Aktualisiert 14.03.2013 16:15

Swiss-CEO«Wir zahlen die Flieger nicht aus der Portokasse»

Die Swiss kauft sechs neue Boeing-777. CEO Harry Hohmeister erklärt, was die Triple-7 kann und wie die Swiss sich das – trotz Sparprogramm – leisten kann.

von
Sabina Sturzenegger

Herr Hohmeister, Sie sind sichtlich stolz auf die neuen Flugzeuge. Die Swiss verdient weniger als sie sollte – wie können Sie die 1,5 Milliarden Franken finanzieren?

Harry Hohmeister: Ja, wir sind stolz. Und ja, wir haben das Geld nicht in der Portokasse. Wir müssen uns das erarbeiten. Aber wir haben die Finanzierung über die Lufthansa gesichert.

Dann zahlt der Mutterkonzern?

Die Firma Swiss finanziert die Flugzeuge selber aus ihren Gewinnen. Aber es ist klar, dass der Einkauf und die Finanzierung im Verbund mit dem Mutterkonzern Lufthansa sichergestellt werden.

Warum leasen Sie die Flieger nicht?

Leasing ist nur in drei Fällen gut: Wenn man als Airline nicht genügend Geld hat, wenn man ganz kurzfristig Flugzeuge braucht und wenn man unsicher ist, ob man die Abschreibungskosten tragen kann. Die Swiss hat diese Option geprüft, sie aber verworfen. Ein Kauf ist in unserem Fall besser.

Wie werden die Flugzeuge von der Innenausstattung her aussehen?

Es wird viel mehr Raum geben und damit ganz andere Möglichkeiten. Sie werden über 330 statt wie beim A340-300 nur 219 Sitzplätze haben. Details zur Kabinenausstattung werden wir aber so spät wie möglich festlegen, damit wir das Modernste an Bord haben.

Wer fliegt sonst noch mit dem «Triple 7»?

Im Lufthansakonzern die Austrian Airlines und bald auch Lufthansa Cargo. So gesehen ist es für uns kein unbekanntes Flugzeug. Aber auch Konkurrenten wie Air France, British Airways, Alitalia oder Delta fliegen die «Triple 7». Weltweit sind es insgesamt 66 Fluggesellschaften, die Boeing 777 fliegen.

Die Swiss müsse jetzt wieder mehr Geld verdienen, um die 777 zu fliegen, sagten Sie. Wie wollen Sie das anstellen?

In der Tat wollen wir wieder mehr Geld verdienen. Wir werden zwischen 2009 und 2019 5,5 Milliarden Franken in die Flotte investieren. Dazu müssen wir sparen und effizienter werden. 2012 haben wir bei Swiss über 128 interne Projekte festgelegt, die im Rahmen des SCORE-Programms des gesamten Konzerns umgesetzt werden sollen.

Wie sieht es bei den Erträgen aus?

Wir wollen die Ticketangebote verbessern, zusätzliche Services für die Kunden anbieten wie den Gepäckabholservice. Und wir wollen auch mehr Business-Class-Tickets verkaufen.

Der Flughafen Zürich sei zu teuer, sagen Sie. Wo liegt das Problem?

Die Gebührenpolitik der europäischen Flughäfen ist fragwürdig. Als Airline finanzieren wir nicht nur unsere Flugzeuge, sondern auch die Investitionen der Flughäfen. Das ist nicht sinnvoll. Hier ist die Politik gefordert. Wir wollen eine Antwort darauf, wer die Infrastruktur der Flughäfen künftig bezahlt.

Was können Sie tun?

Wir setzen uns an einen Tisch mit den Verantwortlichen des Flughafens Zürich und versuchen, auf die Gebührenpolitik einzuwirken.

Wird Ihnen das gelingen?

Wir sind zuversichtlich, dass man eine vernünftige Basis für die Zukunft findet.

Welche Konkurrenz macht Ihnen am meisten zu schaffen, die Billigflieger auf den Kurzstrecken oder die Carrier aus dem Mittleren Osten?

Beide. Bei den Low-Cost-Carriers ist es so, dass sie stark von der Regionalpolitik subventioniert werden. Wenn Ryanair nach Charleroi fliegt, kassiert sie ja noch Geld dafür! Die Carrier aus dem Mittleren Osten müssen bei den Infrastrukturkosten rund 80 Prozent weniger einrechnen als wir. Und es kommen ja noch unzählige andere Fluggesellschaften hinzu, die uns konkurrenzieren.

Auch der Sprit ist für die Fluggesellschaften aus dem Mittleren Osten bedeutend billiger. Die sitzen ja quasi an der Quelle…

Ja, aber dagegen tun wir etwas. Wir kaufen neue Flugzeuge, die mehr Passagiere transportieren können und dabei pro Sitzplatz und Passagier weniger Treibstoff verbrauchen und weniger CO2 ausstossen.

Womit wir wieder beim «Triple 7» wären. Sind Sie schon damit geflogen?

Ja natürlich, das Flugzeug ist ja bei verschiedenen Airlines im Einsatz.

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