Aktualisiert 06.02.2008 09:06

Wirbel um Fasnachts-Minarett von Wil: Politiker reagieren

Der Verzicht auf die Verbrennung eines Papp-Minaretts nach Drohungen von Muslimen lässt die Emotionen hochgehen. Politiker verlangen nun den Schutz des Brauchtums.

Die Fastnachtsgesellschaft Wil hat am Sonntag nach dem Umzug eine Nachbildung eines Minaretts nicht mitverbrannt – wegen Drohungen von Muslimen. «Es waren jugendliche Muslime, die am Umzug unseren Leuten direkt drohten», sagt Peter Ruckstuhl, Präsident der Fastnachtsgesellschaft: «Wenn ihr das Minarett verbrennt, passiert etwas Schlimmes», sagten sie.

Der Entscheid der Fasnächtler, sich der Drohung zu beugen und das Minarett vor der Nörgeli-Verbrennung abzubauen, hat sogar international Wellen geworfen: Unter anderem griffen «Spiegel online» und «Radio Vatikan» das Thema auf.

Ruckstuhl findet, jetzt seien die Politiker gefordert. Diese haben bereits reagiert: Erwin Hauser von der SVP Wil kündigte eine Interpellation an: Man wolle wissen, wer die Drohenden seien und wie man das Brauchtum Fasnacht schützen wolle. Einen ähnlichen Vorstoss plant SVP-Nationalrat Lukas Reimann im St.Galler Kantonsrat. Sicherheits- und Justizvorsteherin Karin Keller-Sutter sagte: «Ich finde es schlimm, dass man sich so einschränken musste. Doch es war richtig, das Minarett nicht zu verbrennen. Man weiss nicht, was sonst ausgelöst worden wäre.»

feb/ann

Imam: Appell an Muslime

Bekim Alimi, Imam von Wil, betonte gestern, er verurteile die Drohungen gegen den Fasnachtsumzug aufs Schärfste. «Ich appelliere an alle Muslime, sie sollen keine solchen Sprüche mehr von sich geben im Namen von Moslems», so der Imam. Er werde diesen Aufruf in der Freitagpredigt wiederholen. Alimi hat zudem Kontakt mit den Behörden und den Fasnächtlern aufgenommen. Er sei offen für eine Zusammenarbeit und Gespräche. Den Entscheid, das Minarett zu entfernen, begrüsst er allerdings nach wie vor.

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