In Kreuzlingen feiern deutsche Schüler, weil die Schweiz laschere Massnahmen hat
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Kreuzlingen TG«Wir zahlen Steuern, damit wir den Dreck von anderen wegräumen»

Da in der Schweiz weniger strenge Massnahmen gelten, kommen viele deutsche Schüler nach Kreuzlingen, um draussen feiern zu können. Anwohner fordern die Stadt zum Handeln auf.

von
Alexandra Maria-Victoria Andrist
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Am frühen Morgen des 20. Mai geht ein Anwohner aus Kreuzlingen mit seinem Hund am See entlang und dokumentiert das Chaos, das die Partygänger in der Nacht zuvor hinterlassen haben. Plastiktüten, Essensbehälter und Bierflaschen liegen überall im Seeburgpark.

Am frühen Morgen des 20. Mai geht ein Anwohner aus Kreuzlingen mit seinem Hund am See entlang und dokumentiert das Chaos, das die Partygänger in der Nacht zuvor hinterlassen haben. Plastiktüten, Essensbehälter und Bierflaschen liegen überall im Seeburgpark.

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Die Anwohner fühlen sich nicht sicher, wenn sie nachts durch den Park gehen und befürchten von den Jugendlichen belästigt zu werden.

Die Anwohner fühlen sich nicht sicher, wenn sie nachts durch den Park gehen und befürchten von den Jugendlichen belästigt zu werden.

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«Ich wurde selbst verbal angegriffen», sagt ein Kreuzlinger zu 20 Minuten. 

«Ich wurde selbst verbal angegriffen», sagt ein Kreuzlinger zu 20 Minuten.

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Darum gehts

  • Kreuzlingen kämpft mit einem Littering-Problem.

  • Wegen stärkeren Corona-Massnahmen in Deutschland kommen deutsche Jugendliche über die Grenze, um in der Schweiz ihr Abitur zu feiern.

  • Anwohner sind verärgert über den Abfall im Seeburgerpark.

  • Die Stadt verteidigt ihr Vorgehen, kündigt für den Sommer aber Verbesserungen an.

Die Jugend will in diesen Tagen ihren Schulabschluss feiern. Da in deutschen Regionen wie Konstanz noch stärkere Corona-Beschränkungen gelten als in der Schweiz, feiern viele deutsche Jugendliche ihren Abschluss in Kreuzlingen, Schreibt das «St. Galler Tagblatt» (Bezahlartikel).

Laut Claudia Brunner, Mediensprecherin der Kantonspolizei Thurgau, waren nicht nur deutsche Jugendliche, sondern auch junge Schweizerinnen und Schweizer im Kreuzlinger Seeburgpark versammelt. Rund 100 Jugendliche versammelten sich im Seeburgpark. «Warum die Jugendlichen dort waren, ist uns nicht bekannt», sagt Brunner. Die Polizei konnte mit den Jugendlichen in Dialog treten. Die Anwesenden wurden auf die Corona-Massnahmen aufmerksam gemacht und aufgefordert, die Nachtruhe einzuhalten und ihren Abfall zu entsorgen.

«Ich wurde verbal angegriffen»

Während sich die Polizei positiv über die Begegnung äusserte, sehen das einige Kreuzlinger anders. Ein 36-jähriger Anwohner aus Kreuzlingen geht frühmorgens mit seinem Hund spazieren, bevor die Reinigungskräfte in den Park kommen. Er sagt, eine seiner grössten Sorgen seien die Glasscherben von Alkoholflaschen und Strassenlampen, die von den Feiernden zerbrochen wurden. Die Leute würden sich nicht sicher fühlen, wenn sie am See spazieren gehen. Dies aus Angst, belästigt zu werden. «Ich wurde selbst schon verbal angegriffen» sagt er zu 20 Minuten.

Der Anwohner aus Kreuzlingen erzählt, dass an einem vergangenen Wochenende ein Sicherheitsdienst gerufen wurde, der die Polizei anrief. Nur zwei Polizisten seien erschienen, um die Jugendlichen am See zu kontrollieren. Da stimme etwas nicht, findet der Anwohner. «Wir zahlen Steuern, damit wir den Dreck von anderen wegräumen.»

«Das ist schlechte Werbung für Kreuzlingen»

Auch auf Facebook sind die Bewohner von Kreuzlingen verärgert, dass deutsche Jugendliche in der Schweiz feiern. «Müll einsammeln und über die Grenze werfen zum Entsorgen» sagt ein User auf Facebook. «Das ist doch kein Problem für die Verursacher. Sie wissen doch genau, dass es sanktionsfrei bleibt», schreibt ein Anderer. Eine Mutter fürchtet sich um die Gesundheit ihrer Tochter: «Ich möchte mit meiner Tochter unbesorgt und barfuss im Park spielen können. Ausserdem leiden auch die Tiere!», schreibt sie.

Auf den Bildern sieht man den Zustand, in dem der Seeburgpark nach der Abreise der Jugendlichen hinterlassen wurde. Plastikmüll und Essensreste liegen auf einem Picknicktisch, daneben liegen deutsche Bierharassen auf dem Boden. Ein blaues Sofa wurde von den Jugendlichen hingetragen und stehengelassen. «Die Arbeiter der Stadt mussten es schliesslich wegtragen», so der Anwohner. Am Mittwoch seien wieder ungefähr 200 Jugendliche am See gewesen. «Das ist schlechte Werbung für Kreuzlingen», findet der 36-Jährige.

Die Stadt verteidigt ihr Vorgehen

Die Stadt verteidigt auf Anfrage ihr Vorgehen. «Unsere Strategie besteht im Fall von Partys und Littering in der Deeskalation: «Wir suchen das Gespräch, und verteilen Abfallsäcke. Damit haben wir gute Erfahrungen gemacht», schreibt Caroline Leuch, Kommunikationsleiterin der Stadt Kreuzlingen.

Auf den Sommer hin werde man die Arbeit rund um den Park intensivieren. «Diesen Sommer werden wir wieder die IGSU-Botschafter im Seeburgpark einsetzen. Die Botschafter sensibilisieren die Bevölkerung zum Thema Littering und animieren zum korrekten Entsorgen und Recyceln», heisst es weiter. Zudem werden zusätzliche Abfallkübel aufgestellt und die Kadenz der Leerungen erhöht.

Das Thema Littering, sei nicht nur in Kreuzlingen ein Problem. «Littering ist ein Problem, dass sich erstens nicht allein auf Kreuzlingen bezieht und zweitens mit Corona verschärft wurde», schreibt Leuch. Die Stadt Kreuzlingen gehe es pragmatisch und direkt an. «Dabei dürfen wir nebst der City Watch Security auch auf die Unterstützung und gute Zusammenarbeit mit der Kantonspolizei Thurgau und der Grenzwache zählen.»

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Hier findest du Hilfe:

BAG-Infoline Coronavirus, Tel. 058 463 00 00

BAG-Infoline Covid-19-Impfung, Tel. 058 377 88 92

Dureschnufe.ch, Plattform für psychische Gesundheit rund um Corona

Safezone.ch, anonyme Onlineberatung bei Suchtfragen

Branchenhilfe.ch, Ratgeber für betroffene Wirtschaftszweige

Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147

Dargebotene Hand, Sorgen-Hotline, Tel. 143

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