Aktualisiert 13.06.2018 06:06

«Patschifig»«Wir Zürcher sind einfach etwas unentspannt»

Mit seinem Bündner-Hymne «Patschifig» begeistert Musiker Jonathan Schmidt die ganze Schweiz. Dabei ist er ein waschechter Zürcher.

von
Ladina Maissen

Die Liebeserklärung des Zürchers an die Bündner. (Video: Jonathan Schmidt)

«Nimms Patschifig» fordert Musiker Jonathan Schmidt in seinem neuesten Song alle Zuhörer auf. Der 33-jährige Zürcher hat seine Liebe zum Kanton Graubünden in einen Song verpackt und stösst damit seit fast zwei Wochen auf Begeisterung – sowohl bei den Bündnern als auch bei den Unterländern.

«Die Bündner wissen, wie man chillt»

Was «Patschifig» bedeutet, wusste Schmidt lange Zeit auch nicht. Doch er lernte es, als er rund zehn Jahre in der Bündner Herrschaft lebte: «Es ist einfach die Mentalität der Bündner, sie sind gemütlich und friedlich», sagt der 33-Jährige gegenüber 20 Minuten. Als der Künstler dann vor gut einem Jahr aus beruflichen Gründen wieder zurück in den Kanton Zürich zog, kam ihm die Idee zum Song.

«Ich wollte meinen Freunden in Graubünden ein Abschiedsgeschenk machen», sagt Schmidt. Dabei sei ihm vor allem eine Frage wichtig gewesen: «Was habe ich von den Bündnern gelernt?» Die Antwort darauf ist auch gleich die Message des Songs. Gemeint sei diese sowohl augenzwinkernd als auch ernst: «Heutzutage sind alle immer gestresst. Auch in Graubünden arbeitet man streng, aber niemand jammert dort», so der Musiker. Falls etwas nicht klappe, sei morgen ja auch noch ein Tag: «Die Bündner wissen einfach wie man chillt», sagt er. Die Zürcher hingegen seien allzu oft verbissen und unentspannt.

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«Patschifig» heisst der Titel des neuen Songs von Musiker Jonathan Schmidt.

«Patschifig» heisst der Titel des neuen Songs von Musiker Jonathan Schmidt.

Jonathan Schmidt
Darin singt der Zürcher über seine Verbundenheit zum Bündnerland.

Darin singt der Zürcher über seine Verbundenheit zum Bündnerland.

Jonathan Schmidt
Der 33-Jährige lebte rund zehn Jahre lang im Churer Rheintal und lernte dabei «patschifig» zu sein, was so viel wie gemütlich oder friedlich heisst.

Der 33-Jährige lebte rund zehn Jahre lang im Churer Rheintal und lernte dabei «patschifig» zu sein, was so viel wie gemütlich oder friedlich heisst.

Jonathan Schmidt

Zürcher singt bündnerisch

Um seine Hommage an Graubünden doppelt zu unterstreichen, nahm der Zürcher den Song im waschechten Churer Dialekt auf: «Ich versuchte es zumindest», sagt Schmidt lachend. Ein Freund aus Chur habe ihm Wort für Wort vorgekaut, dann habe er quasi alles auswendig gelernt. Aufgenommen wurde der Song dann mit zwei Musiker-Freunden in Valzeina im Arvenstübli.

Längst nicht alle Bündner haben gemerkt, dass Schmidt gar kein Original-Bergler ist: «Beim Quiz, das wir gemacht haben, tippten viele auf einen Bündner», sagt René Lenherr, Musikchef von Radio Südostschweiz. Der Song sei witzig. In der Rotation des Bündner Radios werde er zwar nicht laufen. «Aber man kann ihn wünschen», so Lenherr.

Nagel auf den Kopf getroffen

Die Rückmeldungen nach der Veröffentlichung vor rund zwei Wochen waren laut dem 33-Jährigen extrem positiv und überraschend. «Dass es einen solchen Hype gibt, war nicht geplant», sagt Schmidt. Viele Unterländer hätten ihm gesagt, er habe den Nagel auf den Kopf getroffen. Ein Bündner, der heute in Bangkok lebt, habe gar Heimweh bekommen: «Er schrieb mir, der Song habe ihn animiert, wieder einmal zurückzukommen», so Schmidt. Der Erfolg war so gross, dass er einen Wettbewerb für die Fans ins Leben rief: «Wer eine Steinbock-Mütze gewinnen will, kann online teilnehmen», so der Musiker.

Durch das durchwegs positive Feedback habe der Musiker einen Motivationsboost erhalten: «Es zeigt mir, dass meine Flausen im Kopf gut ankommen», so Schmidt. Worum es in seinem nächsten Song geht, wisse er noch nicht. Doch eines sei klar: «Für Blödsinn bin ich eigentlich immer zu haben.»

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