Neuer Standort gesucht – Wird aus der Luzerner bald die Emmer Määs?

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Neuer Standort gesuchtWird aus der Luzerner bald die Emmer Määs?

Seit Dienstag ist klar: Die traditionsreiche Luzerner Määs braucht eine neue Heimat. Aber wo bloss? Ein neuer Standort, der allen Ansprüchen gerecht wird, ist nicht in Sicht - jedenfalls innerhalb der Stadtgrenzen. Initianten träumen bereits davon, die Messe mit ihren 350’000 Besucherinnen und Besuchern nach Emmen zu locken.

von
Matthias Giordano
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Das Riesenrad der Luzerner Määs auf dem Europaplatz vor dem KKL. Ein Anblick, der bald der Geschichte angehört.

Das Riesenrad der Luzerner Määs auf dem Europaplatz vor dem KKL. Ein Anblick, der bald der Geschichte angehört.

Dario Stalder
Spätestens mit dem Bau des Durchgangsbahnhofs muss auch das Riesenrad einen neuen Platz finden.

Spätestens mit dem Bau des Durchgangsbahnhofs muss auch das Riesenrad einen neuen Platz finden.

Stadt Luzern
Der Stadtrat hat am Dienstag mitgeteilt, dass die Määs in ihrer derzeitigen Form ab 2027 nicht mehr im Inseli stattfinden kann.

Der Stadtrat hat am Dienstag mitgeteilt, dass die Määs in ihrer derzeitigen Form ab 2027 nicht mehr im Inseli stattfinden kann.

20min

Darum geht’s

  • Die Määs mit ihren über 100 Ständen, 30 Bahnen und 350’000 Besucherinnen und Besuchern braucht eine neue Heimat. Doch die Suche dürfte nicht allzu leicht werden.

  • Der Stadtrat erhofft sich, durch den Umbau beim Theater neue Möglichkeiten für die Määs zu bekommen. Diese Pläne erweisen sich allerdings als fraglich.

  • Nutzniesser könnte die Gemeinde Emmen sein. Initianten der Mitte-Partei wollen Wege erarbeiten, wie die Määs nach Emmen gelockt werden könnte.

Die Määs muss vom Inseli weg, spätestens ab 2027. Der Entschluss, den der Stadtrat am Dienstag verkündet hatte, überraschte und verärgert viele der Betroffenen. «Mit dem heutigen Entscheid verliert der Stadtrat jegliche Glaubwürdigkeit», polterte FDP-Fraktionschef Marco Baumann. Bis dahin hatte der Stadtrat stets versprochen, die Määs könne ihren Standort behalten, trotz Inseli-Umbaus. Jetzt also doch nicht. Und die grosse Frage, die viele Luzernerinnen und Luzerner nun umtreibt:

Wohin bloss mit der Määs?

Einen neuen Standort zu finden, der allen heutigen Ansprüchen genügt, wird tatsächlich knifflig. Rund 15’000 m² werden etwa benötigt. Dazu auf festem Untergrund, gut erschlossen und im Stadtzentrum soll er sein. Ein Blick auf den Zonenplan der Stadt Luzern zeigt das Problem sehr gut: Flächen, die es für den öffentlichen Gebrauch gibt, sind rar. Die im Plan grau markierten Areale sind zudem meist bereits besetzt. Etwa durch die VBL oder das Kantonsspital und Schulen.

Die grauen Flächen zeigen Nutzungsräume für öffentlichen Bedarf.
Zonenplan der Stadt Luzern

Die grauen Flächen zeigen Nutzungsräume für öffentlichen Bedarf.

geo.lu.ch

Ein letzter grösserer Bereich im Stadtzentrum bietet sich in der Chlistadt an. Der Bau des neuen Luzerner Theaters und der dazukommende Platz sowie die neue Bahnhofstrasse könnten der Määs eine neue Heimat bieten. Darauf hofft Yannik Gauch, Grossstadtrat und Initiator der Inseli-Initiative: «Der Stadt stehen in den nächsten Jahren und Jahrzehnten grosse Entwicklungen bevor. Man denke zum Beispiel an einen neuen Bahnhofsplatz, an die Umgestaltung der Bahnhofstrasse oder das neue Theater mitsamt seinem Vorplatz.» Und weiter:

«Ich bin überzeugt, dass sich dadurch im Stadtzentrum neue, passende Flächen ergeben werden.»

Yannick Gauch, SP-Grossstadtrat

Das Problem hierbei ist jedoch: Selbst wenn die Bahnhofstrasse mit samt neuem Theater fertig ist, kommt die Fläche der gesamten Bahnhofstrasse mit Jesuitenplatz und Theaterplatz auf lediglich 9900 m². Zum Vergleich: Allein die Fläche des Inselis ist 10’500 m² gross. Dabei ist der Europaplatz und die Fläche um das KKL herum noch nicht einmal mitberechnet. Dass alle Stände, Geschäfte und Bahnen der aktuellen Määs dort unterkommen, ist deshalb unwahrscheinlich.

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Die gesamte Fläche der Bahnhofstrasse mit Jesuitenplatz und Theaterplatz kommt auf lediglich 9900 m². Zu wenig, um die Määs in ihrem heutigen Umfang unterzubringen. 
Zonenplan der Bahnhofstrasse in der Stadt Luzern

Die gesamte Fläche der Bahnhofstrasse mit Jesuitenplatz und Theaterplatz kommt auf lediglich 9900 m². Zu wenig, um die Määs in ihrem heutigen Umfang unterzubringen.

Im Vergleich: Allein das Inseli hat eine ausgewiesene Fläche von 10’500 m². Dazu kommen der Europaplatz und die Flächen rund um das KKL.
Zonenplan Bahnhofareal und Inseli

Im Vergleich: Allein das Inseli hat eine ausgewiesene Fläche von 10’500 m². Dazu kommen der Europaplatz und die Flächen rund um das KKL.

geo.lu.ch

Emmen träumt bereits

In der Agglomeration hofft man indes bereits auf den grossen Coup. «Warum nicht jetzt den Pioniergeist wecken, erfrischend frech und echt inspirierend auftreten und der Määs einen neuen Lieblingsort schaffen?», schreibt die Mitte-Partei in Emmen. Sie will die Gemeinde nun dazu bewegen, Wege zu prüfen, wie man die Luzerner Määs zur Emmer Määs machen kann. «Sei dies in der Viscosistadt, auf dem Chilbiparkplatz oder beim neu gestalteten Seetalplatz. Der zusätzliche Esprit, der dieser traditionelle Anlass zu uns bringen würde, wäre eine grossartige Sache!», sagt Tresa Stübi von der Mitte Emmen.

Die Määs ausserhalb der Luzerner Stadtmauern. Ist das überhaupt denkbar? Immerhin geht die erste Herbstmesse in Luzern weit zurück in der Zeit. Wie Zentralplus schreibt, gibt es Eintragungen, die bis ins Jahr 1374 zurückreichen. Die Luzerner Määs war damals eine Warenplattform, die Chilbi-Bahnen kamen später dazu.

«Vielleicht wird man dem Inseli dann schnell nicht mehr nachtrauern»

Yannick Gauch begrüsst es, wenn über Gemeindegrenzen hinaus gedacht wird. Zudem habe Emmen passende Flächen und die nötige verkehrliche Anbindung, um eine solche Veranstaltung durchführen zu können. «Andererseits hat die Määs in der Stadt Luzern eine lange Tradition und ich denke, viele Luzerner und Luzernerinnen möchten die Määs gerne in der Stadt behalten – das geht auch mir so», sagt Gauch. Allerdings müssen in erster Linie ebenso die Schausteller und Schaustellerinnen und die IG Luzerner Herbstmesse entscheiden, ob sie solche Überlegungen anstellen möchten.

Wie auch immer es kommen mag, er sei überzeugt, dass diese unvergleichliche Määs-Stimmung auch an einem anderen Standort schnell entstehen wird. «Und wer weiss, vielleicht wird man dem Inseli dann schnell nicht mehr nachtrauern, weil wir einen noch besseren Standort gefunden haben.»

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