Roche-Turm in Basel: «Wir wurden von Roche überrascht»
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Roche-Turm in Basel«Wir wurden von Roche überrascht»

Roche verzichtet auf den geplanten 154-Meter- Büroturm von Herzog & de Meuron in Basel. Das Gebäude, das das höchste Hochhaus der Schweiz geworden wäre, erfülle nicht alle Bedürfnisse des Konzerns. Die beiden Star-Architekten sind vom Entscheid überrascht worden.

Nach Angaben der Medienverantwortlichen von Herzog & de Meuron, Esther Zumsteg, ist der Entscheid von Roche für die beiden verantwortlichen Architekten alles andere als erwartet gekommen: «Wir wurden vom Entscheid überrascht.» Man sei natürlich nicht begeistert. «Wir müssen den Entscheid aber akzeptieren», so Zumsteg. Die beiden Star-Architekten standen für ein Interview nicht zur Verfügung. Gemäss Zumsteg könne man im Moment nicht mehr sagen, als in der Medienmitteilung der Roche stehe.

Das Pharmaunternehmen hatte am Montag mitgeteilt, man habe «entschieden, aus technischen Gründen auf die Realisierung des Bürohochhauses in der ursprünglich vorgesehenen Form zu verzichten». Im Verlauf der Projektierungsphase habe sich gezeigt, dass der Bau «trotz hoher Investitionen wesentliche funktionale Bedürfnisse von Roche nicht erfüllen kann».

Kein leichter Entscheid

So hätte laut Roche beispielsweise auf die Realisierung eines 500-plätzigen Auditoriums verzichtet werden müssen, ebenso auf mehrere zentrale Sitzungszimmer. Sehr aufwendig geworden wäre auch das Unterhalts- und Betriebskonzept für die Konstruktion des Baus, der in Basel schon als künftiges Wahrzeichen bezeichnet worden war.

«Dieser Entscheid ist uns nicht leicht gefallen», wird Roche- Verwaltungsratspräsident Franz B. Humer in der Mitteilung zitiert. Das ändere aber «nichts daran, dass die professionelle Entwicklungsarbeit aller, die an der Planung des Gebäudes beteiligt waren, grosse Anerkennung verdient».

Technisch machbar gewesen wäre das Projekt. Dass es nicht alle Ansprüche erfüllen kann, zeigte sich gemäss Roche-CEO Severin Schwan dann bei der Auseinandersetzung damit. Angesichts der Dimension des Turms hatte Roche die Öffentlichkeit allerdings schon früh, im Herbst 2006, über den Bau informiert.

Alternativprojekt geplant

Roche will nun ein Alternativprojekt vorbereiten. Das Unternehmen halte daran fest, in Basel die über 1700 Arbeitsplätze ausserhalb des Areals am Hauptsitz zusammenzuführen. Ziel bleibe auch, das architektonische Erbe in Basel fortzuführen; auf dem Areal stehen etliche Bauten renommierter Architekten.

Der Konzern ist zuversichtlich, auch mit dem Alternativprojekt den bisherigen Zeitplan einhalten zu können. Der Büroturm von Herzog & de Meuron hätte bis 2012 fertiggestellt werden sollen; die Baueingabe war für das zweite Quartal 2009 vorgesehen. Die Kosten waren mit 550 Mio. Fr. veranschlagt.

Zum Alternativprojekt gab Roche keine Einzelheiten bekannt. Auch zur Frage, ob erneut ein Turm geplant wird, machte eine Sprecherin auf Anfrage keine genauen Angaben. Sie verwies aber darauf, dass die vorhandene Bodenfläche am Hauptsitz beschränkt sei; das Basler Roche-Areal sei überbaut. Nach Angaben der Medienverantwortlichen von Herzog & de Meuron, Esther Zumsteg, bleibe man mit Roche im Gespräch. «Wir werden bei der Entwicklung des Alternativprojektes weiter mit dem Konzern zusammenarbeiten», so Zumsteg.

Gründe «rein praktisch»

Laut Informationen der Roche sollen die bisherigen Erfahrungen und ein Teil der Kosten zudem ins Alternativprojekt übergehen. Der jetzige Verzichtsentscheid habe jedoch nichts mit der Finanzlage zu tun, betonte die Sprecherin: Vielmehr seien die Gründe «rein technisch und praktisch».

Der Hochhausentwurf von Herzog & de Meuron sah einen spiralförmigen Turm, ähnlich einer Doppel-Helix, vor. Geplant waren 42 Etagen und Platz für rund 2400 Arbeitsplätze. Errichtet werden sollen hätte der Turm an Stelle eines 80 Jahre alten Baus am Rhein.

Die Hiobsbotschaft aus Basel dürfte in Zürich für Freude sorgen. Dort wurde vor wenigen Tagen der Grundstein für den Prime Tower gelegt (20 Minuten Online berichete). Wenn der Bau planmässig voranschreitet, dürfte das Hochhaus bei seiner Einweihung im Jahr 2011 mit 126 Metern das grösste Gebäude der Schweiz sein. Und es auf absehbare Zeit auch bleiben, nun, da die Pläne für den Basler 154-Meter-Turm Makulatur sind.

(SDA/jcg/amc)

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