möglich, dass Rotblau jetzt noch den einen oder anderen Leistungsträger verkauft. Omar Alderete (Lazio und Hertha sollen interessiert sein), Eray Cömert, Cabral und auch Silvan Widmer nutzen die letzten Europacup-Kampagne, um im Ausland auf sich aufmerksam zu machen. Das Kader würde – um es in den Worten von Stocker zu sagen – weiter «auseinanderdividiert».

Mit den scharfen Worten von Stocker konfrontiert sagt Sforza: «Wir müssen jetzt schön die Kirche im Dorf lassen. Momentan sind das die Spieler, die wir haben.» Man habe einige Verletzte, die in der letzten Saison wichtige Positionen eingenommen hätten. Aber jammern würde nichts bringen und man müsse nach vorne schauen. «Ich muss mit ihm (Valentin Stocker, Anm. d. Red.) reden und ihn fragen, was er damit meint. Ich finde, die Freude in der Mannschaft, im Training – und auch in den Spielzügen in der ersten Halbzeit hat man es gesehen – ist vorhanden. Jeder Spieler muss sich hinterfragen, ob er sein Bestes für den Verein gibt.» Er als Trainer habe Freude und diese Freude müsse auch von jedem Spieler kommen.

Jetzt sei einfach Enttäuschung da und das sei auch menschlich, so Sforza. Aber man habe noch Ziele und die wolle man angreifen. «Meine Aufgabe als Trainer ist jetzt, die Meisterschaft gezielt und in Ruhe anzupacken. Das braucht Zeit.» Die hat der FCB nun ja zu Genüge.

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50 Kommentare
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GuillaumeTell

04.10.2020, 01:45

Es gibt in der Schweiz ungefähr 8,3 Millionen Einwohner! Statistisch gesehen verstehen ca. 20 davon überhaupt nichts von Fussball! Aber ausgerechnet einer von ihnen ist Präsident des FCB, ein Anderer der Trainer und ein Dritter der Captain! So viel Pech auf einmal ist kaum zu glauben!

ex Trainer

03.10.2020, 12:40

Jemand muss ja absteigen.Dieses Jahr halt Basel. Kein Trainer und Null Vorstand.

Kari

03.10.2020, 08:22

Stocker sollte sich hinterfragen, sein Mundwerk ist schneller als seine Laufwege. Eventuell auch zum Augenarzt damit er sieht wann ihm der Gegner davonläuft.