TCS zu ADAC-Skandal: «Wir zweifeln nicht an der Kompetenz des ADAC»
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TCS zu ADAC-Skandal«Wir zweifeln nicht an der Kompetenz des ADAC»

Der deutsche Automobil-Club hat Zahlen und Tests manipuliert. Der Schweizer TCS arbeitet eng mit dem ADAC zusammen. Für den Touring Club gibt es keinen Grund, das zu ändern.

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hal

Der Allgemeine Deutsche Automobil-Club (ADAC) steht im öffentlichen Kreuzfeuer: Europas grösster Autoclub musste zugeben, die Umfragezahlen zum Autopreis Gelber Engel – die Wahl zu Deutschlands beliebtestem Auto – frisiert zu haben. Die Empörung ist riesig, die Gerüchteküche brodelt und sogar die Staatsanwaltschaft München hat sich eingeschaltet.

19 Millionen Mitglieder hat der ADAC. Seinem Schweizer Pendant, dem Touring Club Schweiz (TCS), vertrauen 1,6 Millionen Personen. Regelmässig arbeiten die beiden Automobil-Clubs zusammen – unter anderem bei Pannenstatistiken und Reifentests. Trotz des Skandals wolle man diese Kooperation weiterführen, sagt TCS-Sprecher Stephan Müller im Interview. Es gebe keinen Grund, an der Professionalität des ADAC zu zweifeln.

Herr Müller, wie reagierten Sie, als Sie vom ADAC-Skandal hörten?

Stephan Müller: Der Vorfall im Zusammenhang mit der Wahl des Gelben Engels überrascht uns. Wir verfolgen diese Angelegenheit aufmerksam und warten auf die Resultate der von der Geschäftsleitung des ADAC anberaumten internen Untersuchung.

Der TCS arbeitet für verschiedene Tests mit dem ADAC zusammen. Können Sie die Hand ins Feuer legen, dass dabei alles mit rechten Dingen zu- und herging?

Wann immer wir einen Test mit einem europäischen Automobil-Club durchführen, ist der TCS mit seinen eigenen Experten präsent. Diese beteiligen sich aktiv an der Erarbeitung der Testmethodik und der Ausarbeitung des Massnahmenplans.

Wird der TCS weiter mit dem ADAC zusammenarbeiten?

Ja. Aufgrund unserer langjährigen Zusammenarbeit mit dem ADAC besteht für uns kein Anlass, seine Fachkompetenz und Professionalität infrage zu stellen.

Hunderte Mitglieder wollen aus dem ADAC austreten. Wird auch der TCS wegen des Skandals Mitglieder verlieren?

Ich denke nicht. Die Vorkommnisse betreffen den ADAC und die Kritik ist auch gegen diesen gerichtet. Der TCS ist nicht betroffen und das wissen auch unsere Mitglieder.

Der TCS macht auch eigene Autotests. Wie stellen Sie sicher, dass deren Resultate nicht manipuliert werden?

Unsere Fahrzeugtests werden in der Schweiz mit Fachexperten und Redaktoren des TCS durchgeführt. Unsere Tests basieren auf objektiven Kriterien – unter anderem Abgasmessungen, Bremsweg und Servicekosten – und subjektiven Kriterien wie dem Fahrverhalten auf der Strasse. Wir nehmen dabei für uns nie in Anspruch, die absolute Wahrheit zu kennen. Wir bezwecken mit diesen Tests, Stärken und Schwächen der von uns unter die Lupe genommenen Fahrzeuge aufzuzeigen.

Werden die Testanlagen extern überprüft?

Ja. Der TCS besitzt in Emmen – als einzige Organisation der Schweiz – eine von der Schweizerischen Akkreditierungsstelle SAS akkreditierte Prüfstelle für Motorfahrzeuge.

Im Automarkt werden Milliarden umgesetzt. Gab es schon Versuche der Autoindustrie, auf Ihre Tests Einfluss zu nehmen?

Nein. Der TCS ist eine unabhängige Konsumentenorganisation, die nicht davor zurückschreckt, notfalls Kritik an Fahrzeugherstellern zu äussern.

Der TCS hat aber viel Macht. Wie gross ist sein Einfluss beim Kauf von Autos?

Diese Frage muss den Konsumenten gestellt werden. Ich denke nicht, dass der Kunde heute nur eine Informationsquelle hat und seinen Kaufentscheid auf einen einzigen Artikel stützt. Mit unseren Fahrzeugtests, die in unserer Zeitung «Touring» veröffentlicht werden, und dem Ratgeber «Verbrauchskatalog» – eine gemeinsame Dienstleistung von Energieschweiz und TCS – bieten wir den Konsumenten Informationen, die ihnen den Fahrzeugkauf erleichtern. Alsdann entscheidet jeder Kunde nach seinen eigenen Kriterien.

Werden die Tests des TCS wegen des ADAC-Skandals neu überprüft?

Nein, dazu besteht kein Anlass.

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