Aktualisiert 25.07.2014 08:14

Weniger Grossfeuerwerke

Wird das der ruhigste 1. August seit langem?

Weil ihnen die neue Lizenz für Grossfeuerwerke fehlt, weichen heuer viele Private und Vereine auf kleinere Böller aus – oder sie lassen es ganz bleiben. Die Tierschützer freuts.

von
Raffaela Moresi

Für manchen lärmgeplagten Vierbeiner könnte der diesjährige Nationalfeiertag wesentlich entspannter werden als sonst. Seit Anfang 2014 gilt: Nur wer einen entsprechenden Kurs samt Prüfung ablegt, darf Feuerwerke der Kategorie 4 – das sind Batterien mit 80 bis 300 Raketen – in den Himmel schiessen.

Doch diese neue Regelung haben offenbar längst nicht alle Feuerwerk-Fans mitgekriegt. «Die meisten Privatpersonen haben es verpasst, den Kurs zu machen», sagt Stefano Papini vom Händler WOP – World of Party in Zunzgen BL. Grossfeuerwerke seien deshalb im Moment «viel, viel weniger» gefragt als in früheren Jahren.

«Stehen wie Esel am Berg»

Auch an Toni Bussmann, Inhaber der Feuerwerksfirma Bugano AG, wenden sich derzeit zahlreiche «Hilfesuchende»: «Es sind vor allem Hoteliers, Quartiervereine und Private, welche die Schulung versäumt haben und nun wie die Esel am Berg stehen.» Die Betroffenen stiegen entweder notgedrungen auf Feuerwerke der Kategorie 3 um oder verzichteten gleich ganz auf die Knallerei. Bussmann rechnet mit Umsatzeinbussen von 10 bis 20 Prozent. In Einzelfällen könne man zwar auch jemanden vermitteln, der die Lizenz zum Feuerwerken habe. «Aber für den 1. August wird das schwierig – die Nachfrage ist zu gross.»

Die Gemeinde-Feuerwerke sieht Toni Bussmann hingegen nicht in Gefahr. «Die haben es grundsätzlich besser im Griff und den Kurs meist schon im Frühjahr gemacht.» Allerdings nicht alle: Wie der Geschäftsführer der Firma Sugyp SA aus Grandson gegenüber der «Aargauer Zeitung» sagte, bestellten dieses Jahr 15 welsche Gemeinden erstmals ein Feuerwerk der Kategorie 3, weil niemand die geforderte Prüfung abgelegt habe. Und die nächsten Kurse finden erst im kommenden September statt – zu spät, um es am Nationalfeiertag richtig krachen zu lassen.

«Diese Knallerei ist für Tiere ein extremer Stress»

Was die Liebhaber der Pyro-Spektakel schmerzen dürfte, freut die Hunde- und Katzenbesitzer: Dass heuer wohl in vielen Quartieren deutlich weniger Mega-Feuerwerke gezündet werden, ist für Helen Sandmeier vom Schweizer Tierschutz «auf jeden Fall eine gute Sache». Schliesslich gehe oft vergessen, welch empfindliches Gehör Haus-, Wild- und Nutztiere hätten. «Diese unvorbereitete Knallerei ist für alle Tiere ein extremer Stress. Einige bekommen regelrecht Panik.»

Leute, die vergangenes Jahr noch Riesenböller hamsterten oder diese aus dem Ausland in die Schweiz bringen, um sie hier abzufeuern, seien gewarnt: Wer trotz fehlender Lizenz vorsätzlich Feuerwerke der Kategorie 4 abschiesst, riskiert gemäss Artikel 37 des Sprengstoffgesetzes Gefängnis oder Busse. Kontrolliert wird «im Rahmen des normalen Dienstbetriebes oder auf Anzeige hin», wie Daniel Schnyder, Sprecher der Kapo Zürich, erklärte. Spezielle Kontrollen seien am 1. August nicht vorgesehen.

Rund 250 Unfälle wegen Feuerwerken

Wegen Feuerwerken kommt es in der Schweiz jedes Jahr zu mehr als 250 Unfällen. Die Hälfte davon ereignet sich zum 1. August. Ein unsachgemässer Umgang mit Feuerwerken kann üble Folgen haben: Bei total 1200 Unfällen zwischen 2008 und 2012 kamen in der Schweiz zwei Personen ums Leben, fünf wurden zu Invaliden, wie der Unfallversicherer Suva am Donnerstag mitteilte. Die meisten Zwischenfälle haben weniger gravierende Folgen. Bei 43 Prozent der Unfälle kam es zu Verbrennungen vor allem an der Hand. Bei einem Viertel der Fälle erlitten die Betroffenen offene Wunden im Gesicht und an den Händen.

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