Statt nach Mallorca - «Wir wurden negativ getestet – und mussten trotzdem in Quarantäne»
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Statt nach Mallorca«Wir wurden negativ getestet – und mussten trotzdem in Quarantäne»

Erst wurde sie positiv getestet, wenig später negativ - doch Rahel Pfyls Mallorcaferien mit der Tochter (2) und ihrem Partner fielen ins Wasser. Erst als sie sich wehrte, zeigten sich die Behörden kulant.

von
Céline Krapf
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Quarantäne statt Ferien: Rahel Pfyl liess sich kurz vor Abreise testen..

Quarantäne statt Ferien: Rahel Pfyl liess sich kurz vor Abreise testen..

Unsplash
…der Spucktest zeigte ein Positivresultat an.

…der Spucktest zeigte ein Positivresultat an.

20min/Matthias Spicher
Deshalb konnte sie nicht nach Mallorca.

Deshalb konnte sie nicht nach Mallorca.

Unsplash

Darum gehts

  • Familie Pfyl wollte nach Mallorca in die Ferien, deshalb machte das Paar im Vorfeld einen Coronatest.

  • Das Resultat von Rahel Pfyl fiel jedoch positiv aus – der Familie wurde Isolation und Quarantäne verordnet.

  • Ein zweiter Test zeigte ein negatives Resultat – trotzdem wurden sie nicht aus der Isolation befreit.

  • Erst am Dienstagmorgen lenkten die Behörden ein.

Fast hätte sie ihre Ferien in der Isolation statt auf Mallorca verbracht: Einen Tag vor der Abreise in den Urlaub macht Rahel Pfyl und ihr Partner am vergangenen Freitag den vorgeschriebenen PCR-Speicheltest. Der Partner ist negativ - doch ihr Test fällt positiv aus. Die Berner Familie inklusive der zweijährigen Tochter müssen in Quarantäne. «Ich konnte dem Testresultat nicht glauben», sagt Pfyl. Sie und ihre Familie seien immer sehr vorsichtig gewesen – erst recht in den letzten Tagen vor den Ferien. So liess sie sich am Samstag erneut testen – nun ergab der Test ein negatives Ergebnis.

Doch zu spät: Die Familie verpasst den Flug nach Mallorca am Samstagabend. «Übers Wochenende war es sehr schwierig, jemanden zu erreichen», sagt Pfyl. Doch sie bleibt beharrlich, telefoniert unablässig mit den Behörden – bis am Montag die Polizei vor der Türe steht: «Sie wollten überprüfen, ob wir wirklich zuhause sind», sagt die Bernerin. Die Beamten händigen ihr eine Verfügung aus. Am gleichen Abend erhält Rahel Pfyl dann die Resultate ihres Bluttests: Negativ. Doch auch dies ändert erstmal nichts an der Quarantänepflicht.

«Jeder kann sich so oft testen lassen, bis er das erwünschte Resultat erhält»

«In den meisten Fällen werden keine zweite PCRs gemacht und nur verhältnismässig wenige Personen beklagen sich über die Isolationsmassnahmen», schreibt Gundekar Giebel, der Kommunikationsleiter der Berner Gesundheitsdirektion. Grundsätzlich gelte der erste Test – nur auf Anordnung des Kantonsärztlichen Dienstes sollten Bestätigungs- oder Wiederholungstests durchgeführt werden. Es sei deshalb auch selten der Fall, dass ein Test mit einem neuen Testresultat widerlegt werde. Ob eine Person in Isolation müsse, komme auf den Test an, ob eine Person Symptome habe oder nicht und ob in ihrem Umfeld andere positive Fälle bekannt seien – der kantonsärztliche Dienst könne in seltenen Fällen Ausnahmen machen.

Einen Schadensersatz gebe es für Rahel Pfyl nicht: «Wenn eine Person auf eigenes Gutdünken sich wiederholt testen lässt, wenn möglich verschiedene Tests an verschiedenen Orten, dann trägt sie nicht zur Klärung der Situation bei», schreibt Giebel. «Jeder kann sich so oft testen lassen bis er das erwünschte Resultat erhält, denn irgendwann wird man immer ein negatives Resultat erhalten.» Die Situationen müssten sehr sorgfältig durch den Kantonsärztlichen Dienst geprüft werden – nicht durch die betroffenen Personen selber.

Die Ferien sind verschoben – auf unbestimmt

Im Bedarfsfall käme es zu Einsätzen der Kantonspolizei, wenn dem Kantonsärztlichen Dienst bekannt werde, dass eine Person sich nicht an die Isolation halte oder dem Contact Tracer kommuniziert habe, dass sie sich nicht daran halten werde. Die Kantonspolizei könne sich zu Einzelfällen nicht äussern und führt auch keine Statistik zu solchen Einsätzen, sagt Isabelle Wüthrich, Mediensprecherin der Kantonspolizei Bern. «Im Auftrag des Kantons können wir im Rahmen einer Hilfeleistung eingesetzt werden, etwa wenn es Anhaltspunkte gibt, dass die Quarantänepflicht nicht eingehalten wird.» Es handle sich um seltene Einsätze, sagt Wüthrich.

Rahel Pfyl und ihre Familie wurden am Dienstagmorgen von der Isolation erlöst – doch es ist ein kleiner Trost: Die Ferien seien auf unbestimmte Zeit verschoben. «Ich bin enorm enttäuscht vom Contact Tracing», sagt Pfyl zu 20 Minuten. Einzig die Vertretung der Kantonsärztin sei kompetent und hilfsbereit gewesen. «Wir haben uns so auf diese Ferien gefreut!»

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