Weltbank-Ranking: Wir zahlen zu viel und verdienen zu wenig
Aktualisiert

Weltbank-RankingWir zahlen zu viel und verdienen zu wenig

Laut einem Ranking der Weltbank ist die Schweiz die teuerste Volkswirtschaft der Welt. Unsere Kaufkraft lässt der Studie zufolge aber zu wünschen übrig.

von
Yves Hollenstein
Teure Schweiz: Ein Blick in ein Schmuck-Schaufenster an der Zürcher Bahnhofstrasse.

Teure Schweiz: Ein Blick in ein Schmuck-Schaufenster an der Zürcher Bahnhofstrasse.

Die Schweiz ist das teuerste Land der Welt. Selbst in Norwegen (Rang 2), der Steueroase Bermuda (3) sowie Australien (4) ist das Preisniveau niedriger als hierzulande. Dies zeigt eine neue Rangliste der Weltbank.

Im über 100-seitigen Bericht nahm die Weltbank in Washington verschiedene ökonomische Indikatoren in fast 200 Ländern weltweit unter die Lupe. Sie verglich dabei alle produzierten Güter und Dienstleistungen in US-Dollar.

Für die Schweiz kamen die Weltbank-Ökonomen dabei auf einen Indexwert von fast 210. Damit sind die Schweizer Preise mehr als doppelt so hoch – der Durchschnitt aller untersuchten Länder liegt bei 100. Die USA nehmen in diesem Ranking überraschenderweise nur den 25. Rang ein und liegen damit noch hinter Deutschland, Frankreich und England.

Schwer vergleichbar

Vergleicht man jedoch die Einkommen pro Kopf, verliert die Schweiz ihren Spitzenplatz. In dieser Rangliste nimmt sie den zehnten Platz ein. Gemäss der Studie verdienen Herr und Frau Schweizer 50'000 Dollar im Jahr. Beim Spitzenreiter Katar sind es aber rund 150'000 Dollar bei viel geringerem Preisniveau. Heisst das, wir zahlen zu viel, verdienen aber zu wenig?

Dass Länder wie Katar, die chinesische Sonderverwaltungszone Macao oder Luxemburg im Einkommensvergleich vor der Schweiz rangieren, kommt für den Volkswirtschaftsprofessor Christian Keuschnigg von der Universität St. Gallen überraschend. Er findet es jedoch schwierig, solche Staaten mit einem Land wie der Schweiz zu vergleichen.

«Katar hatte einfach Glück und ist durch seine Ölreserven reich geworden. Und Luxemburg ist eigentlich mehr eine Stadt, bestehend aus einem teuren Finanzplatz», sagt Keuschnigg. Die Schweiz hingegen habe sich das alles durch Investitionen und Innovationen selber erwirtschaftet. Luxemburg oder Katar müsste man also eher mit Zürich oder Genf vergleichen, so der Professor.

Schweiz als Innovationsstandort

Das erste Land auf der Rangliste, das laut Keuschnigg wirklich mit der Schweiz vergleichbar sei, sei Norwegen auf Platz sieben. Die Norweger stehen mit tieferen Preisen und leicht höheren Löhnen etwas besser da als die Schweiz. Doch auch Norwegen profitiert von riesigen Ölgewinnen.

«Das grosse Plus für die Schweiz ist ihre hochproduktive und innovative Wirtschaft, geprägt durch multinationale Konzerne. Diese zahlen auch hohe Löhne», sagt der Volkswirtschaftsprofessor. In diesem Bereich sei die Schweiz einsame Spitze – auch wenn das hohe Preisniveau wieder einen Teil des Real-Einkommens wegfresse.

China überholt USA deutlich schneller als erwartet

China könnte die USA deutlich schneller als weltweit führende Volkswirtschaft verdrängen als bisher von Ökonomen erwartet. Zu diesem Ergebnis kommt eine in Washington veröffentlichte Studie im Auftrag der Weltbank. Die Forscher legen nicht das absolute Bruttoinlandprodukt BIP zugrunde, sondern die als aussagekräftiger geltende Wirtschaftsleistung unter Berücksichtigung der Kaufkraft. «Die USA sind weiterhin die weltgrösste Volkswirtschaft, doch China folgt dicht dahinter, wenn man die Kaufkraft berücksichtigt», heisst es in dem Weltbank-Bericht. Aus diesem Blickwinkel könnte China schon Ende 2014 die Weltspitze übernehmen. (sda)

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