6 Fragen, 6 Antworten: Wird Blockchain die Banken wegfegen?
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6 Fragen, 6 AntwortenWird Blockchain die Banken wegfegen?

Die Blockchain-Technologie könnte die Wirtschaft umkrempeln. Worum handelt es sich genau? Was ist dran an dem Hype?

von
K. Wolfensberger

Fintech-Investor Marc P. Bernegger im Interview mit 20 Minuten. Thema: Potenzial der Blockchain-Technologie. (Video: Kaspar Wolfensberger)

So wie das Internet die Kommunikation verändert hat, so soll sie dereinst sämtliche Transaktionen zwischen Menschen umwälzen: die Blockchain. Bisher war sie primär als Technologie hinter der Cyber-Währung Bitcoin bekannt. Nun sprechen Experten von einer möglichen Erschütterung der Finanzbranche in ihren Grundfesten und der kompletten Demokratisierung aller Handelswege. Die wichtigsten Fragen und Antworten zum Thema.

Was ist die Blockchain-Technologie?

Blockchain bezeichnet eine dezentral organisierte Kette von Daten, die die Informationen zu sämtlichen Transaktionen enthält, die je zwischen den Computern eines Netzwerks getätigt wurden. Alle Teilnehmer verfügen über dieselben Informationen, die nicht manipuliert werden können, solange niemand die Mehrheit der Rechenleistung besitzt. Durch diese Funktionsweise werden Mittelsmänner theoretisch komplett überflüssig. Handel ist auf transparente Art und Weise direkt zwischen den Teilnehmern möglich.

Welches Potenzial bietet Blockchain?

Gewisse Befürworter der Technologie wollen mit ihrer Hilfe alle Intermediäre des Wirtschaftssystems abschaffen. Laut der «Frankfurter Allgemeinen Zeitung» würde dies das Ende von Banken, Börsen, Kreditkarteninstituten, Beratern oder Wirtschaftsprüfern bedeuten. Die Blockchain könnte somit – zumindest in der Theorie – klassische Konzerne, aber auch Plattformen wie Uber oder Airbnb obsolet machen.

Wieso kommt die Technologie noch nicht häufiger zum Einsatz?

Blockchain gibt es erst seit wenigen Jahren. Fintech-Investor Marc P. Bernegger sagt zu 20 Minuten: «Bis eine Technologie umfassend Erfolg hat, dauert es oft eine Weile, wie man auch beim Internet gesehen hat.» Die Entwicklung der Blockchain stünde noch ganz am Anfang, doch im Hintergrund werde an vielen Einsatzmöglichkeiten gearbeitet, die in den nächsten Jahren für bedeutende Veränderungen sorgen könnten, so Bernegger.

Welche Blockchain-Firmen gibt es in der Schweiz?

Die Schweiz ist ein wichtiger Blockchain-Standort für Kryptowährungen. Christian Decker, der an der ETH Zürich forscht, nannte dazu gegenüber 20 Minuten drei Gründe: «Erstens ist in Zürich ein grosses technisches Know-how und Interesse in diesem Bereich vorhanden.» Zweitens seien die rechtlichen Regulierungen von Kryptowährungen in der Schweiz sehr liberal – im Gegensatz zu anderen Ländern. «Und drittens ist die Schweiz auch steuerlich sehr attraktiv», so Decker. In Baar ist mit Ethereum eines der ambitioniertesten Projekte ansässig: Die vom 21-jährigen Russen Vitalik Buterin gegründete Firma will eine Plattform zur Verfügung stellen, in der alle möglichen Arten von Applikationen ohne zentralen Speicherplatz ausgeführt werden können. Bekannte Schweizer Blockchain-Firmen sind ausserdem Monetas, Xapo oder die Bitcoin Suisse AG.

Wird die Blockchain-Technologie den Finanzplatz oder grosse Konzerne in Bedrängnis bringen?

Innovationen bedeuten für bestehende Wertschöpfungsketten immer eine Veränderung. Blockchain könnte auf dem Schweizer Finanzplatz tatsächlich für Umwälzungen sorgen. «Die Herausforderung für Schweizer Banken und Unternehmen wird sein, auf diese Veränderungen einzugehen und sie sinnvoll zu integrieren», erklärt Marc P. Bernegger. Wichtig sei also: Keine Abwehrhaltung einnehmen, sondern die positiven Möglichkeiten, die Blockchain bietet, integrieren.

Was sind die Gefahren der Blockchain?

Zumindest beim Beispiel Bitcoin gilt: Durch die Anonymität steigt auch die Attraktivität der Cyberwährung für Kriminelle. Da die Einrichtung eines Kontos einfach ist, kann es für Delikte wie Steuerflucht oder Geldwäsche missbraucht werden.

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