Starkes aus der Debatte«Mr. Vizepräsident, jetzt rede ich!»

In Salt Lake City standen sich die Demokratin Kamala Harris und der amtierende republikanische Vizepräsident Mike Pence in der einzigen TV-Debatte der Vizepräsidentschaftskandidaten gegenüber. Ein erster Überblick.

«Jetzt spreche ich!»

In Salt Lake City standen sich die demokratische Senatorin Kamala Harris und der amtierende republikanische Vizepräsident Mike Pence in der einzigen TV-Debatte der Vizepräsidentschaftskandidaten gegenüber. Es ging unter anderem um Rassismus, die Corona-Pandemie und die Frage, ob Pence eine Wahlniederlage von Donald Trump akzeptieren würde.

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Donnerstag, 8.10.2020

So reagieren die US-Medien

In den USA laufen nun die Deutungen der Debatte: Wer hat gewonnen, was waren die wichtigsten Punkte und was hatte die Fliege auf dem Kopf von Mike Pence verloren?

Das rechte Portal «Fox News» etwa schreibt von einer «hitzigen aber zivilisierten» Debatte. Die Kandidaten hätten sich nicht geschont, der Umgangston sei aber freundlicher gewesen als bei den Präsidentschaftskandidaten.

Pence habe einige harte Schläge gegen Joe Biden ausgeteilt, etwa als er ihn als «Cheerleader für das kommunistische China» bezeichnet habe.

Fox-Moderator Chris Wallace, der die letzte Debatte zwischen Trump und Biden moderiert hatte, sagte, dass beide einigen wichtigen Fragen ausgewichen seien. Harris habe etwa nicht auf die Frage geantwortet, ob sie das Oberste Gericht ausbauen wolle, um die konservative Mehrheit zu brechen. Pence habe nicht reagiert, als er gefragt wurde, wie er Menschen mit Vorerkrankungen schützen wolle, wenn die Trump-Regierung Obamacare abschaffe.

Auf der Gegenseite des politischen Spektrums bezeichnete die ehemalige demokratische Senatorin Claire McCaskill Pence auf dem liberalen Sender MSNBC als «bevormundend» und «langweilig». Harris dagegen sei «stark» gewesen und habe die Kontrolle übernommen.

Auf CNN schreibt Politkommentator Chris Cillizza, Harris habe während den ersten 15 Minuten der Debatte brilliert. Pence dagegen sei gut darin gewesen, Harris und Biden mit ihren eigenen Aussagen anzugreifen.

Eindeutiger Gewinner sei aber die Fliege gewesen: «Sagen Sie was sie wollen über Medien, die sich aufs Nebensächliche konzentrieren. Aber eine verdammte Fliege sass für geschlagene zwei Minuten auf den Haaren von Pence.» Wer jetzt nicht glaube, dass diese Debatte als «Fliegendebatte» in die Geschichte eingehen werde, verstehe nichts von Politik.

Starkes aus der Debatte

In Salt Lake City lieferten sich heute Nacht die beiden Bewerber um die US-Vizepräsidentschaft ihre erste und einzige Debatte. Das Duell unterschied sich stark vom Vorangehenden zwischen Donald Trump und Joe Biden: Zwischen Harris und Pence ging es um Politik und man hörte sich zumindest teilweise gegenseitig zu.

Die beiden Kandidaten äusserten sehr unterschiedliche Haltungen zu Themen wie Corona, dem Klimawandel und Rassismus. Harris stellte die Vorzüge von Joe Biden in den Vordergrund, Pence sprach darüber, was die Trump-Regierung in den letzten Jahren erreicht habe. Beide ignorierten teilweise Fragen der Moderatorin und sprachen stattdessen über Themen ihrer Wahl.

«Diese Regierung hat das Recht auf eine Wiederwahl verwirkt.»

Kamala Harris

Gleich zu Beginn des Duells stand der Umgang mit der Coronavirus-Pandemie im Mittelpunkt. «Das amerikanische Volk hat miterlebt, was der grösste Misserfolg einer Regierung in der Geschichte unseres Landes ist», sagte Harris. Pence und Trump hätten bereits am 28. Januar alle nötigen Informationen über das Virus gehabt, es bewusst heruntergespielt und unnötig Leben riskiert. «Das amerikanische Volks hat Opfer bringen müssen wegen der Inkompetenz dieser Regierung.»

Wann kommt der Corona-Impfstoff?

Pence verteidigte die Bemühungen der US-Regierung zur Bekämpfung des Virus, einschliesslich Trumps Entscheidung Ende Januar, die Einreise vom Epizentrum der Pandemie in China zu beschränken. «Dr. Fauci und andere Gesundheitsexperten sagten in der zweiten Märzwoche, wenn Trump die Wirtschaft nicht geschlossen hätte, könnten inzwischen 2,2 Millionen Menschen getötet worden sein», entgegnete er. Trump habe unverzüglich die Forschung eines Impfstoffes vorangetrieben, nur deswegen stünde jetzt bald ein solcher Stoff zur Verfügung.

«Hör auf, mit dem Leben der Menschen Politik zu machen»

Mike Pence

Beide Kandidaten wichen der Frage aus, wie ihre Absprachen mit den jeweiligen Präsidentschaftsanwärtern für eine Machtübergabe sind. Es ist ein wichtiger Punkt: Trump ist 74 Jahre alt und an Covid-19 erkrankt, Biden ist 77. Jeder der beiden wäre bei Amtsantritt im Januar 2021 der älteste Präsident in der US-Geschichte. Moderatorin Page hakte auch nicht nach.

Pence ging zudem nicht darauf ein, ob Trump und er eine Wahlniederlage akzeptieren würden. «Ich denke, wir werden diese Wahl gewinnen», sagte der Vizepräsident. Trump liegt in landesweiten Umfragen deutlich hinter Biden zurück.

Zeitweise landete eine Fliege auf dem Kopf des Vizepräsidenten. Auf Twitter stellen viele diese nun als eigentliche Siegerin der Debatte dar.

Genauso wenig beantwortete Harris die von Pence gestellte Frage, ob Biden und die Demokraten im Falle ihres Wahlsiegs und der Rückeroberung der Mehrheit im Senat das Oberste Gericht vergrössern würden. Die Republikaner versuchen gerade, die Juristin Amy Coney Barrett in das höchste US-Gericht zu bringen. Sie würde eine konservative Mehrheit im Gericht zementieren.

Harris bezeichnet Trump als unehrlich

Bei den Themen Gesundheitswesen und Steuererhöhungen ging Harris in die Offensive: Sie verurteilte die Bemühungen der Trump-Regierung, den «Affordable Care Act» für ungültig zu erklären und griff Trump an, weil er als Präsident in den vergangenen Jahren laut einem Artikel der «New York Times» nur 750 Dollar pro Jahr an Bundeseinkommenssteuern gezahlt habe. «Als ich zum ersten Mal davon hörte, sagte ich buchstäblich: Sie meinen 750.000 Dollar?», sagte sie.

«Joe Biden wird ihre Steuern am ersten Tag erhöhen.»

Mike Pence

Dies sei nur ein weiterer Beleg für Trumps Unehrlichkeit gegenüber dem amerikanischen Volk, das ein Recht habe zu erfahren, auf welcher Grundlage der Präsident seine Entscheidungen treffe. «Es wäre gut zu wissen, wem der Präsident der USA Geld schuldet.»

Pence wiedersprach und erklärte, dass Trump ein Geschäftsmann sei, tausende Arbeitspätze geschaffen habe und Millionen Dollar an Unternehmenssteuern zahle. Dann lenkte der Vizepräsident das Thema auf die Wirtschafts- und Steuerpolitik und verschärfte den Ton: «Am ersten Tag wird Joe Biden ihre Steuern erhöhen», richtet sich Pence direkt in die Kamera.

Harris unterbrach: «Lassen sie uns bei den Fakten bleiben, für die diese Debatte gedacht ist.» Pence entgegnet: «Sie haben Anspruch auf Ihre eigene Meinung, aber Sie haben keinen Anspruch auf Ihre eigenen Tatsachen.»

Ganz anders als die erste Debatte

Weitere Themen waren Klimawandel, Polizeigewalt und Rassismus, die Ernennung der neuen Richterin für den Obersten Gerichtshof sowie die Durchführung der Wahl. Die Debatte am Mittwoch, bei der sich die Kandidaten mit einer Reihe von politischen Themen befassten, verlief im Gegensatz zur chaotischen Präsidentendebatte der vergangenen Woche geordnet.

«Mr. Vizepräsident, jetzt rede ich!»

Kamala Harris

Trump hatte den demokratischen Präsidentschaftskandidaten Biden wiederholt unterbrochen und die beiden Männer hatten sich gegenseitig mit persönliche Beleidigungen überzogen.

Angesichts der Corona-Infektion des US-Präsidenten Donald Trump wurden die Sicherheitsmassnahmen verschärft: In der Fernsehdebatte trennten Plexiglasscheiben die sitzenden Stellvertreter-Kandidaten. Zudem war auf der Bühne der Abstand auf vier Meter vergrössert. (nsa/Reuters/sda)

Spaltung der Gesellschaft

«Glaubt nicht, dass die Medien die Gesellschaft der USA abbilden», sagt Pence und spricht die Freundschaft zwischen den Verstorbenen Richtern Scalia und Bader Ginsburg an. Man könne in den USA über Politik streiten, vertrage sich aber danach wieder.

Harris sagt, sie glaube an eine gute Zukunft. «Sie haben die Stimme, um dieses Land zu verändern.»

Wahl

Page fragt, ob die Kandidaten eine Nichtwahl akzeptieren würden und wie sie eine Machtübergabe mit ihren jeweiligen Präsidenten geregelt hätten.

Harris sagt, man habe Verbündete bei der Republikanern. Trump habe offen versucht, die Wahl in Frage zu stellen. «Wir dagegen glauben ans Volk der USA. Geht wählen!»

Pence sagt: «Wir werden diese Wahl gewinnen.» Ob er eine Nichtwahl akzeptieren werde, sagt er nicht.

Die Demokratische Partei habe die letzten Jahre lang versucht, die Präsidentschaft von Trump rückgängig zu machen. Harris und ihre Kollegen hätten versucht, Trump abzusetzen «nur wegen eines Telefonats».

Rassismus und Polizeigewalt

Page spricht den Tod von Breonna Taylor an, einer Afroamerikanerin, die von Polizisten erschossen wurde. Harris sagt, sie habe mit Taylors Mutter gesprochen und bedaure den Fall sehr.

Sie habe an den friedlichen Protesten nach dem Tod von George Floyd teilgenommen. Man müsse ständig gegen Rassismus vorgehen. Sollten Biden und sie die Wahl am 3. November gewinnen, würden Würgegriffe bei der Polizei verboten. Es werde ausserdem eine nationale Datenbank geschaffen, in der Polizisten registriert würden, die gegen Gesetze verstossen haben. Privat betriebene Gefängnisse würden abgeschafft. Marihuana werde entkriminalisiert.

Pence antwortet, er bedaure den Todesfall von Taylor. Er habe aber Vertrauen in das US-Justizsystem. Mit Blick auf Ausschreitungen am Rande von Protesten gegen Rassismus und Polizeigewalt fügte er hinzu, für Randale und Plünderungen gebe es keine Entschuldigung. Die Aussage, dass die USA systematisch rassistisch sei, sei eine Beleidigung gegen die Polizisten im Land. Er und Trump stünden auf der Seite der Polizisten.

Harris sagt, im Gegensatz zu Pence habe sie als ehemalige Staatsanwältin Erfahrung in der Strafverfolgung. «Ich werde hier nicht sitzen und mich vom Vizepräsidenten belehren lassen, was es heisst, die Gesetze unseres Landes durchzusetzen. Ich bin hier die einzige auf der Bühne, die alles strafrechtlich verfolgt hat, von Kindesmissbrauch bis Mord.» Zudem habe sich Trump bei der letzten Debatte geweigert, «White Supremacy» zu verurteilen.

Pence sagt, Trump sei kein Rassist. Seine Aussagen würden von den Medien falsch wiedergegeben. Harris dagegen habe als Staatsanwältin nichts dagegen unternommen, dass in Kalifornien die Strafverfolgung verbessert werde.

Harris widerspricht, sie habe etwa Bodycams für Polizisten eingeführt. Ihr Modell aus Kalifornien werde bei einer Wahl von ihr und Biden im ganzen Land eingesetzt.

Trump meldet sich über Twitter

US-Präsident Donald Trump hat die Vizekandidatin der US-Demokraten, Kamala Harris, bei ihrer TV-Debatte mit Vizepräsident Mike Pence per Twitter kritisiert. «Sie ist eine Ausrutscher-Maschine», schrieb Trump am Mittwochabend (Ortseit) während des laufenden TV-Duells in Salt Lake City im Bundesstaat Utah.

Abtreibung

Page fragt Harris, ob sie Abtreibung in Kalifornien vollständig erlauben würde. Harris sagt, sowohl sie als auch Biden seien gläubig. «Wenn eine Frau schwanger ist, sollte sie aber selber darüber entscheiden – nicht Donald Trump oder Mike Pence.»

Pence sagt: «Ich bin Abtreibungsgegner und stolz darauf.»

Susan Page wirkt überfordert

Page wirkt teilweise überfordert. Wenn die Kandidaten – insbesondere Mike Pence – zu lange sprechen, sagt sie wiederholt «Thank You», stoppt sie aber nicht. Pence spricht deutlich mehr als Harris.

Aussenpolitik

«Sie haben den Wirtschaftskrieg gegen China verloren», sagt Harris. Trump habe mehr Jobs verloren als jede andere US-Regierung. Wegen seines angezettelten Wirtschaftskriegs gebe es keine Jobs für die Jungen.

Pence antwortet, Joe Biden habe den Wirtschaftskrieg gegen China nie geführt. Er habe sogar mit dem «kommunistischen China» zusammengearbeitet. «China ist schuld am Coronavirus», sagt Pence. Joe Biden habe sich gegen eine Einreisesperre für Chinesen ausgesprochen.

Pence wirft Harris vor, gegen die US-Autoindustrie vorzugehen, weil sie den sogenannten «Green New Deal» unterstütze.

Harris sagt, viele Staaten würden Xi Jinping inzwischen ernster nehmen als Donald Trump. «Er hat unsere Freunde verraten und sich mit Diktatoren auf der ganzen Welt verbündet.»

Trump habe etwa den Nukleardeal mit dem Iran aufgelöst und die USA damit weniger sicher gemacht. Zudem habe er sich etwa mit den Verbündeten der USA bei der Nato angelegt.

Pence sagt, Trump habe Jerusalem als Hauptstadt von Israel anerkannt und damit sein Wort gehalten. Zudem trage die Nato nun mehr zur Sicherheit der USA bei als je zuvor.

Trump habe den sogenannten «Islamischen Staat» besiegt und die USA damit sicherer gemacht.

Harris sagt, nachdem die USA den iranischen General Soleimani getötet habe, hätten US-Soldaten bei einem Gegenschlag Hirnschäden erlitten. Trump habe diese als Kopfschmerzen abgetan.

Trump habe sich mehrfach mit Putin getroffen und nie angesprochen, dass Russland Kopfgeld auf US-Soldaten ausgesetzt habe.

Klimawandel

Page fragt Pence, ob dieser daran glaube, dass der Menschgemachte Klimawandel die Feuer in Kalifornien stärker und gefährlicher mache. Pence antwortet: «Das Klima ändert sich. Die Frage ist, was schuld daran ist.»

Die Umwelt der USA sei sauberer als je zuvor. Man habe den CO2-Ausstoss stärker als andere Länder reduziert – aber durch Innovation und nicht durch Regulierungen. Biden wolle Fracking verbieten.

Harris sagt: «Joe Biden wird Fracking nicht verbieten.» Er habe sich aber die Situation in Kalifornien und anderen US-Staaten, die unter dem Klimawandel leiden, angesehen und mit Wissenschaftlern gesprochen. «Diese Regierung glaubt nicht an die Wissenschaft.»

Arbeitslosigkeit und Steuern

Harris sagt, Biden wolle die US-Wirtschaft dadurch stärken, dass er der arbeitenden Klasse helfe. Trump dagegen habe lediglich die Steuern für die Reichsten gesenkt. Biden wolle in Infrastruktur investieren und die US-Bürger bei der Ausbildung unterstützen.

Pence sagt, unter Trump habe der durchschnittliche US-Haushalt mehr Geld gehabt als unter Obama. Das sei, weil Trump die Steuern gesenkt habe. «Sie wollen fossiles Öl abschaffen. Das wird der US-Wirtschaft schaden.» Biden dagegen werde die Steuern erhöhen, sobald er an der Macht sei.

Harris widerspricht. Biden werde die Steuern nur für die Reichsten erhöhen.

Gesundheit

Wieso haben die Kandidaten keine Gesundheitschecks veröffentlicht, fragt Page. Das sei vor dem Wahlkampf vor 2020 normal gewesen. Pence spricht über den Gesundheitszustand von Trump. Weicht der Frage aber aus.

Harris sagt, Joe Biden sei sehr transparent gewesen. So habe er beispielsweise im Gegensatz zu Trump seine Steuererklärung veröffentlicht. Trump sei verschuldet, das zeige eine Enthüllung der «New York Times». «Es wäre gut zu wissen, wem der Präsident der USA Geld schuldet.»

Was passiert, wenn Pence für Trump übernehmen soll?

Page fragt Pence, ob dieser bereit sei, für Donald Trump einzuspringen, sollte dieser an Corona sterben. Pence antwortet, man werde bald einen Impfstoff haben. Harris solle damit aufhören, mit dem Leben der US-Amerikaner «Politik zu spielen».

Er spricht weiter von der Schweinegrippe, die unter Barack Obama ausgebrochen sei, als Joe Biden Vizepräsident war. Damals sei die Situation nicht unter Kontrolle gewesen.

Corona

Das Coronavirus ist in den USA ausser Kontrolle, sagt Page. Sie fragt Harris, was eine Biden-Präsidentschaft tun würde, das Trump nicht getan hat.

Harris sagt, die USA habe das grösste Scheitern miterlebt, dass je eine Regierung veranstaltet habe. «Sie wussten, was passieren wird und haben es verschwiegen.» Die Regierung habe durch ihren Umgang mit Corona ihr Recht auf eine Wiederwahl verloren.

Pence sagt, Trump habe die Gesundheit der Amerikaner immer in den Vordergrund gestellt. So habe er beispielsweise die Grenzen zu China geschlossen – eine Massnahme die Joe Biden ablehnte. Bald gebe es tausende Impfungen. Biden dagegen habe nur den Plan von Trump kopiert.

Harris sagt: «Was auch immer diese Regierung getan hat, es hat nicht funktioniert.» Pence habe die Menschen in den USA dazu aufgerufen, ruhig zu bleiben. Dabei sei das Land in einer riesigen Krise.

Page fragt Pence, wie er die Amerikaner schützen wolle, wenn es dem Weissen Haus nicht mal möglich sei, den Präsidenten vor Corona zu schützen. Pence antwortet, er glaube an die Fähigkeit des amerikanischen Volks, sich selbst zu schützen. Das sei ein Zeichen von Respekt gegenüber dem Volk.

Harris antwortet, Respekt gegenüber dem Volk bedeute auch, es nicht anzulügen.

Es geht los

Susan Page begrüsst das Publikum. Man habe spezielle Sicherheitsmassnahmen getroffen. Alle im Publikum müssen eine Maske tragen.

Jetzt treffen die Kandidaten auf der Bühne ein. Page kündigt an, dass sie die Debattenregeln durchsetzen werde. Die Kandidaten haben jeweils zwei Minuten, um eine Frage zu beantworten, ohne dass sie dabei unterbrochen werden.

Schutzmassnahmen

Zum Schutz vor dem Coronavirus sind die Kandidaten durch Plexiglasscheiben getrennt. In den USA wurden aber auch bereits Stimmen laut, die fordern, dass die Debatte aus Sicherheitsgründen ganz abgesagt oder aus Distanz durchgeführt werden soll.

Die Moderatorin

Leiten wird die Debatte die Journalistin Susan Page. Page hat langjährige Erfahrung als Politjournalistin und arbeitet derzeit für «USA Today».

Mittwoch, 7.10.2020

Kamala Harris

Die Demokratische Partei vertritt Kamala Harris. Harris war von 2011 bis 2017 Generalstaatsanwältin des Bundesstaats Kalifornien, seit 2017 vertritt sie Kalifornien im Senat. Die 55-Jährige stammt aus dem eher linken Flügel der Demokratischen Partei, wurde aber auch schon dafür kritisiert, als Generalstaatsanwältin gewalttätige Polizisten geschützt zu haben.

Harris war die erste Frau, die in Kalifornien zur Generalstaatsanwältin gewählt wurde und sagt über sich selbst: «Ich bin schwarz und ich bin stolz, schwarz zu sein. Ich wurde schwarz geboren. Ich werde schwarz sterben.»

Harris hat sich in den letzten Monaten in der Öffentlichkeit eher zurückgehalten. Viel Aufmerksamkeit bekam sie, als sie im Winter 2020 bei einer Debatte um die demokratische Vorwahl Joe Biden – mit dessen verstorbenem Sohn Beau sie befreundet war – Rassismus vorwarf. Dieser machte sie trotzdem zum «Running Mate» und nun scheint man sich wieder zu vertragen.

Als erste schwarze Frau, die von einer der beiden grossen Parteien als Vize-Präsidentin nominiert wird, wird sie sich aber auch gegen rassistische und sexistische Stereotype durchsetzen müssen – zumal es eine reale Chance gibt, dass sie die Amtsgeschäfte von Joe Biden (77) noch während seiner ersten Amtszeit übernehmen müsste, sollte er denn überhaupt gewählt werden.

Mike Pence

Für die Republikanische Partei tritt Mike Pence an. Pence war von 2013 bis 2017 Gouverneur des Bundesstaates Indiana und ist seit dem 20. Januar 2017 der 48. Vizepräsident der USA. Er gilt politisch als rechter Hardliner und ist vor allem bei der wichtigen Wählergruppe der Evangelikalen beliebt. Er sagt über sich selbst, er sei Christ, Konservativer und Republikaner – und zwar in dieser Reihenfolge.

Für Pence wird es keine einfache Debatte. Der 61-Jährige ist in den letzten Jahren vor allem dadurch aufgefallen, dass er Donald Trump nicht in die Quere kam. Nun spricht man plötzlich darüber, dass er die USA führen müsste, wenn Trump wegen seiner Ansteckung mit dem Coronavirus nicht mehr dazu in der Lage wäre.

Seit dem 26. Februar 2020 leitet Pence die «White House Coronavirus Task Force», die wegen den hohen Fallzahlen in den USA immer wieder stark in der Kritik stand.

Zugute kommen könnte ihm seine Medienerfahrung: Pence war früher Radiomoderator und gilt als eloquenter Redner.

Wann findet die Debatte statt?

Die Debatte dauert 90 Minuten ohne Unterbrechung und findet in der University of Utah in Salt Lake City statt. Sie beginnt in den USA am 07.10.2020 um 21:00 ET. In der Schweiz ist das 03:00 am 08.10.2020. Der Liveticker zur Debatte läuft hier ab ca. 02:45.

341 Kommentare
Kommentarfunktion geschlossen

Respekt Kamala Harris

08.10.2020, 23:01

Wollte Pence seinem Chef nach eifern, als er Mrs. Harris ins Wort fiel? Grossartig, dass die Dame sich klar ausdrückte, und den "guten Mann" an seine minimalen Anstandsregeln erinnerte! Grossartig!

Mary Jane

08.10.2020, 20:08

Diese beiden Diskussionsteilnehmer kommen mir vor wie die beiden Streithähne in der Loge der Muppet-Show! Anstatt Susan Page einfach Kermit als Friedensstifter. Mit einem gewichtigen Unterschied: Bei der Muppet-Show kann man noch lachen!!

Lilith

08.10.2020, 11:27

Kamala Harris wäre eine wunderbare Präsidentin.