Sicherheitsrisiko?: Wirbel um Swat-Training für Laien
Aktualisiert

Sicherheitsrisiko?Wirbel um Swat-Training für Laien

Im Swat-Training zeigen Ex-Mitglieder von Sondereinheiten, wie man Verbrecher zur Strecke bringt. Politiker warnen vor schiesswütigen Extremisten.

von
Lorenz Hanselmann
In voller Kampfmontur: Im Swat-Training werden für die Teilnehmer Einsätze von Sondereinheiten nachgestellt.

In voller Kampfmontur: Im Swat-Training werden für die Teilnehmer Einsätze von Sondereinheiten nachgestellt.

Bankräuber verschanzen sich mit einer Geisel, Spezialein­heiten stürmen das Gebäude und erschiessen oder ver­haften die Gangster. Dies ist eines der Szenarien beim ersten Schweizer Swat-Training, das in diesen Tagen in Ädermannsdorf SO startet. Für 290 Franken kann jeder ab 18 Jahren in die Rolle des Terroristenjägers schlüpfen: Er wird mit Helm, Schutzweste, Sturmmaske, echter ­Pistole (siehe Box) und Blendgranate ausgerüstet und von einem Ex-Mitglied der Elite-Einheit AAD10 der Armee taktisch geschult und angeführt. Ex-Polizisten spielen die bösen Jungs. «Unser Training ist mehr als Paintball für Erwachsene. Nach fünf Minuten glaubt man, man sei in einem realen Einsatz», schwärmt Roman ­Bader, der das Swat-Training organisiert.

Für Sicherheitspolitiker schiesst das Terrorspiel über das Ziel hinaus: «Dass jeder ohne Risikoprüfung eine Waffe bekommt, ist nicht akzep­tabel. Das ist kein Abenteuer­spielzeug», sagt Chantal Galladé (SP), Präsidentin der Sicherheitspolitischen Kommission des Nationalrats. Sie warnt davor, dass die falschen Leute am Training teilnehmen könnten, um mehr über Polizeitaktik zu erfahren.

Auch FDP-Nationalrätin Doris Fiala sieht eine Gefahr: «Ich erwarte, dass die Polizei und die Armee ­prüfen, ob im Training geheime ­Sicherheitstaktiken offengelegt werden.» Swat-Trainer Bader verspricht, nicht mehr Details preiszugeben, als schon heute öffentlich bekannt sind. SVP-Sicherheitspolitiker Hans Fehr will das Swat-Training deshalb tolerieren, fordert aber: «Verrückte und Extremisten müssen strikt ausgeschlossen werden.» Die Organisatoren wollen hier genau auf­passen: «Wir sind kein Aus­bildungscamp für Rechtsradikale und Möchtegern-Taliban», so Bader.

Echte Pistole mit falschen Patronen

Die Pistole des Typs SIG P228 FX, die im Swat-Training ausgehändigt wird, brauchen ­Spezialeinheiten weltweit im ­Training. Sie ist eine echte Waffe mit modifiziertem Lauf, die allerdings Farbgeschosse abschiesst. In der Schweiz kann man sie im Gegensatz zu Paintballwaffen nur mit Waffenerwerbsschein ­beziehen. Beim Fedpol stört man sich dennoch nicht daran, dass Laien im Swat-Training echte ­Pistolen in die Hände kriegen: «Werden solche Waffen unter ­Aufsicht ausgeliehen, ist dies ­ohne Waffenerwerbsschein möglich», heisst es auf Anfrage. Für Chantal Galladé (SP) besteht hier eine Gesetzeslücke: «Ich werde mich dafür einsetzen, dass das Waffengesetz angepasst wird.»

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