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Familie Koch auf der Flucht«Wir wurden sogar bedroht»

Dass deutsche Medien deutlich aggressiver sind als Schweizer, ist bekannt. Wie weit sie aber im Fall Koch gehen, schildert der Klinik-CEO.

von
Felix Burch
«Es wurden sogar Mitarbeiter bedroht»: Beat Villiger vom Paraplegiker-Zentrums in Nottwil musste nach der Verlegung von Samuel Koch in die Schweiz sogar einen Sicherheitsdienst aufbieten. (Bild: Keystone)

«Es wurden sogar Mitarbeiter bedroht»: Beat Villiger vom Paraplegiker-Zentrums in Nottwil musste nach der Verlegung von Samuel Koch in die Schweiz sogar einen Sicherheitsdienst aufbieten. (Bild: Keystone)

Seit Samuel Koch in der Spezialklinik in Nottwil betreut wird, herrscht dort Ausnahmezustand. Und obwohl dort schon öfter Prominente behandelt wurden - so etwa bekannte Spitzensportler - übersteigt der aktuelle Rummel «alles, was ich bisher erlebt habe», wie CEO Beat Villiger gegenüber 20 Minuten Online sagt.

«Die Intensivstation muss bewacht werden»

Nachdem bekannt wurde, dass Koch nach Nottwil verlegt wird, seien nur wenige Stunden vergangen, bis das erste deutsche TV-Team vor der Klinik aufgefahren sei. «Seither werden es immer mehr», so Villiger. Die Medienarbeit sei sehr anspruchsvoll. Nicht nur klingle das Telefon permanent, es sei die Art und Weise, die für Schweizer Verhältnisse ungewöhnlich sei: «Die deutschen Medien sind aggressiver als die Einheimischen», sagt Villiger. Es seien gar Mitarbeiter bedroht worden.

Das Schweizer Paraplegiker-Zentrum musste einen Sicherheitsdienst aufbieten. Weil man habe annehmen müssen, dass sich bereits Journalisten in der Klinik aufgehalten hatten, habe man als Erstes Sicherheitsleute rund um die Intensivstation postiert, so Villiger. «Es müssen Mitarbeiter aus dem Haus sein, die die Angestellten kennen. Dies, weil die Gefahr besteht, dass sonst verkleidete Journalisten in die Intensivstation gelangen könnten.»

Drei Mal umgesiedelt

Weiter müsse die Familie von Koch, die zur Zeit ebenfalls in der Schweiz weilt, geschützt werden. «Wir mussten sie bereits dreimal umplatzieren», sagt Villiger. Zum Schluss betont er, dass er der Schweizer Presse ein Kompliment machen müsse: In seiner langen Karriere sei es ganz selten vorgekommen, dass sie ethische Grenzen überschritten hätte.

Beat Villiger im Interview:

(Video: Keystone)

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