Publiziert

Ski-WeltcupWird Adelboden schon bald von Zermatt verdrängt?

Adelboden macht mit seinen Ski-Rennen seit Jahren Defizite im sechsstelligen Bereich. Nun bringen sich potenzielle Nachfolger in Stellung – allen voran Zermatt.

von
sul
1 / 8
Der Slalom am Chuenisbärgli war aus Schweizer Sicht ein voller Erfolg. Trotzdem haben die Veranstalter nicht nur Grund zum Jubeln.

Der Slalom am Chuenisbärgli war aus Schweizer Sicht ein voller Erfolg. Trotzdem haben die Veranstalter nicht nur Grund zum Jubeln.

Keystone/Peter Klaunzer
Die Rennen in Adelboden sind seit Jahren ein Minusgeschäft.

Die Rennen in Adelboden sind seit Jahren ein Minusgeschäft.

AP/Gabriele Facciotti
Seit 2016 bewegen sich die Verluste jeweils zwischen 200'000 und 300'000 Franken.

Seit 2016 bewegen sich die Verluste jeweils zwischen 200'000 und 300'000 Franken.

Keystone/Peter Klaunzer

Daniel Yule (26) brachte das Chuenisbärgli am Sonntag zum Beben: Als erster Schweizer seit 2007 gewann der Walliser den Slalom von Adelboden BE. Trotzdem haben die Veranstalter nicht nur Grund zum Jubeln: Die Rennen im Berner Oberland sind seit Jahren ein Minusgeschäft. Seit 2016 bewegen sich die Verluste jeweils zwischen 200'000 und 300'000 Franken. Wie lange Adelboden seinen Mega-Event noch stemmen kann, ist ungewiss.

Unter Druck geraten die Adelbodner aber nicht nur wegen des wiederholten Defizits, sondern auch, weil sich andere Destinationen als Austragungsort für künftige Weltcup-Rennen in Stellung bringen.

«Wir wollen niemanden konkurrenzieren»

Allen voran Zermatt. Am Fusse des Matterhorns rüstet man derzeit kräftig auf: Eine Weltcup-Piste, die auch von Breitensportlern genutzt werden kann, ist im Bau. Bereits 2016 wurde der Verein «Internationale Skirennen Zermatt» gegründet, der sich aus Zermatt Tourismus und der Zermatt Bergbahnen AG zusammensetzt.

Für Zermatts Tourismus-Direktor Daniel Luggen ist klar: Mit einer der längsten Pisten weltweit und dem Matterhorn im Blickfeld wäre Zermatt der ideale Gastgeber für den Ski-Zirkus. «Mit was könnte sich die Ski-Nation Schweiz der Welt besser präsentieren als mit dem Wahrzeichen», fragt er rhetorisch. Man sehe sich daher sogar «in der Pflicht», Zermatt als Austragungsort anzubieten. Und wenn schon ein Rennen, dann soll es auch gleich die Königsdisziplin sein: die Herrenabfahrt.

Bei Swiss Ski hat Zermatt seinen Wunsch bereits deponiert. Auf ein offizielles Gesuch wurde aber verzichtet: «Wir wollen nicht eine andere Schweizer Destination konkurrenzieren oder ihr das Weltcuprennen wegnehmen», erklärt Luggen. Man sei für Gespräche bereit, sobald die Verantwortlichen Zermatt als Austragungsort in Erwägung ziehen würden.

«Loser Kontakt» mit Swiss Ski

Die Walliser trauen sich sogar zu, den Event mit schwarzen Zahlen durchzuführen. «Zermatt-Matterhorn ist eine starke Marke und deshalb für Sponsoren attraktiv», sagt Luggen. Auch habe man Erfahrung bei der Durchführung von grossen Events, etwa dem Zermatt unplugged. Und zuletzt sei die Infrastruktur abseits der Piste, namentlich Unterkünfte und Gastronomieangebote, bereits vorhanden.

Luggen geht deshalb davon aus, dass Zermatt innert drei Jahren für ein Weltcup-Rennen bereit wäre. Allzu grosse Hoffnungen darauf macht er sich aber nicht: «Es ist schwierig, im Rennkalender aufgenommen zu werden.»

Zermatt gehöre zu den wichtigsten Sommertrainings-Destinationen des Schweizer Ski-Teams, weshalb man in regelmässigem Austausch stehe, sagt Diego Züger, Co-Direktor Marketing bei Swiss Ski. Auch im Hinblick auf künftige Weltcup-Rennen bestehe seit Jahren ein «loser Kontakt». Details seien aber noch keine ausgearbeitet.

Adelboden geht über die Bücher

Für Zermatt als Austragungsort spreche das weltweite Renommee und die einzigartige Kulisse, sagt Züger. Einen Nachteil sieht er hingegen in der schwierigen Erreichbarkeit des Bergortes: Zermatt ist seit jeher autofrei.

In Adelboden gibt man sich trotz Geldsorgen zuversichtlich. Der Ski-Weltcup am Chuenisbärgli sei «nach wie vor ein Top-Produkt», sagt Pascal von Allmen, Präsident des Verwaltungsrates der Ski-Weltcup Adelboden AG. Bei der Publikumsnachfrage sei kein Rückgang zu verzeichnen, Werbewirkung und Wertschöpfung seien weiterhin sehr gross. «Das sind gute Voraussetzungen für die Zukunft.»

Die Veranstalter sind derzeit nun daran, eine neue Strategie auszuarbeiten. Die Kosten sollen optimiert, das Angebot angepasst werden. Ein wichtiges Thema sei auch die Basisfinanzierung, sagt von Allmen. «Wir werden auf den Kanton und die Nachbarsgemeinden zugehen, um mit ihnen den Wert des Anlasses zu diskutieren.» So hoffen die Veranstalter, dass sich die Wertschätzung auch in finanzielle Zuschüsse ummünzen lässt.

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.