Wird bald jeder Asylbewerber geröntgt werden?
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Wird bald jeder Asylbewerber geröntgt werden?

Die kantonalen Gesundheitsdirektoren reagieren auf die jüngsten Fälle hoch resistenter Tuberkulose bei Asylsuchenden in Luzern und Zürich.

Sie wollen, dass der Bund die Wiedereinführung von Röntgenuntersuchungen an der Grenze prüft.

«Wir sind beunruhigt über die jüngsten Fälle von resistenter Tuberkulose bei Asylsuchenden», sagte Michael Jordi, stellvertretender Generalsekretär der kantonalen Gesundheitsdirektorenkonferenz (GDK) am Freitag zu einem Bericht der Nachrichtensendung «Heute Morgen» von Schweizer Radio DRS.

In einem Treffen mit Spitzenvertretern des Bundesamtes für Gesundheit (BAG) vom Donnerstag habe man sich darauf geeinigt, zu prüfen, ob es medizinisch Sinn mache, Asylsuchende aus besonders Tuberkulose gefährdeten Gebieten bei der Einreise wieder einer Röntgenuntersuchung zu unterziehen.

Dies wäre ohne grossen finanziellen Aufwand möglich, sagte der Basler Gesundheitsdirektor Carlo Conti gegenüber Radio DRS. Zu Gebieten mit hohem Tuberkulose-Befall gehören etwas Teile der ehemaligen Sowjetunion, aber auch mehrere Länder Zentralafrikas.

Die grenzsanitarischen Untersuchungen waren Anfang 2006 aufgehoben und durch Befragungen ersetzt worden. Der Bund sparte damit rund drei Millionen Franken. Die Abschaffung war auf teils harsche Kritik von Gesundheitsfachleuten gestossen.

Mangelnde Information

Der Bund kaum auch in die Kritik, weil er im Mai zu wenig schnell über den Fall eines tuberkuloserkrankten Asylsuchenden informiert hatte. Es handelt sich um einen Asylbewerber aus Afrika, der im Mai aus der Waadt nach Emmen LU gekommen war und dort schwer erkrankte.

Der Informationsfluss zwischen dem Empfangszentrum in Vallorbe VD, den Bundesbehörden und dem Kanton Luzern habe nicht funktioniert, kritisierte damals der Luzerner Gesundheitsdirektor Markus Dürr.

Demnach dauerte es einen Monat, bis die Luzerner Behörden vom Bund erfuhren, dass der Asylbewerber in der Waadt wegen Tuberkulose im Spital war. Das BAG habe den Gesundheitsdirektoren nun zugesichert, dass der Informationsfluss ab sofort verbessert werde, sagte Jordi.

Bei späteren Untersuchungen wurden in Luzern zwei weitere Asylsuchende positiv auf Tuberkulose getestet. Ihr Ansteckungsweg ist unklar. Ein weiterer Fall einer hoch resistenten Tuberkulose ist aus dem Kanton Zürich bekannt: Ein Asylsuchender aus Tibet. Der Fall datiert aus dem vergangenen Herbst.

(sda)

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