Aktualisiert 02.11.2011 16:24

Hacker vs. Dealer

«Wir ziehen es vor, aufrecht zu sterben»

Das Hackernetzwerk Anonymous hat sich mit dem mexikanischen Verbrecherkartell «Los Zetas» angelegt und dann einen Rückzieher gemacht. Jetzt haben sie ihren Kampf wieder aufgenommen.

von
mbu/sda

Nach der Entführung eines Mitglieds der Gruppe im Bundesstaat Veracruz hatten die Hacker dem Kartell bereits vor einigen Tagen gedroht (20 Minuten Online berichtete) und Los Zetas aufgefordert, ihren Mann wieder freizulassen. Sie würden unter anderem Namen von Politikern, Polizisten und Journalisten veröffentlichen, die mit der Drogenmafia in Verbindung stehen, wenn der Entführte bis zum 5. November nicht wieder in Freiheit sei.

Am Montag hatte Anonymous dann zunächst wegen des zu hohen Risikos einen Rückzieher gemacht und sich von der op Cartel (»Operation Kartell») distanziert. Doch viele Bürger hätten sie aufgefordert, nicht nachzulassen.

Kampf wieder aufgenommen

Deshalb solle die Operation fortgesetzt werden, hiess es in einem weiteren Schreiben der Gruppe, wie die Zeitschrift «Proceso» am Dienstagabend online berichtete. Anonymous habe dazu sogar eine spezielle Gruppe gebildet. In dem Schreiben wandte sich Anonymous direkt an die von Capo Heriberto Lascano «El Lasca» angeführte kriminelle Bande.

«Das alles ist jetzt global. Ihr könnt versuchen, die Anonymen in Mexiko, Mittelamerika und vielleicht auch in den USA aufzuhalten. Aber Ihr könnt Anonymous nicht als eine Weltidee, als einen globalen Geist stoppen, und Ihr könnt nicht auf ihn schiessen und ihn nicht in Säure auflösen», hiess es.

Und dann fordern die Hacker die «Los Zetas» mit einer Warnung heraus: «Beendet Euer Terrorregime. Wir wissen, dass wir unser Leben aufs Spiel setzen, aber wir ziehen einen aufrechten Tod einem Leben auf Knien vor.»

Über ihren Facebook-Account rät AnonMex ihren Sympathisanten zur Vorsicht. Sie sollen mit niemandem über Anonymous reden und keinesfalls an öffentlichen Demonstration mit ihrem Markenzeichen, der Guy-Fawkes-Maske, auftreten.

Aufforderung an Calderón

Die Drohung richtet sich auch gegen korrupte Politiker. Mitglieder der mexikanischen Regierung hätten sich offen mit kriminellen Gruppen verständigt, anstatt diese zu jagen.

Und von Präsident Felipe Calderón verlangen die unbekannten Verfasser der Schreiben: «Überdenken Sie Ihren Krieg gegen die Drogen und greifen Sie nicht die Symptome an, sondern die Ursachen.»

Im mexikanischen Drogenkrieg, in dem sich mehrere kriminelle Kartelle und die Sicherheitskräfte des Staates bekriegen, sind in den vergangenen fünf Jahren nach Zählungen von Medien und Menschenrechtsorganisationen bis zu 50 000 Menschen getötet worden.

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