Sarganserland: «Wir wussten genau, wo wir läuten müssen»
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Sarganserland«Wir wussten genau, wo wir läuten müssen»

Ein Armeepilot wurde kürzlich durch einen Laserstrahl geblendet. Der Täter konnte schnell ausfindig gemacht werden. Er wurde angezeigt. Mehrere Straftatbestände stehen im Raum.

von
Tabea Waser
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Am Mittwoch (17.02.2021), gegen 19 Uhr, ist ein Helikopterpilot der Schweizer Armee auf einem Übungsflug von einem Laserstrahl geblendet worden.

Am Mittwoch (17.02.2021), gegen 19 Uhr, ist ein Helikopterpilot der Schweizer Armee auf einem Übungsflug von einem Laserstrahl geblendet worden.

Kapo SG
Der Tatverdächtige konnte eruiert und ein Laserpointer sichergestellt werden. Der Mann wird bei der Staatsanwaltschaft des Kantons St. Gallen zur Anzeige gebracht.

Der Tatverdächtige konnte eruiert und ein Laserpointer sichergestellt werden. Der Mann wird bei der Staatsanwaltschaft des Kantons St. Gallen zur Anzeige gebracht.

Schweizer Armee
In der Region Chur GR störten sich kürzlich einige Anwohner an Fluglärm in der Nacht.

In der Region Chur GR störten sich kürzlich einige Anwohner an Fluglärm in der Nacht.

VBS/DDPS (André Scheidegger)

Darum gehts

  • Ein Pilot der Armee wurde kürzlich bei einem Übungsflug mit einem Laserpointer geblendet.

  • Der Laserpointer war nicht klassifiziert.

  • Der Täter konnte eruiert werden.

  • Laut Kapo SG wissen die Verursacher meist nicht, welchen Schaden sie anrichten.

  • Die Armee hat kein Verständnis für solche Aktionen.

Anlässlich eines Übungsfluges überflog der mit sieben Personen besetzte Militärhelikopter (Superpuma) vergangenen Mittwoch gegen 19 Uhr das Gebiet Sarganserland auf einer Höhe von über 2000 Metern. Dabei wurden der Pilot und sein Copilot plötzlich für mehrere Minuten von einem Laserstrahl geblendet. Laut Marina Menzi, Sprecherin der Kantonspolizei St. Gallen, gaben die Piloten an, für etwa zwei Minuten geblendet worden zu sein. Da sich der Helikopter in Bewegung befand, wurden sie wohl nicht durchgängig geblendet. Die Polizei konnte dazu keine näheren Angaben machen.

Die Piloten informierten umgehend die Kantonspolizei St. Gallen. «Anhand ihrer Angaben konnten wir sehr genau eingrenzen, woher der Strahl kam», so Menzi. Man habe gewusst, an welcher Türe man läuten müsse. Und so konnte im Zuge polizeilicher Ermittlungen, rund eineinhalb Stunden später, ein 35-jähriger Mann aus dem Sarganserland als Tatverdächtiger ausgemacht werden. Bei ihm wurde ein nicht klassifizierter Laserpointer sichergestellt.

Und das Strafmass?

Der Mann zeigte sich geständig und muss sich nun vor der Staatsanwaltschaft des Kantons St. Gallen verantworten. Laut Menzi könnten hier gleich mehrere Straftatbestände zur Anwendung kommen. Zum einen etwa versuchte schwere Körperverletzung (vgl. Art. 122 StGB und Art. 22 StGB). Bei schwerer Körperverletzung reicht das Strafmass von sechs Monaten bis zu zehn Jahren Freiheitsstrafe. Da es sich hier nur um den Versuch handelt und nicht die Vollendung, wirkt sich das strafmildernd aus.

Auch nur schon der unerlaubte Besitz des nicht klassifizierten Laserpointers (ohne das Blenden) habe eine Anzeige zur Folge. Und schliesslich könnte laut Menzi auch eine Störung des öffentlichen Verkehrs bzw. Luftverkehrs geltend gemacht werden. Darüber welche Straftatbestände genau zur Anwendung kommen und das tatsächliche Strafmass, entscheidet schliesslich die Staatsanwaltschaft.

Die beiden Piloten sowie die Besatzung des Helikopters blieben unverletzt und konnten den Superpuma sicher landen.

Sabotage gegen die Armee?

Erst kürzlich gab es erneut Kritik an Nachtflugtrainings der Schweizer Armee. «Das ist doch nicht normal. Kostspielig und total unökologisch», beschwerte sich ein News-Scout aus Laax GR bei 20 Minuten. In letzter Zeit (Anfang Februar 2021) seien in der Umgebung von Chur GR vermehrt Nachtflugübungen durchgeführt worden. «Die Kinder weinen, weil sie bei diesem Lärm nicht schlafen können», so die Anwohnerin. Es sei sehr lästig und sehr lärmig. «Bei den gemeldeten Vorfällen handelt es sich um Nachtflugtrainings des Flugplatz Emmen LU», sagte Armeesprecher Stefan Hofer damals auf Anfrage. Dabei seien mehrere PC-21 Propellerflugzeuge über Chur geflogen, als sie auf dem Weg zum Trainingsort waren.

Dass Personen mit Laserpointer-Aktionen gezielt ein Zeichen gegen diesen Fluglärm der Luftwaffe setzen wollen, glaubt Armeesprecher Daniel Reist indes nicht: «Die Tendenz solcher Blendungen ist steigend und es trifft diverse Branchen, Rega, Tramfahrer, sogar zivile Piloten.» Zudem seien Sabotageakte gegen die Armee selten. Es komme vor, dass Fahrzeuge zerkratzt werden, aber auch das sei eher eine Seltenheit.

Darüber, wie oft Piloten durch Laserpointer geblendet werden, führe die Armee keine Statistik. Man habe aber überhaupt kein Verständnis dafür. «Solche Aktionen können dramatische Konsequenzen haben. Die Blendungen könnten zu einem Unfall führen oder beim Piloten permanente Schäden verursachen», so Reist. Momentan gebe es auch keine entsprechende Schutzvorrichtung, wie etwa Helme mit speziellem Visier, die gegen starke Laserstrahlen schützen würden.

Trampilot geblendet

Auch gemäss Kantonspolizei St. Gallen kommt es immer wieder zu Vorfällen, bei denen Piloten von Fluggeräten oder Chauffeure des öffentlichen Verkehrs mit solchen Laserpointern geblendet werden. Dieses Verhalten sei nicht nur strafbar, sondern auch äusserst gefährlich. Das Auftreffen eines Laserstrahls auf dem Auge könne bei den Betroffenen schwere Verletzungen hervorrufen und insbesondere zu Unfällen führen. Laut Polizeisprecherin Menzi ist dies vielen Personen gar nicht so bewusst. Erst wenn die Polizei darauf hinweise, was die Laser anrichten können, folge die Erkenntnis. Oft seien solche Attacken deshalb eher Streiche, als mit der Absicht verbunden, grossen Schaden anrichten zu wollen.

Erst kürzlich wurde in Zürich bei der Haltestelle Frankental ein Trampilot geblendet. Ein Tram der Linie 13 stand in der Nacht auf vergangenen Dienstag (16. Februar 2021) um etwa 0.45 Uhr an der VBZ-Haltestelle. Dabei wurde der Trampilot von einem grünen Laserstrahl aus einem Fenster eines nahegelegenen Gebäudes geblendet. Dem 35-jährigen Chauffeur gelang es zu erkennen, woher die Laserblendung kam. Er alarmierte die Polizei, die an den Tatort ausrückte. Die Polizisten trafen in der betreffenden Wohnung auf einen Jugendlichen. In seinem Zimmer konnte ein Laserpointer der Klasse 3 sichergestellt werden. Der Trampilot begab sich für medizinische Abklärungen ins Spital. Es laufen Ermittlungen.

Diese Laser sind verboten

Per 1. Juni 2019 ist das Bundesgesetz über den Schutz vor Gefährdungen durch nichtionisierende Strahlung und Schall (NISSG) in Kraft getreten. Mit dem Inkrafttreten der neuen Bestimmungen ist die Verwendung von Laserpointer, die nicht der Laserklasse 1 zugeordnet werden können, verboten. Es gilt eine Übergangsfrist für den Besitz von Laser der Klasse 1M, 2M, 3R, 3B oder 4 sowie nicht gekennzeichneten Laserpointer bis zum 1. Juni 2020.

Laserpointer der Klasse 2 müssen bis spätestens 1. Juni 2021 entsorgt werden.

Weiter Infos dazu gibt es auf der Website des Bundesamts für Gesundheit (BAG).

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